Kultur

Wilhelm Bücherls Saloon im texanischen Brenham. (Foto: Staatliche Bibliothek Regensburg)

09.08.2019

Migration anno dazumal

Die Ausstellung „Auf nach Amerika“ in der Staatlichen Bibliothek Regensburg zeigt Auswandererschicksale des 19. Jahrhunderts

Alles beginnt mit Christoph Kolumbus, wie das eben so üblich ist beim europäischen Blick auf Amerika. Der hatte sich zwar geirrt, weil er sich in Asien wähnte, hat aber trotzdem das Signal gegeben für die aggressive Landnahme der Europäer auf dem für sie neu entdeckten Kontinent. Und so beginnt auch in der Staatlichen Bibliothek Regensburg eine Ausstellung über die Auswanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert mit der zeitgenössischen Abschrift eines Briefs des Kolumbus aus der „neuen Welt“; es ist der Wiegendruck eines Exemplars der Weltgeschichte des Antonius von Florenz.

Derlei besitzt die Bibliothek ebenso wie beispielsweise eine Karte Nordamerikas aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert und einen Plan aus den Jahren um 1800, auf dem die Stadt Philadelphia abgebildet ist – in ihrer Nähe entdeckt man Germantown: die Stadt der Deutschen, gegründet von Franz Daniel Pastorius aus Sommerhausen bei Würzburg.

Es waren viele Deutsche, die in der neuen Welt ein neues Leben suchten. Berühmte Beispiele sind die Schriftstellerin Emerenz Meier aus dem Bayerischen Wald, der Hosenpionier Levi Strauss aus dem fränkischen Buttenheim und der Zirkuskünstler Siegfried Fischbacher aus Rosenheim.

Waldmünchner nach Texas

In Regensburg wird der Lebensweg eines weiteren Auswanderers beleuchtet: des Wilhelm Bücherl aus Waldmünchen, der sich 1883 auf den Weg „ins Amerika“ machte, wie man seinerzeit in Bayern gerne sagte. Die Ausstellung zeigt, wie forsch damals für Schiffspassagen geworben wurde, wie die aussahen und wie man im gelobten Land erst einmal in Quarantäne musste: Nur gesunde Menschen sollten in die USA einwandern dürfen. Bücherl landete nicht in Germantown und nicht in Chicago, wohin es viele Bayerwäldler verschlug, sondern er eröffnete einen Saloon in Texas. Den Oak Hall Saloon, in dem zwei Paar Frankfurter 35 Cent kosteten und wo es „Ementhaler“, „Olmutzer Cheese“, Austern, Lachs und Forellen gab. Seine Namensschreibweise passte er an in „Buecherl“.

„Migration“, heißt es in der Ausstellung, „ist der Normalfall der Geschichte.“ Das ist Konsens in der Geschichtswissesnchaft, und das zeigt auch die Auswanderung aus Deutschland nach Übersee deutlich. Nur die Richtungen ändern sich dann und wann. Wilhelm Bücherl war im texanischen Brenham erst einmal sehr erfolgreich und angesehen. Später ging es ihm wirtschaftlich und gesundheitlich schlechter. Am 15. Februar 1905 ist er gestorben. Seine Nachfahren leben bis heute in Brenham. Es ist eine in der Ausstellung dokumentierte interessante Volte der Geschichte, dass ein Hans Bücherl aus dem deutschen Zweig der Familie 1943 aus einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager an seinen amerikanischen Vetter Lovis einen Brief schrieb – regelrecht romanhaft ist das. (Christian Muggenthaler)

Information: Bis 14. September. Staatliche Bibliothek, Gesandtenstraße 13, 93047 Regensburg. www.staatliche-bibliothek-regensburg.de

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