Kultur

In der Münchner Neuinszenierung von Faust wird auf eine kritische Deutung des Stoffes verzichtet. (Foto: Bayerische Staatsoper, Geoffroy Schied)

13.02.2026

Staatsoper: Kostümschinken mit starkem Soundtrack

Musikalisch top, szenisch schwach: Charles Gounods „Faust“ der Staatsoper München

Unter dem Intendanten Serge Dorny gibt sich die Bayerische Staatsoper in München bekanntlich betont fortschrittlich, divers und emanzipatorisch. Da ist es schon erstaunlich, was Lotte de Beer jetzt aus der Faust-Oper von Charles Gounod gemacht hat. In ihrer Münchner Neuinszenierung verzichtet die Niederländerin, seit 2022 Leiterin der Volksoper Wien, auf eine zeitlos universelle, kritische Deutung des Stoffes.

In der Szenerie von Christof Hetzer und der Ausstattung von Jorine van Beek wirkt der Faust-Stoff museal ausgestellt wie in einem Historienfilm. Selbst manche aus heutiger Sicht fragwürdige Textzeilen werden in der Inszenierung nicht kritisch hinterfragt. „Mädchen oder Festungen, das ist ein und dasselbe“, singen etwa die Soldaten im ersten Akt. „Alte Burgen, junge Frauen sind für uns ein Spiel!“

Das passt nicht zum Profil des Hauses

Es ist schon bemerkenswert, dass eine 44-jährige Frau rein gar nichts aus diesen Worten macht und sie einfach stehen lässt. Eine solche Inszenierung passt nicht zum Profil, das sich das Haus gerne gibt.

Dafür aber wurde die Premiere im Nationaltheater musikalisch und stimmlich ein absolutes Großereignis, und das war vor allem ihr zu verdanken: Nathalie Stutzmann. Mit dieser Premiere debütierte die Französin als Dirigentin an der Münchner Staatsoper. Sie kennt das Haus von der anderen Seite, nämlich als Sängerin. Von 2003 bis 2005 gestaltete Stutzmann an der Staatsoper die Partie der Amastre aus Georg Friedrich Händels Xerxes-Oper. Sie ist ein Multitalent, hat Gesang, Fagott, Dirigieren und Kammermusik studiert, lernte als Kind zudem Klavier und Cello. Mit diesem Profil setzt sie als Dirigentin eigene, starke Akzente. Sie atmet buchstäblich mit dem Orchester und den Stimmen, so auch bei der Münchner Faust-Premiere.

Mit dem Bayerischen Staatsorchester wählte Stutzmann eher gemäßigte Tempi, in der Wirkung aber nie stockend oder getragen, sondern stets im Fluss. Geradezu perfekt ausbalanciert wirkte die Dynamik.

Das alles beflügelte hörbar die Stimmen. Das galt insbesondere für den überragenden Tenor Jonathan Tetelman, der sein Rollendebüt als Faust gab, sowie für Olga Kulchynska als Marguerite, den Mephisto von Kyle Ketelsen und den famosen Staatsopernchor. Mit Dshamilja Kaiser als Marthe, Florian Sempey als Marguerites Bruder Valentin oder Emily Sierra in der Hosenrolle des Siebel waren auch die anderen Partien ganz wunderbar besetzt.

Rein musikalisch und stimmlich markierte diese Premiere einen absoluten Höhepunkt in der bisherigen Amtszeit von Dorny als Staatsopernintendant in München. Was stockte, war einzig die Inszenierung von de Beer, und zwar im wahrsten Sinn. Da klafften immer wieder Zäsuren und Leerstellen, die mit Szenewechseln nicht zu erklären waren.

Gesangslaufbahn als Alleinstellungsmerkmal

Umso erfreulicher die Leistungen von Stutzmann: Es wurde einmal mehr hörbar, wie sehr ihre frühere Gesangslaufbahn als Altistin eng mit ihrem heutigen Dirigieren verbunden ist und ihr ganzes Profil wesentlich bestimmt. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal und eröffnet ihr Qualitäten, die in dieser Form sonst kaum zu erleben sind – zumal im Opernbetrieb. Das offenbarte sich bereits 2023, als sie bei den Bayreuther Wagner-Festspielen mit der Leitung der Wiederaufnahme der gefeierten Tannhäuser-Inszenierung von Tobias Kratzer debütierte.

In diesem Sommer dirigiert Stutzmann erstmals in Bayreuth eine Neuproduktion, nämlich die frühe Oper Rienzi. Für Richard Wagner war sie eine „Jugendsünde“. Er hat sie vom Bayreuther Festspielreigen ausgeschlossen. Auf diese Premiere mit Stutzmann am Pult darf man sich freuen. (Marco Frei)
 

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