Kultur

Die Bamberger Symphoniker mit ihrem Ehrendirigenten Christoph Eschenbach bei Proben in Miami. (Foto: Marco Frei)

13.02.2017

Packender Hörkrimi

Mit den Bamberger Symphonikern aus dem Schneesturm in New York ins sonnige Florida

Ob ein Orchester perfekt aufgestellt ist, erkennt man erst in einer Notsituation. Auf ihrer aktuellen Tournee durch Amerika mit ihrem Ehrendirigenten Christoph Eschenbach sind die Bamberger Symphoniker in eine heikle Lage geraten. Das Malheur brach in New York herein, unmittelbar nach dem fulminanten Gastspiel in der Carnegie Hall (www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/kultur/detailansicht-kultur/artikel/coole-new-yorker-heiss-gemacht.html): Erst schönstes Frühlingswetter - dann legte in der Nacht legte ein Schneesturm weite Teile des Landes komplett lahm. Sämtliche Flüge wurden annulliert - für die Bamberger eine Katastrophe. Eigentlich hätten sie frühmorgens ins sommerliche Florida fliegen sollen. Orchestermanager Markus Karl Stratmann und die Reiseagentur in Deutschland haben die ganze Nacht geackert: Sie schafften es, einen Jet für den späteren Abend zu chartern, als sich die Lage beruhigt hatte. Die Musiker haben nicht gemeckert. Sie wollten unbedingt das geplante Konzert in Daytona spielen. Und zwar nicht nur, weil eine Absage des Konzerts die wirtschaftliche Kalkulation der US-Tour gewaltig durcheinander gebracht hätte. Vielmehr fühlen sie sich dem Publikum und der Musik verpflichtet, egal wo. Das zeigte sich auch in Florida. Ob das akustisch hochkarätige Adrienne Arsht Center in Miami oder das tückische Peabody Auditorium in Daytona, wo die Klimaanlage das lauteste Forte übertönt: Jeder Ort wird ernst genommen. Dabei ist die ziemlich schräge Halle in Daytona wichtiger, als man erwarten würde. Immerhin hatte dort einst das London Symphony Orchestra für 40 Jahre eine Konzertresidenz inne. Gegen die erstklassige Akustik in der Knight Concert Hall im Adrienne Arsht Center in Miami kommt Daytona trotzdem nicht an. Der gewichtige Akustik-Guru Russell Johnson hat den Raumklang entworfen. Wie das KKL in Luzern, das absolute Meisterwerk von Johnson, ist auch dieser 2006 eröffnete Saal mit Echokammern ausgestattet. Das ermöglicht eine frei wählbare, variable Akustik. Offenbar hat das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR) diese Halle gar nicht auf dem Schirm, obwohl sie für den neuen Konzertsaal in München ein starkes Vorbild wäre. Umso wirkungsvoller konnte sich beim Gastspiel der Bamberger die Sinfonie Nr. 3 von Beethoven entfalten. Eine „Eroica“ war zu erleben, die einen konzisen Spannungsbogen entwickelte. Für den bekannten Trauermarsch wählte Eschenbach ein schlüssiges Tempo. Der Ehrendirigent ließ weder diesen Satz in romantisierender Manier breit zelebrieren, noch in historisch informierter Hysterie durchpeitschen. Diese „Eroica“ wurde ein packender Hörkrimi. Auch Solist Ray Chen konnte in Miami  überzeugen. Sein satter, breiter Strich passte deutlich besser zum ersten Violinkonzert op. 26 von Max Bruch als zu Mendelssohn. Für einen jungen Musikstudenten aus dem Publikum war hingegen in Miami die Ouvertüre zur Oper Don Giovanni von Mozart ein ganz besonderes Ereignis. Mit feuchten Augen sagte er zum Kritiker aus Bayern: „Ich wusste nicht, dass die Bamberger ursprünglich aus Prag stammen, wo sie einst den Don Giovanni uraufgeführt hatten. Als die Ouvertüre erklang – wow, das war wie ein Hauch gelebter Musikgeschichte. Ich hatte wirklich Gänsehaut.“ Ein schönes, treffliches Kompliment. (Marco Frei)

Lesen Sie in der Bayerischen Staatszeitung am kommenden Freitag, 17. Februar, eine Standortbetrachtung über über die Bamberger Symphoniker.

Abbildungen:
Vom verschneiten New York ins sonnge Miami: Die Bamberger Symphoniker überzeugten auf der einen Bühne ebenso wie auf der anderen. (Fotos: Marco Frei)

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