Kultur

Die Verträge sind unterzeichnet: Der tschechische Dirigent Petr Popelka (Mitte) wird ab 2029 neuer Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München. Staatsintendant Serge Dorny (links) und Markus Blume, bayerischer Kunstminister (CSU), posieren mit dem Neuen. (Foto: dpa, Malin Wunderlich)

11.06.2026

Neuer GMD an der Staatsoper: Eine Sensation – oder ein Scheitern mit Ansage?

Petr Popelka wird 2029 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München – eine äußerst überraschende Personalie

Für manche waren die Gerüchte der allgemeinen Pfingstflaute geschuldet. Andere haben es für einen verspäteten Aprilscherz gehalten. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Ab 2029 wirkt Petr Popelka für fünf Jahre als Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper. Der 40-jährige Tscheche aus Prag beerbt damit Vladimir Jurowski.

Bei einer kurzfristig terminierten Pressekonferenz am Nationaltheater in München wurde das am Mittwochnachmittag bestätigt. Auf der Pressekonferenz mit Kunstminister Markus Blume (CSU) sowie Staatsopern-Intendant Serge Dorny und Popelka wurde der Vertrag unterzeichnet.

Bekannter im Opernfach

Die Personalie überrascht, denn: Im sinfonischen Bereich ist Popelka bekannter als im Opernfach. Zwar hat er in Berlin, Zürich oder am Theater an der Wien schon Opern dirigiert, aber: Als Chefdirigent verantwortet Popelka gegenwärtig die Wiener Symphoniker.

Dieses Orchester sollte man freilich nicht mit den Wiener Philharmonikern verwechseln: weder im Renommee noch in der Qualität. An der Bayerischen Staatsoper hat Popelka erst im vorigen Jahr debütiert, und jetzt dieser kometenhafte Aufstieg. Auf der Pressekonferenz wurden Blume und Dorny nicht müde zu betonen, dass die Bayerische Staatsoper nicht nur für eine große Tradition stehe, sondern auch für Erneuerung und Gestaltung der Zukunft.

Dennoch markiert die Berufung Popelkas einen Paradigmenwechsel. Von großen Namen wird offenbar Abschied genommen. Selbst Jurowski war deutlich bekannter als jetzt Popelka. Es ist kein Geheimnis, dass Dorny schon in Lyon auf Schattengewächse gesetzt hatte. Auch dort wirkte Dorny als Intendant, bevor er nach München wechselte.

Es ist durchaus löblich, dass Dorny auch auf weniger große Namen setzt, aber: München ist nicht Lyon. Die Bayerische Staatsoper zählt zu den größten und international führenden Musiktheatern der Welt. Sie ist zudem – noch – ausgestattet mit einem hohen Budget. Ein solches Haus muss gefüllt werden.

Kein Publikumsmagnet

Popelka ist gegenwärtig kein Publikumsmagnet. Es ist Aufgabe kleinerer oder mittelgroßer Bühnen, aufstrebende und talentierte Kräfte auszuprobieren: im Freistaat etwa Augsburg, Regensburg oder Nürnberg. Noch immer scheint Dorny nicht wirklich verinnerlicht zu haben, dass er sein Wirken in Lyon nicht eins zu eins auf München übertragen kann. Die Berufung Popelkas wirkt im Grunde wie eine Abwertung der Position des Generalmusikdirektors, und davon würde vor allem die Intendanz profitieren.

Dass Popelka als studierter Kontrabassist im Bayerischen Staatsorchester mehrheitlich geschätzt wird, macht seine jetzige Wahl zum künftigen Generalmusikdirektor nicht risikofreier. Der Beweis, dass Popelka einer solchen internationalen Spitzenposition mental und künstlerisch gewachsen ist, muss erst erbracht werden.

Für das Kunstministerium ist Popelka durchaus vorteilhaft, weil Mitte der 2030er-Jahre die Generalsanierung des Nationaltheaters ansteht. Mit einem jungen, dankbaren Dirigenten ist eine solche Herausforderung einfacher zu stemmen als mit einem weltbekannten Star-Namen – der womöglich Ärger machen würde. Für die Bayerische Staatsoper steht jedoch viel auf dem Spiel, nämlich der Verlust des internationalen Prestiges.

Sollte dies geschehen, wäre es im Umkehrschluss für die staatliche Kulturpolitik ein leichtes Spiel, die Bayerische Staatsoper im Budget zu stutzen. In Zeiten klammer Kassen ist dies langfristig ein durchaus denkbares Szenario. Eines ist klar: Für die Staatsoper in München wird Popelka entweder eine veritable Sensation oder ein Scheitern mit Ansage. (Marco Frei) 
 

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