Kultur

Effektreich, aber klischeebehaftet inszeniert: Rigoletto an der Bayerischen Staatsoper. (Foto: Bayerische Staatsoper, Geoffrey Schied)

13.03.2026

Staatsopern-Premiere: Sadomaso-Horror à la Epstein

Ein neuer „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi an der Staatsoper in München

In München wird bekanntlich gerne das Dolce Vita zelebriert. Die Metropole an der Isar nennt sich, wie immer großspurig und etwas vermessen, die nördlichste Stadt Italiens. Auch die Bayerische Staatsoper möchte diese Italianità gerne hochleben lassen. Schon Ex-Intendant Nikolaus Bachler hatte an diesem Image eifrig gewerkelt. Sein Nachfolger Serge Dorny legt nach, setzt hier durchaus eigene Akzente, aber: Das klingende Ergebnis ist bislang ähnlich bescheiden. Da wird, rein musikalisch und auch gesanglich, oftmals mehr das Klischee einer Italianità zementiert.

Auch bei der jetzigen Premiere von Giuseppe Verdis Rigoletto war dies insgesamt das Ergebnis. Obwohl mit Maurizio Benini ein gebürtiger Italiener am Pult des Bayerischen Staatsorchesters stand, machte sich eine stilistisch originäre, kenntnisreiche Verdi-Exegese leider rar. Da wurde kräftig auf die Tube gedrückt, bisweilen übersteuert die Dynamik im Orchester. Ein breiter, satter, schwerfällig und laut tönender Verdi-Klang war das Ergebnis.

Man muss nicht den Verdi-Maestro Riccardo Muti im Ohr haben, um zu wissen, dass es auch feiner, klarer, fluider gehen kann. In Stuttgart gab es 2015 unter Sylvain Cambreling eine Rigoletto-Premiere, die buchstäblich Ohren und Geist öffnete: ein bis heute nachklingendes Großereignis.

Orchestraler Überdruck

Davon war die jetzige Premiere in München weit entfernt. Der orchestrale Überdruck hatte teils gravierende Folgen für den Gesang. Selbst der an sich strahlend klare, helle Tenor von Bekhzod Davronov als Herzog von Mantua hatte stellenweise hörbar Mühe in der Höhe, und dies nicht erst in der berühmten Arie „La donna è mobile“. Auf der Premiere irritierte zudem das mitunter etwas matte, gaumige Timbre von Ariunbaatar Ganbaatar in der Titelpartie. Dafür aber spielten beide ihre Rollen einnehmend. Im Gesang wirkten Riccardo Fassi als Auftragsmörder Sparafucile und Elmina Hasan als dessen Schwester Maddalena stilistisch weitaus informierter.

Ein Glückstreffer war indes vor allem das Rollendebüt von Serena Sáenz als Rigolettos Tochter Gilda. Allein ihre große Arie im ersten Akt wurde zu einem berauschenden Moment. Sie fällt auf den feschen Herzog und Schürzenjäger herein, und das wird ihr zum Verhängnis.

In ihrer Inszenierung schlägt Barbara Wysocka eine Brücke ins Heute. Der Hofstaat steckt in von Julia Kornacka heutig entworfener Abendgarderobe. Die Bühne von Barbara Hanicka arbeitet mit kühl-nüchternen Kuben. Sie stellen das silbern-coole, moderne Hof-Ambiente oder das klaustrophobisch einengende Zimmer, in dem Gilda von ihrem Vater eingesperrt wird.

Die Aussage ist dünn

Er will sie vor dem Herzog und seinen Handlangern schützen, was ihm nicht gelingt. Die ganze hohe, testosterongesteuerte Gesellschaft macht mit, als Gilda aus ihrem Zimmer entführt wird. Bald findet sie sich in einer Hölle wieder, um missbraucht und misshandelt zu werden.

Es ist ein Epstein-Fall, den Wysocka aus Verdis Rigoletto macht – jedenfalls assoziativ. Denn diese Geschichte wird nicht schlüssig und konsequent durchgeführt, sondern in Bildern angedeutet. Auf die Dauer wirkt das sehr statisch und im Grunde auch beliebig. Rigoletto beauftragt Sparafucile, den Herzog zu töten. Die schaurige Welt des Mörders und des Herzogs wird als großer Sadomaso-Darkroom ausgestellt.

Das alles ist fraglos effektreich, als Aussage jedoch ziemlich dünn. Eine Chance wurde hier vertan. Dieses Mittelmaß in der Regie spiegelte leider insgesamt auch die musikalisch-gesangliche Leistung wider. Auf der Premiere wurde vor allem Sáenz für ihr Rollendebüt als Gilda gefeiert – absolut zu Recht! (Marco Frei)
 

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