Kultur

Blick in die Ausstellung. (Foto: Universitätsbibliothek Würzburg)

23.05.2019

Rendezvous mit der Ewigkeit

Die Würzburger Universitätsbibliothek zeigt in einer Sonderausstellung Spitzenstücke aus ihren Sammlungen

Anlässlich ihres 400-jährigen Jubiläums hat die Universitätsbibliothek Würzburg ihre Tresortüren geöffnet und präsentiert die prunkvollsten Schätze aus ihren Sammlungen. Bis zum 7. Juli können die Besucher in der Zentralbibliothek am Hubland ausgewählte Spitzenstücke bewundern, darunter einzigartige Handschriften wie das Kiliansevangeliar und das Fuldaer Evangeliar aus der „Würzburger Dombibliothek“, die zu den bedeutendsten Handschriftenensembles in Mitteleuropa zählt.

Die Ausstellung „Elfenbein & Ewigkeit“ bildet den Höhepunkt der zahlreichen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Zu sehen sind etwa 75 Exponate, in denen sich über zwei Jahrtausende Mediengeschichte in prächtigen Farben und oft singulären Texten entfalten. Die Ausstellung verstehe sich als eine „Einladung zu einer außergewöhnlichen Begegnung mit der kulturellen Vergangenheit Mainfrankens“, erläutert der Leiter der Universitätsbibliothek, Hans-Günter Schmidt: „Die Besucher haben die einmalige Gelegenheit, sich die sonst im Verborgenen gehüteten Schätze, eingebettet in eine besondere, extra angefertigte Ausstellungsarchitektur aus der Nähe anzuschauen.“ Der Besuch der Ausstellung sei „ein Rendezvous mit der Ewigkeit in Buchform“.

Der Zauber abendländischer Buchkultur

Seit dem frühesten Mittelalter werden Bücher auf Pergament geschrieben und in Buchform gebunden. Die spektakulärsten dieser Bücher sind die Abschriften der vier Evangelien. Insgesamt neun dieser Prunkstücke gibt es in der Ausstellung zu sehen. Sechs davon tragen mit Elfenbeinplatten geschmückte Einbände, darunter das „Heilige Buch Frankens“ – das berühmte Kiliansevangeliar, dessen Elfenbeinrelief das Martyrium der Frankenheiligen zeigt.

Auch vermeintlich einfache Texthandschriften beherbergen verborgene Schätze, wie die Ausstellung eindringlich vermittelt: Für die irische Geschichte von herausragender Bedeutung ist eine äußerlich eher schlichte Abschrift der Paulusbriefe aus dem 8. Jahrhundert, die mit ihrer Fülle an altirischen Textzeugnissen die Rekonstruktion dieser Sprache erst ermöglichte. Unter den Exponaten befindet sich auch die älteste Handschrift, die die Universitätsbibliothek besitzt. Es handelt sich um einen auf Papyrus geschriebenen Text, eine Abschrift der Hannibal-Biographie des Spartaners Sosylos; das Fragment ist der weltweit einzig existierende Textzeuge dieses Werkes.

Einzigartig sind auch die in der Ausstellung gezeigten Beispiele mittelalterlicher Buchmalerei, etwa ein Festtagslektionar der Malschule des Klosters Reichenau, deren Werke zum UNESCO Weltdokumentenerbe, dem „Memory of the World“, zählen, oder die Würzburger Dominikanerbibel, in der 1246 mit dem Maler Hainricus erstmals in Deutschland ein sein Werk persönlich signierender Künstler greifbar wird. Exotisch und aus späteren Zeiten präsentiert sich die deutsche Übersetzung des Hortus Malabaricus von ca. 1730, ein Pflanzenbuch zur neu entdeckten Flora von Südindien, das der berühmteste Blumenmaler seiner Zeit, Georg Dionysius Ehret, illustriert hat.

Mitmach-Stationen

Stationen, die zum Mitmachen und selbst Begreifen einladen, sind in die Ausstellung integriert: An einem mittelalterlichen Schreibpult lassen sich die Mühen der Schreiber mit Federkiel und Tinte eigenhändig erfahren. Die Nachbildung eines spätmittelalterlichen Lesepultes, an dem Bücher zur Diebstahlssicherung angekettet waren, ermöglicht eine Vorstellung von den frühen Bibliotheksräumen. In einem Virtual-Reality-Game wird eine Episode aus der Stadtgeschichte zum Aufhänger für eine spannende 3D-Rallye durch das mittelalterliche Würzburg. (BSZ)

Information: Bis 7. Juli 2019. Lesesaal Sondersammlungen, 3. OG in der Zentralbibliothek, Am Hubland, 97074 Würzburg. Öffnungszeiten: Mo - Fr 10:00 - 18:00 Uhr, Sa / So 11:00 - 17:00 Uhr, an Feiertagen geschlossen (Führungen bei Voranmeldung auch an Feiertagen möglich)

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