Kultur

Am 5. September vor 150 Jahren wurde der Grundstein zu Schloss Neuschwanstein gelegt. (Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand)

04.09.2019

Neuschwanstein-Rätsel gelüftet

Wissenschaftler der Uni Bamberg haben gemeinsam mit dem Landeskriminalamt den Grundstein von Neuschwanstein entdeckt

Am 5. September vor 150 Jahren wurde in der Grundstein für Schloss Neuschwanstein gelegt. In einer Urkunde steht, was der Grundstein enthält: Eine Metallkapsel mit einem Bauplan, Porträts des Bauherrn König Ludwig II. und Geldmünzen. Doch wo sich der Stein befindet, konnte bislang nicht ermittelt werden. Das Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) der Universität Bamberg hat bei der Suche geholfen. Am Ende "blieb eine Stelle hinter einem der Ziegel im Umfeld des sogenannten Feierabendziegels, der mit 1869 datiert ist, übrig“, erklärt der Restaurierungswissenschaftler und Projektleiter Rainer Drewello. „Die Kapsel des Grundsteins haben wir dort in einer Tiefe von etwa ein bayerischen Fuß, also circa 30 cm, verortet.“

Auf Anfrage der Bayerischen Schlösserverwaltung (BSV) haben Rainer Drewello und ein Team aus Bauforschern mithilfe eines 3D-Scanners die Pläne der Innen- und Außenseite des sogenannten Ritterbades angefertigt beziehungsweise den bestehenden Plan der Außenseite mit dem neuen Plan der Innenseite als 3D-Scan kombiniert. Das nach Vorbild des Bads in der mittelalterlichen Wartburg geplante Ritterbad im Westteil des Palas sollte an das rituelle Bad der Gralsritter erinnern, wurde allerdings nie erbaut. Heute führt dort eine Besuchertreppe hinunter zum Ausgang. In diesem Areal hatte Uwe Schatz, Leiter der Museumsabteilung der BSV, der die Suche nach dem Grundstein vor zwei Jahren initiierte, den Fundort vermutet.

Nach Fertigstellung der Pläne suchten die Bamberger Wissenschaftler nach Möglichkeiten, um den Grundstein inklusive der Metallkapsel mit den Beigaben im Mauerwerk zu lokalisieren. „Zur genauen Verortung des Grundsteins kamen mit dem Georadar, einer Metalldetektion der Kapsel durch Elektromagnetik oder das Durchröntgen der Mauer drei verschiedene Methoden in Frage“, sagt Rainer Drewello. „Mit Ausnahme des Georadars verfügen wir aber nicht über das sehr spezielle Instrumentarium.“ Also schalteten die Bamberger Wissenschaftlerten das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) in München ein. Dieses verfügt in der Technischen Sondergruppe (TSG) über Spezialisten, die normalerweise zur Entschärfung von unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen ausgebildet sind.

Anfang August haben die Wissenschaftler die Mauer durchröntgt. Ein schwieriges Unterfangen, das nur mit Kletterteams von BSV und BLKA möglich wurde. Sie brachten in über zehn Metern Höhe – vom Boden des Ritterbades aus gezählt – an der Außenseite der Schlossmauer eine Metallplatte an, die die Röntgenstrahlen aufnahm. Danach kamen zwei verschiedene Geräte, ein Metalldetektor und ein Minensuchgerät zum Einsatz. Der in Frage kommende Bereich konnte durchmustert und die genaue Lage des Grundsteins exakt geortet werden.

Wie der Inhalt der Grundstein-Kapsel genau aussieht, ist nach wie vor unbekannt. „Aus Denkmalschutzgründen bleibt das Mauerwerk geschlossen und die Kapsel damit unberührt“, sagt Rainer Drewello. „Wir hoffen nun darauf, dass die transportablen Durchleuchtungssysteme weiterentwickelt und es uns mit verbesserter Ausrüstung irgendwann möglich sein wird, auch dieses Geheimnis zu lüften.“ (BSZ)

Abbildung: Hinter diesem "Feierabendziegel" liegt der Grundstein zu Schloss Neuschwanstein. (Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand)

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