Kultur

Das diesjährige Eröffnungsstück "Codeborn" von Zara Ali hatte eine gute Ausgangsidee, die Ausführung war allerdings nicht überzeugend. (Foto: Münchner Biennale, Frol Podlesnyi)

22.05.2026

Münchner Biennale: Eine Dauerbaustelle mit neuer Leitung

Gerade ist die 20. Münchner Biennale zu Ende gegangen. Um es freundlich zu formulieren: Das Jubiläumsfestival war kein Glanzpunkt. Und das liegt sicher auch am Budget, das die Leitung nur zur Verfügung hat

Dieses Festival hat schon bessere Zeiten erlebt. Das offenbart auch ein neuer Film über Hans Werner Henze von Holger Preuße und Philipp Quiring. In ihm wird der 100. Geburtstag des 2012 verstorbenen Komponisten gewürdigt. Er hatte die Münchner Biennale für neues Musiktheater gegründet. Bei der 20. Ausgabe hatte der Henze-Film jetzt Weltpremiere. Ab 30. Juni ist er in der Arte-Mediathek abrufbar.

Für die erste Biennale 1988 hatte Henze demnach ein Budget von umgerechnet 2,5 Millionen Euro. Das würde heute rund 5,5 Millionen Euro entsprechen. Für die diesjährige Edition hatte die neue Leitung um Katrin Beck und Manuela Kerer nur rund 2,37 Millionen Euro zur Verfügung – noch weniger als 2024 bei der letzten Biennale von Manos Tsangaris und Daniel Ott. Wie damit eine Qualität von internationalem Rang geboten werden kann, zählt zu den kulturpolitischen Geheimnissen der Stadt. 

Kontinuierlich sinkt das Niveau

Bei der Biennale sinkt so kontinuierlich das Niveau. Die diesjährige Eröffnung mit Codeborn von Zara Ali, eine Koproduktion mit dem Tiroler Landestheater in Innsbruck, markierte einen Tiefpunkt. Dabei war die Idee gut: Der Mensch wird zu einem Versuchsobjekt von künstlicher Intelligenz. Teile der Musik und Texte waren KI-generiert. Leider wollte das Stück weder Utopie noch Dystopie sein. Ein Irgendetwas ist herausgekommen, bei dem sogar eine Arie über eine weltbekannte Limonade geträllert wurde.

Dagegen verfing sich Endlich von Asia Ahmetjanova und Franziska Angerer, eine Koproduktion mit der Deutschen Oper in Berlin, in der Endlosschleife. Nackte, ältere Darsteller konfrontierten das Publikum mit dem eigenen Älterwerden. Vom Theaterhimmel fiel Knetmasse herunter, mit der geformt wurde. Die Musik repetierte geräuschhaft-fragmentiertes Gesäusel. Von den großen Projekten war mit Abstand "Vo1ces//Bod1ez" mit dem Münchener Kammerorchester das gelungenste. Bei dieser Koproduktion mit der Bayerischen Theaterakademie wurde eine Auswahl der Voices-Lieder von Henze mit der Uraufführung von "R3sist4nc3 Bod1ez" von Piyawat Louilarpprasert gekoppelt. Wenn Henze in seinen Liedern 1973 kapitalistische Arbeitsprozesse kritisiert, so rückt der gebürtige Thailänder heutige hybride Mensch-Roboter-Maschinen in den Fokus. Ein solches Exemplar wankte über die Bühne, ein auch musikalisch kurzweiliger Abend.

Sonst aber gab es wieder zahllose partizipative Kleinprojekte, und das ist Teil des Biennale-Dilemmas. Die Stadt muss sich ehrlich machen: Eine internationale Ausstrahlung ist nur mit Qualität möglich, und das kostet Geld. Gleichzeitig sollte sich die Biennale auf wenige große Arbeiten beschränken und diese umfassend betreuen. Mit kleinteiligem Klimbim auf Kindergartenniveau lässt sich keine Relevanz generieren. (Marco Frei)

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