Kultur

Zunächst versucht Salieri (links), Mozart durch Intrigen zu Fall zu bringen, und spannt dafür sogar Mozarts junge Ehefrau Constanze ein. Als das nicht funktioniert, will er Mozart vergiften. (Foto: Deutsches Theater, Anton Empl)

16.01.2026

Salieri lässt die Puppen tanzen

Die Opera Incognita inszeniert im Münchner Silbersaal „Amadeus“ von Peter Shaffer als Musiktheaterspektakel

Auf der Bühne ist der römisch-deutsche Kaiser Joseph II. ein Kamerad aus Pappmaché, der in Wien am Ende des 18. Jahrhunderts das Musikleben lenkt. Robert Gregor Kühn spielt und spricht die Figur wunderbar. Und Mozart darf bei der Premiere von Figaros Hochzeit denn doch die Hochzeitsgesellschaft entgegen des Monarchen Verdikt tanzen lassen. Da ist man allerdings schon mitten in einer Aufführung von Peter Shaffers Amadeus, das die Opera incognita zurzeit im Münchner Silbersaal spielt. Will sagen, im zweiten Rokoko und seinen Rocailles des Deutschen Theaters und auf drei Bühnenebenen.

So etwas ist die Spezialität von Regisseur Andreas Wiedermann, der auch Gluck unter dem Altstadtring oder im Krankenhaus spielen lässt. Aber weder der Kaiser noch Mozart sind die Hauptpersonen in diesem erfolgreichen, aber schon ein paar Jahrzehnte alten Stück, dessen Verfilmung mit acht Oscars prämiert wurde. Sondern es ist der Mann, der damals in ganz Europa erfolgreich war, die Strippen in Wien und in Sachen Musik zog: Antonio Salieri.

Der blickt 1823 im Altersheim und Ohrenbackensessel zurück auf sein Leben und schneidet sich schließlich die Kehle durch – verzweifelt über sein von Gott gesegnetes Leben, das dieser quirlige, quietschende, aber geniale Mozart gründlich gestört hat: „Signore, mach einen Komponisten aus mir!“, bittet er.

Gott macht’s, aber lässt den Ex-Salzburger dazwischenkommen. Und so dauert es im Silbersaal und bei Andreas Wiedermann eine halbe Stunde, bis der nach Süßigkeiten süchtige Salieri, informiert durch seine Gerüchte-Lüftchen, ihm endlich begegnet: dieser „Katz“, wild frisiert und viel unter Weiberröcken zugange.

Wiedermann folgt der aktuellen Mode einer queeren Besetzung, hat Mozart (Helena May Heber) als eine Art komponierende Quietschente angelegt, die nicht nur Salieri ziemlich auf die Nerven geht. Die Vorgeschichte zu Die Entführung aus dem Serail wird mit viel Amüsement vorgeführt: die Martern-Arie in echt, der Kaiser aus Pappe, das singende Ensemble und der von Ernst Bartmann exakt einstudierte Chor (von „Leck mich“ bis „Lacrymosa“) tragen eine Menge der „zu vielen Noten“, wie der Kaiser mäkelt, zur Aufführung bei.

Zur Pause hat Salieri seine Kriegserklärung an diesen ungerechten Gott gen Himmel geschleudert und gegen Mozart seine höfische Intrigenmaschine in Gang gesetzt. Auch die ist schuld, dass der gründlich vergessene Salieri schließlich im Sessel sitzt und Rossini in Wien modern war.

Aber da haben Shaffer und Wiedermann für den zweiten Teil noch viel in der Partitur stehen: Unterröcke fliegen über Samtsofas, Venusbrüstchen süßen die Lippen, immer wieder amüsiert der Kaiser und Salieris Erfolge treten gegen Mozarts Klavierkonzerte an, und an witzigen szenischen Einfällen lässt es die Aufführung nicht fehlen: im Orchestergraben etwa ein labiales und gestisch fidelndes Orchester bei der Uraufführung des Figaro.

Damit switcht die Aufführung wieder zurück nach 1786, die Aufführung macht zum Glück nicht die Fehler wie kürzlich die grässliche TV-Mozart-Serie: Es gibt eine Menge Mozart-Musik. Aber es ist noch viel Biografie abzuarbeiten, bis der Steinerne Gast das Requiem bestellt, Salieri erfolgreich die Mozarts aushungert, obwohl das Stanzerl (mit gängiger Gurgel: Carolin Ritter) sich ihm willfährig anbietet, oder Die Zauberflöte über die Vorstadtbretter geht.

Bartmanns Chor singt und spielt mit Hingabe, der italienische Intrigant wischt sich immer wieder die Hände an der Unschuld ab. Martin Schülke macht’s mit Ausdauer und eher wenig Dämonie. Die Musikgeschichte geht schließlich über ihn hinweg, Theaterblut fließt. Endlich, mag mancher gedacht haben, denn die Aufführung dauert erheblich länger als vorgesehen, aber erntet frenetischen Applaus der Incognita-Community. (Uwe Mitsching)
 

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