Kultur

Die Nürnberger Symphoniker feiern ihr 75jähriges Bestehen in leidlicher Schieflage: Coronabedingt dürfen sie nur von einem virtuellen Publikum spielen, und ein so enges Miteinander wie auf diesem Foto aus Vor-Corona-Zeiten wird wohl auch nicht so bald mehr möglich sein. (Foto: Torsten Hönig)

19.04.2021

Musikalisches Überlebenssignal

Ein Online-Konzert der Nürnberger Symphoniker im Konzertsaal der Konresshalle

75 Jahre Nürnberger Symphoniker, und die Festkonzerte sind alle mit einem roten Balken im Kalender versehen. Nur leider steht in dem immer nur „abgesagt“ – bei Gustav Mahlers „Symphonie der Tausend“ wundert einen das in Coronazeiten ja nicht. Zumindest bis zum 10. April war das so, dann kam das Leben in Nürnbergs früheres Fränkisches Landesorchester zurück, Intendant Lucius A. Hemmer macht es sich im leeren Parkett bequem und begrüßt sein online-Publikum. Man sieht, es kommt wieder Bewegung in den Symphoniker-Corpus, und die ersten Konzerte heißen deshalb auch „Ins Leben zurück“. Helfen können dabei allerdings bis jetzt der derzeitige Symphoniker-Chef Kahchun Wong und der vorherige, Alexander Shelley, nicht. Sie schicken aber Grüße aus der weiten Welt. Stattdessen leitet Jac van Stehen die Wiederbelebung. Er kennt die Symphoniker seit seiner Chefdirigentenzeit aus den Jahren 1997 bis 2002.

Jetzt ist er der Nothelfer für die Überlebenssignale des Orchesters: nicht in der angestammten Meistersingerhalle, schon gar nicht in der einstweilen gecancelten neuen Konzerthalle, sondern im Konzertsaal Kongresshalle. Die ist seit Jahren das Probenquartier für die Symphoniker, und Heimstätte für solche Programmspezialitäten wie die Stummfilmmusiktage - und jetzt eben für die online-Aufzeichnungen der „TV- & Streamingkonzerte“. Die sehen im ansteigenden Saal optisch  attraktiv aus, und dort haben die Symphoniker van Steen und mit dem kraftvoll präsenten Lars Vogt beachtliche Lebenszeichen von sich geben.

Jetzt  kam aus München die Cellistin Raphaela Gromes. 2019 war sie mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet worden, schon mit vier Jahren hatte die Tochter eines Cellisten-Ehepaars den ersten Unterricht bekommen und debütierte 2005 mit dem Cellokonzert von Friedrich Gulda. In Nürnberg kamen ihrem musikalischen Naturell die „Rokokovariationen“ von Peter Tschaikowsky hör- und sichtbar entgegen. Da betont sie besonders das Intim-Schwelgerische, die technisch tadellose Bewältigung des Notentexts, ihren gut strukturierten, in den tiefen Lagen fülligen Ton. Sehr passend fügt sich ihre Interpretation in den Klang der Nürnberger Symphoniker ein, die sie auch in einer Programmüberraschung stilvoll begleiten: Jacques Offenbachs Cello-Elegie „Die Tränen von Jacqueline“  in einem ganz ungewohnten Offenbach-Ton und für Gromes die Möglichkeit, das Sentimentale der Vorlage  sehr hingebungsvoll zu präsentieren.

Auch die 2. Symphonie von Johannes Brahms fügten die Symphoniker bewusst in diesen schwelgerischen Kontext des Programms ein. Wie berechtigt das ist, darüber streiten Brahms-Kenner und -Interpreten zu recht, van Steen jedenfalls spielt  mit der klassisch-romantischen Besetzung eher eine Serenade Nr. 3, gelegentlich behaglich und idyllisch statt vorwärtsdrängend. Bestens trainiert überzeugen die Hornisten, während van Steen die ersten Geigen öfter zu mehr Leidenschaft animieren will.

Am Ende beklatscht man sich mangels Publikum gegenseitig, und wenn nicht  wieder ein roter Balken kommt, wird Kahchun Wong am kommenden Samstag die Erste Mahler in einer Fassung für Kammerorchester dirigieren. Den Lebenswillen der Symphoniker unterstreicht auch die Planung von 19 Konzerten im Serenadenhof der Kongresshalle: keine Sommerpause, sondern eine von Laubbäumen umrauschte Sommersaison. (Uwe Mitsching)

Information: Die nächsten Konzerten unter: www.youtube.com/user(nbgsymphoniker)

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