Kultur

Unterhaltsam, oft tumb-schalkhaft verpackt sind Stefan Fröhlings Gedanken zu Corona. (Foto: Erich Weiß Verlag)

13.11.2020

Rund um die Fiirus-Fiichäe

Stefan Fröhlings Mundartgedichte zu Corona

Diese Gedichtsammlung trifft genial den Nerv der Zeit, der bei vielen wegen der Corona-Pandemie ja blank liegt. Nicht nur, dass man hier auf launiges Querdenken zu Corona-Themen stößt. Vor allem ist es die erzwungene Entschleunigung, die in Stefan Fröhlings Ich waas fai nedd eine lustvolle Variante anbietet: Versuchen Sie mal, das zu lesen: „Hommsisi äeschdmoll bei aam innäewändsi aignissd, södda Fiirus-Fiichäe, donn mochnsi middi uuschuldinn Dsälln iäechndwii rumm.“

Selbst wer das Fränkische aus Bamberg im Ohr hat, wird hier zum Lautbuchstabierer. Da will jede Gedichtzeile langsam und mehrmals entziffert werden – das sind geradezu Lehrstunden der Lyriklektüre. Die Versenkung in Inhalt gleichermaßen wie in die Sprachformung beschert vergnüglichen Erkenntnisgewinn – zum Beispiel, dass die Fiirus-Fiichäe, also die Virus-Viecher, keine „kadoolischa Seddseäaalmorool“ (katholische Sexualmoral) haben, weil sie eben mit unschuldigen Zellen irgendwie rummachen. Stefan Fröhling ist übrigens studierter Theologe sowie Autor von Kunst- und Kulturführern.

Fröhling gewinnt den Kontaktbeschränkungen durchaus Positives ab: Beim Spazierengehen muss er niemanden neben sich haben, der „sei Waffl nedd holldn dääd“. Andererseits ist er zu Hause doch nie wirklich alleine: Wenn er in den Spiegel schaut, „gloodsd do aanäe raus, un miäe sänn scho widdäe dsäe dswaidd“. Aber da grantelt er dann doch auch mit seinem Spiegelbild, „wallmeä uns üwächabbd nedd mööng“ – wegen Stalking und häuslicher Gewalt.

Parteispenden als Rettung

Ist es sein Alter Ego, dieser fiktive Gesprächspartner, mit dem er schließlich auch den Sinn einer neuen Corona-Partei überlegt? Ganz gewieft „midd ann Hoomoffissla un ann Fääsbuggla und ann Äggsdrakonndo“ – auf das natürlich Parteispenden fließen würden, die ihn gut in der Corona-Krise retten würden.

Abgesehen von solch unterhaltsamen, oft tumb-schalkhaft verpackten Überlegungen, ist die Gedichtsammlung in ihrer bewusst lautmalerischen Dialektschreibung geradezu als Sprachdenkmal zu sehen. Das (und noch mehr) wünscht man sich auch mal hören zu können. (Karin Dütsch)

Stefan Fröhling, Ich waas fai nedd. Mundartgedichte zu Corona. Erich Weiß Verlag, Bamberg. 32 Seiten,
5 Euro. ISBN 978-3-940821-79-9



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