Kultur

Landshuter Theater. (Foto: dpa)

13.11.2019

Landshut: Anhaltender Protest gegen Stopp der Theatersanierung

Die Sanierung des Stadttheaters in Landshut steht auf der Kippe. Nun berät der Haushaltsausschuss der niederbayerischen Stadt über die Finanzierung

Das Theater in Landshut ist von Schließung bedroht - obwohl es eigentlich für mehr als 40 Millionen Euro saniert werden sollte. In der niederbayerischen Stadt ist die Empörung groß. Mit einer Online-Petition sammelt das Theater-Ensemble Unterschriften, um die Stadtverwaltung umzustimmen. Die hatte Ende Oktober angesichts magerer Finanzen in Erwägung gezogen, die Sanierung auf unbestimmte Zeit auf Eis zu legen. Aus Sicht von Intendant Stefan Tilch würde dies das Aus für die Einrichtung bedeuten - und in der Folge auch für die Theater in Passau und Straubing, die mit Landshut einen Theater-Zweckverband bilden.

Am Mittwoch steht im Rathaus die Sitzung des Haushaltsausschusses auf dem Plan, der sich auch mit dem Thema Theatersanierung befassen wollte. Wie lange die Beratungen dauern werden und ob sie vielleicht am Donnerstag fortgesetzt werden, war nach Angaben eines Sprechers zunächst unklar. Dem Zweckverband des Landestheaters gehört auch der Bezirk Niederbayern an. 75 Prozent der Sanierungskosten trägt der Freistaat, die übrigen 25 Prozent die Stadt Landshut.

Wegen des sanierungsbedürftigen Zustandes des Theaters in Landshut steht das Ensemble des Landestheaters bereits in der sechsten Spielzeit in einem Zelt am Stadtrand auf der Bühne. Die Sanierungsphase sollte mindestens elf Spielzeiten dauern, sagt Tilch. Das habe das Team zähneknirschend hingenommen. Im Zelt als Dauerzustand sehen die Schauspieler keine Option.

Ratten sind das geringste Problem

Ratten unter und im Zelt seien eines der geringsten Probleme, sagt Tilch. Problematisch seien der Lärm und die Temperaturen. Im Sommer habe es im Zelt schnell 40 Grad, unter dem Dach bei den Technikern bisweilen gar 50 Grad. Das sei auch arbeitsrechtlich bedenklich.

Wenn Regen auf das Zeltdach prasselt, müssten sich die Schauspieler auf der Bühne anschreien, um die Geräuschkulisse zu übertönen, berichtet der Intendant. Aus der nahe gelegenen Veranstaltungsarena dröhne bei Konzerten das Wummern der Bässe herüber und bringe den Boden zum Vibrieren. Auch sonstige Geräusche störten die Proben oder Vorstellungen - seien es Schneepflüge, Lastwagen oder der Auf- und Abbau eines Zirkus'. Irgendetwas sei quasi immer.

Für alle diese Probleme gibt es nach Einschätzung Tilchs zu wenig Bewusstsein. Zudem sei wohl auch unterschätzt worden, welcher Protest sich regen würde, sollte die Sanierung gestoppt werden. Neben vielen Theaterbesuchern haben sich auch die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger in Hamburg, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in München sowie die Deutsche Orchestervereinigung in Berlin eingeschaltet und die Fortsetzung der Sanierung gefordert.

Das Theater habe einen Einzugsbereich von etwa einer Million Menschen, sagt Tilch. Hier gehe es um weit mehr als um die Arbeitsplätze der Ensemblemitglieder. Das Theater sei ein Ort der Begegnung, es setze aktuelle Themen und trage zu Diskursen bei. Künftig müssten Landshuter Theaterinteressierte dann auf das Theater verzichten - oder nach München fahren. Die Pendelbewegung in die Landeshauptstadt sei sowieso schon enorm, sagt Tilch. "Aber wenn Landshut zur Schlafstadt für München werden möchte?" (dpa)

 

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