Kultur

Die Wiedereröffnung wurde mit einer Messe gefeiert. (Foto: Reuß)

30.04.2026

Millioneninvestition in Teil des Unesco-Welterbes

Die ehemalige Bamberger Klosterkirche Sankt Michael wurde nach 14 Jahren Sanierung wiedereröffnet

Von einem Panorama, „das als Gesamtkunstwerk, als Zusammenklang von Romanik und Barock erhalten werden sollte, und koste es die Milliarde DM, die zur Jahrtausendfeier 1973 als Sanierungsbeitrag genannt wurde“, schrieb der Historiker Werner Dettelbacher 1974. Inzwischen gehören die auf Bambergs Hügeln stehenden Kirchenbauten ebenso wie die Inselstadt sowie die Gärtnerstadt zum Welterbe der Unesco.

Die Erhaltung dieses Panoramas kostete die geschätzte Milliardensumme. Allein bei der Sanierung der ehemaligen Klosterkirche Sankt Michael, die 2012 angegangen werden musste, spricht man von über 40 Millionen Euro. Die Instandsetzung der Gesamtanlage mit Nebengebäuden wird wohl 120 Millionen Euro kosten.

Dettelbacher hatte in seiner Aufzählung die Gotik vergessen, die mit einem prominenten Bau – der Oberen Pfarre für die Bürgerschaft – auf dem Kaulberg vertreten ist. Eine Renaissance jener vorbildlichen Gotik gedachte man nun in der Klosterkirche St. Michael zu verwirklichen, nachdem sie 1610 in großen Teilen abgebrannt war. Die neue Kirchendecke entstand wieder mit Netzrippengewölben, die jedoch in „nachgotischem“ Stuck ausgefertigt wurden. Auf den weißen Flächen zwischen den Netzrippen, welche im Grunde ein Geflecht von Baumästen imitieren, ließ man in bildlicher Form zahlreiche Pflanzen wachsen – vielleicht als Pendant zur uralten Gärtnerstadt oder den direkt angrenzenden klostereigenen Feldern. Darauf züchtete man Nutzpflanzen, die man an die Bauern in den verwalteten Besitzungen weitergab.

Zu ihren Hochzeiten verfügte die 1015 durch den Bamberger Bischof Eberhard gegründete Benediktinerabtei über mehr als 400 Besitzungen in der Südhälfte des Deutschen Reiches. So steht sie seit jeher mit den anderen bedeutenden Michaelsklöstern Europas – etwa dem Mont Sant’Angelo in Italien, dem Mont-Saint-Michel in Frankreich oder Skellig Michael in Irland – in einer altehrwürdigen Reihe.

Vielleicht ist das einer der Gründe dafür, warum sich die Bürgerschaft gerade mit diesem Kirchenbau in ihrer Stadt so verbunden fühlt. Freilich: 1435 wurde er im Streit mit den Bürgern und anderen Bamberger Institutionen beschädigt, 1525 im Bauernkrieg und zuletzt im Dreißigjährigen Krieg geplündert; aber im Zuge der Säkularisation blieb er als sakrales Gebäude für das angegliederte Bürgerspital bis heute erhalten. Ein weiterer Grund ist sicher die Tatsache, dass man diesen „Bamberger Hradschin“ mit den spitzen Türmen, den vorgelagerten barocken Fensterzeilen und der großartigen Orangerie schon von Weitem aus allen Richtungen erblicken kann.

Kein Wunder, dass seit 2012 niemand gezögert hat, das nötige Geld für die baufällig gewordene Anlage in die Hand zu nehmen. Nicht nur die Stadt Bamberg und die Bürgerspitalstiftung, sondern auch die Oberfrankenstiftung, der Freistaat Bayern sowie der Bund trugen zu den oben genannten Millionensummen bei. Das Management des insgesamt verantwortlichen städtischen Kämmerers Bertram Felix gab noch zahlreichen privaten Spendern das Gefühl, dass sie ihre Summen in gute Hände geben.

Sanierung in enger Absprache mit Denkmalschützern

Die Restaurierung, unter anderem in ständiger enger Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Landesdenkmalrat, wurde entsprechend liebevoll angegangen. Dem Vernehmen nach opferten im Lauf der Jahre so manche Beteiligte große Teile ihrer Freizeit – sei es aus den Bereichen der Wissenschaft oder des Kunsthandwerks. Neben der üblichen Dokumentation, die beim Deutschen Kunstverlag zu erwerben ist, soll auch die eine oder andere Doktorarbeit entstehen. Vielleicht wird dann auch noch einmal die berühmte Michelsberger Schreibschule oder die Weltchronik des bedeutenden Mönches Frutolf (gestorben 1103) neu erforscht.

In der jetzt entstandenen Dokumentation zur Restaurierung erfährt man unter anderem, dass die Maßwerkfenster mit sehr haltbaren „Mondscheiben“ ausgestattet waren, welche aus der Glasfabrik in Fabrikschleichach im Steigerwald stammen, die 1737 Balthasar Neumann gepachtet hatte. Gegründet wurde sie 1706 von Adam Berger aus dem Bayerischen Wald, seit 1735 arbeitete dort Heinrich Georg Beyer, der Erfahrungen aus England beziehungsweise Böhmen einbrachte. Die Restaurierung der Mondscheiben am Michelsberg strahlt nun aus auf viele weitere Kirchen und Schlösser.
Aber damit nicht genug. Eine Weltneuheit ist die nötig gewordene Neuverglasung der Chorfenster, durch die zu starkes UV-Licht eingedrungen war.

Verträgliche Gläser schuf nun nach langwieriger Forschung die Glashütte Lamberts in Waldsassen im Rahmen eines Forschungsprojekts der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Das Licht hätte nämlich auf Dauer die unschätzbar wertvollen Holzfurniere im Chorgestühl des Hochchors beschädigt – mit seinen Einlegearbeiten von Servatius Brickard von 1730 ein Höhepunkt der Kunstschreinerarbeiten des 18. Jahrhunderts überhaupt.

Darunter befindet sich das Grab des heiligen Bischofs Otto, der sich hier 1139 beisetzen ließ. Er gilt als „Apostel der Pommern“, weil er seinerzeit das Christentum nach Polen gebracht hatte. Aus diesem Grund zogen unter dem aktuell vervollständigten Glockengeläut – einem der bedeutendsten erhaltenen Geläute des 17. Jahrhunderts – auch Bischöfe aus Polen zur Wiedereröffnung in die Abteikirche ein. (Andreas Reuß)
 

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