Kultur

Der deutsche Soziologe und Philosoph Jürgen Habermas ist tot. (Foto: dpa/SZ Photo, Johannes Simon)

16.03.2026

Philosoph Jürgen Habermas mit 96 Jahren gestorben

Von der Studentenbewegung bis zur Gegenwartsdebatte: Der am Samstag in Starnberg gestorbene Jürgen Habermas hat Generationen von Denkern beeinflusst

Eine der einflussreichsten Stimmen Deutschlands ist verstummt: Am Samstag starb der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas im Alter von 96 Jahren in Starnberg, wie der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf die Familie der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Habermas zählte zu den wichtigsten Denkern der Gegenwart.

"Großer Aufklärer"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte, Deutschland habe "einen großen Aufklärer" verloren. In seinem Kondolenzschreiben an Habermas' Kinder heißt es: "Er hat uns das Ethos des demokratischen Diskurses gelehrt und die Emanzipation des Menschen als unaufgebbares Ziel begründet."

Die spanische Zeitung "El País" bezeichnete Habermas als den "letzten großen europäischen Philosophen". Das ebenfalls aus Spanien stammende Blatt "El Mundo" schrieb: "Kaum ein zeitgenössischer Denker hat mit so vielen Menschen über so viele Themen und über so lange Zeit gestritten. (...) Habermas war ein überragender Philosoph - und zugleich ein unermüdlicher Polemiker." Die "New York Times" bezeichnet ihn als einen der einflussreichsten Denker im Nachkriegsdeutschland. Aiuch Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume würdigte Habermas. Seine Thesen seien ein "zeitloser Kompass für eine offene Gesellschaft". 

Die Hauptwerke des gebürtigen Düsseldorfers Habermas entstanden in Frankfurt am Main, wo seine Karriere in den 1950er Jahren am Institut für Sozialforschung bei Theodor W. Adorno begann. 1961 wurde er in Marburg mit dem Werk "Strukturwandel der Öffentlichkeit" habilitiert.

"Erkenntnis und Interesse"

Nach wenigen Jahren an der Universität Heidelberg übernahm er 1964 Max Horkheimers Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt. Aus seiner Antrittsvorlesung wurde 1968 das Buch "Erkenntnis und Interesse" (1968). Während der Studentenrevolte wurde Habermas als Unterstützer wahrgenommen, lehnte die Radikalisierung der Bewegung jedoch ab.

Steinmeier erklärte, Habermas habe maßgeblich dazu beigetragen, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die intellektuelle Öffnung der Bundesrepublik für die politische Kultur des Westens gelang und damit der Weg zu einer gefestigten Demokratie geglückt sei. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hob hervor, Habermas sei über Jahrzehnte Impulsgeber des fairen demokratischen Diskurses gewesen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte ihn in diesem Zusammenhang ein "Leuchtfeuer in tosender See".

Habermas meldete sich immer wieder zu Wort

1971 wechselte er nach Starnberg bei München, wo er bis 1981 das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt leitete. In seinem letzten Jahr veröffentlichte er sein Hauptwerk, "Theorie des kommunikativen Handelns". 1983 kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 erneut einen Lehrstuhl für Philosophie übernahm.

Im Alter, das er am Starnberger See verbrachte, meldete er sich zu politischen Fragen zu Wort, etwa zu Kosovokrieg, Hirnforschung oder Religionskämpfen. (dpa/BSZ)
 

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