Kultur

Anna Gebhardt (links) und Uta Hielscher freuen sich auf das neue Liedfestival in der Kraftzentrale mit dem Titel "Musentöchter". (Foto: Musentöchter, Naomi Hielscher)

26.05.2026

Neues Festival: Die Musentöchter kämpfen für den Liederabend

Zwei Frauen haben in Straubing ein neues Festival aus der Taufe gehoben – am 5. Juni findet die Premiere statt

Gesang und Instrumentales gleichwertig miteinander verschmolzen, auch Schubert und Goethe, dazu ein „junges Völkchen“, das Ganze mit einem Anflug von „Unvernünftigkeit“, wie Dietrich Fischer-Dieskau hinsichtlich des Liedes vom Musensohn meinte: Die Pianistin Uta Hielscher findet es ein bisschen ungerecht, dass nicht auch mal von „Musentöchtern“ die Rede ist. Zusammen mit ihrer Kollegin Anna Gebhardt aus München will sie deshalb mit ihrem gleichnamigen Liedfestival einen femininen Schwerpunkt setzen. Und das in Straubing, der Heimatstadt der Musensöhne Christian Gerhaher und Gerold Huber.

Aber die beiden weltbekannten Liedinterpreten haben mit Hielschers Idee nichts zu tun. Viel mehr schon ihre Vergangenheit mit ihrem früheren Mann Thomas E. Bauer und dessen Konzerthaus-Blaibach-Projekt. Das sei einst ihre gemeinsame Idee gewesen. Jetzt ist sie aber nicht mehr mit dem Sänger und Impresario, sondern mit einem Architekten verheiratet. Und als Konzerthaus für das Liedfestival dient die „Kraftzentrale“, ein „Tempel aus Stahl, Stein und Erinnerungen“.

Hielscher und Gebhardt, die beiden ausgebildeten Liedbegleiterinnen mit der Losung „Gegen die Männerdomäne wollen wir zusammenhalten!“, verstehen sich als Kämpferinnen für die Gattung Lied, im Konzertbetrieb oft genug ein Sorgenkind. Die beiden wollen mit ihrem Konzept neue Kräfte entwickeln und ansprechen. Denn das Lied, so Hielscher im Gespräch mit der Staatszeitung, sei für sie die „Essenz der Musik“. Es ist eine Musikgattung, „die das Herz am meisten berührt“.

Zwei Pianistinnen, zwei Liedspezialistinnen und eine ganze Reihe von Musen in diesem Programm sollen widergespiegelt werden: Euterpe, Melpomene, Polyhymnia, Klio – sehr passend ausgewählt aus der Liste des Hesiod als Musen der Lyrik, der Tragödie, des Gesangs und der Geschichtsschreibung. Sie werden in der Straubinger Kraftzentrale zur Festivaleröffnung von der Jazzsängerin Lia Pale und dem sich auf steilem Karriereweg befindenden Goldmund Quartett vertreten sein.

Eine Liederperformance mit Salome Kammer am Samstagnachmittag leitet über zu der „Schubertiade“, die das Musentöchter-Festival nach historischem Vorbild auch sein will: mit Melodramen (Rezitation: Udo Wachtveitl), dem Goldmund Quartett, den beiden Pianistinnen, der Sopranistin Anna-Lena Elbert.
Ein Höhepunkt in Sachen Prominenz wird der Sonntagabend sein: mit einem Heinrich-Heine-Programm und dem Tenor Julian Prégardien, dem Goldmund Quartett und als Pianistin Anna Gebhardt. Prégardien singt Schumanns op. 24 (Liederkreis), neun Lieder als Inbegriff der Romantik, ebenso wie op. 48 mit den 16 Liedern von 1840.

Mit diesem Heine-/Schumann-Schwerpunkt und einem Spitzeninterpreten wollen die Musentöchter auch für Begeisterung in ganz Niederbayern sorgen und für eine Fortsetzung des neuen Festivals in den nächsten Jahren. Auch beim jüngeren Publikum: Für das hat die Wiener Komponistin Saskia Bladt auf Gedichte von Nora Gomringer drei Lieder komponiert. „Rhythmisch und verzwickt“, meint Hielscher. „Zeitgemäß, zwischen tonal und atonal, ein bisschen mit der Neigung zu Rock-Beat.“ Aber weil man ja besonders das bayerische Publikum ansprechen will, heißt ein Konzert auch schon mal Franzls Sofa. (Uwe Mitsching)

5. bis 7. Juni. Kraftzentrale, Regensburgerstraße. 22b, 94315 Straubing.
www.musentoechter.de

 

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