Kultur

"Der Besuch der alten Dame" am Gärtnerplatztheater ist absolut sehens- und hörenswert. (Foto: Gärtnerplatztheater, Markus Tordik)

17.07.2026

Münchner Opern: Barockflop versus Horror-Highlight

München: Ein mit Spannung erwarteter Händel-Dreiakter kann so gar nicht überzeugen – im Gegensatz zu einer Dürrenmatt-Oper

Für Johanna Wehner war die letzte Premiere der Bayerischen Staatsoper ein Heimspiel. Das Prinzregententheater in München kennt sie jedenfalls sehr gut. Als einstige Studentin der Bayerischen Theaterakademie ist die gebürtige Bonnerin hier ein und aus gegangen. Seit ihrer Auszeichnung 2017 mit dem Theaterpreis „Der Faust“ für die beste Schauspiel-Regie ist Wehner in aller Munde. Ihr Staatsopern-Regiedebüt wurde jetzt mit Spannung erwartet.

Leider floppte Wehners Inszenierung der Barockoper Alcina von Georg Friedrich Händel bei den Münchner Opernfestspielen. Im Prinze wähnte man sich in einer mittelmäßigen Produktion der Theaterakademie. Über weite Strecken konnte Wehners Regie keinerlei Zugang finden zu diesem Dreiakter.

Es geht um die Magierin Alcina, die über ein Zauberreich auf einer einsamen Insel herrscht. In Scharen reisen Männer hierher, sind der schönen Alcina verfallen und werden von ihr versteinert.

Die Idee Wehners, aus Alcina eine verletzte Frau zu machen, ist nicht neu. In der Bühne von Benjamin Schönecker wird aus dem Zauberreich ein postmodernes Apartment Alcinas. In diesem Einheitsbild passiert bis zur Pause wenig. Es wird, wie bei einer konzertanten Aufführung, an der Rampe gesungen. Das wirkt statisch und zieht sich in die Länge, zumal auf der Premiere auch die Stimmen erst auftauen müssen.

Das gilt auch für Jeanine De Bique in der Titelpartie. Für die Sopranistin aus der Karibik war es das lang erwartete Staatsoperndebüt. Im satten Timbre wirkte ihre Alcina bisweilen wie von Maria Callas gesungen.

Mit Barockgesang hatte diese Premiere generell stilistisch wenig gemein. Auch das historisch informierte Spiel des Bayerischen Staatsorchesters mit der externen Continuo-Gruppe um Stefano Montanari wirkte indifferent und wenig differenziert in Phrasierung und Artikulation. Als Alcinas Liebhaber Ruggiero konnte der Countertenor John Holiday überzeugen. Sonst aber brauchten auch Elsa Benoit als Morgana oder Julian Prégardien als Oronte etwas Anlaufzeit.

Nach der Pause wird aus dem Einheitsbild ein Museum. Die Exponate sind die von Alcina versteinerten Seelen. Als Bild ist das stark, wird aber nicht konzis gedeutet.

Da hatte das Gärtnerplatztheater mit der Opernrarität Der Besuch der alten Dame von Gottfried von Einem nach dem gleichnamigen Theaterstück von Friedrich Dürrenmatt die Nase vorn. In seiner Regie arbeitet Nikolaus Habjan wie gewohnt mit Puppen, wobei diesmal nur die Titelrolle verdoppelt wird. Aus der alten Dame der herausragenden Sophie Rennert wird eine Furie mit roten Haaren und vollen roten Lippen. Im Gegensatz dazu ist Ludwig Mittelhammer als Alfred Ill in Weiß eingekleidet.

Auf den ersten Blick mag diese Zeichnung in Gut und Böse allzu pauschal wirken, aber: Das Bühnenbild von Heike Vollmer und die musikalische Leitung von Michael Balke ringen dieser Oper von 1971 eine verdüsterte, schauerliche Atmosphäre ab. Ein kurzweiliger, beklemmender Opernhorror ist da geglückt: sehens- und hörenswert. (Marco Frei)
 

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