Kultur

Auch diese Gucci-Luxustasche kann man in der Ausstellung bewundern. (Foto: Knauf-Museum Iphofen, Benedikt Feser)

24.04.2026

Trag mich! Die Geschichte der Handtasche

Heute sind Handtaschen für Frauen selbstverständlich. Das war nicht immer so, wie eine interessante Ausstellung im Knauf-Museum in Iphofen zeigt

Die Handtasche einer Frau verrät, worauf sie Wert legt, auf praktischen Nutzen oder ihre gesellschaftliche Stellung. Solche Aspekte beleuchtet die kulturhistorisch interessante Ausstellung im Knauf-Museum in Iphofen unter dem Titel Trag mich! durch Handtaschen aus etwa 100 Jahren.

Heute sind Handtaschen ein selbstverständliches Accessoire im Alltag, ob über der Schulter oder in der Hand zu tragen, als Unterarm-Modell, als Stauraum für vielerlei Gegenstände oder als kostbares Requisit zu einem exquisiten Anlass, oft passend zum Kleid gewählt. Dass vor dem Biedermeier eine Handtasche ungebräuchlich war, ist den meisten Menschen unbekannt. Denn unter den weiten, gebauschten Röcken konnten Frauen mittels eines Bandes in der Taille einen Beutel befestigen, wo kleinere Dinge Platz fanden.

Erst mit dem Wandel der Mode, mit schmalen, am Körper anliegenden Kleidern, war dies nicht mehr möglich. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich auch mit der aushäusigen Erwerbstätigkeit der Frau die Mode und damit der Gebrauchswert und -nutzen einer Handtasche. Ab Mitte der 1920er-Jahre entstand vor allem in Großstädten und in internationalen Metropolen ein regelrechtes Handtaschen-Design mit der Unterscheidung in Tages- und Abendmodelle.

Prominente beeinflussen Trends

Material und Formen differierten oft sehr. Neben Taschen von namenlosen Herstellern entwickelten sich später französische und italienische Luxusmarken, mit zum Beispiel heute noch begehrten sündhaft teuren Stücken, oft nur für exquisite Kundinnen reserviert. Die vielfältigsten Formen, Materialien und Farben der Taschen, etwa aus Python- oder Alligatoren-Leder, aus Fell, aus Nappaleder, aus Metall, aus Perlen, aus Stoff, bestickt, geflochten oder gesteppt, sind zu bestaunen.

Deutlich wird an Beispielen zwischen 1920 und 1950, wie stark prominente Handtaschen-Trägerinnen, deren Großfotos die Wände zieren, Trends beeinflusst haben. Es gab für den Abend exklusive Modelle, oft mit älteren Schnallen, Beutel aus Perlen, dann für gesellschaftliche Anlässe Etuitaschen, Taschen mit Klappverschlüssen oder in Form einer Puderdose oder auch in Kästchenform.

Heute immer wieder aufgelegt, unverwechselbar im Design, die Taschen von Hersteller Louis Vuitton aus Paris, der ursprünglich Reisegepäck fertigte und 1932/34 auch mal eine Beuteltasche für fünf Champagnerflaschen schuf. Als Klassiker gilt die Handtasche von Grace Kelly von Hermès, die Kelly-Bag, ebenso wie die Tasche von Jackie Kennedy von Gucci, mit aufgedrucktem Firmenlogo, dem doppelten G; auch Chanel vertreibt heute noch die beliebte Chanel 2.55 aus weißem Leder, in Rauten gesteppt, mit Schulter-Metall-Kette. Die quietschbunte Twiggy-Tasche aus Kunststoff war ursprünglich gedacht für die Barbie-Twiggy-Puppe samt Zubehör.

Spektakuläre luxuriöse Abendtaschen

Besonders spektakuläre luxuriöse Abendtaschen schuf ab den 70er-Jahren Judith Leiber in den USA, etwa mit Swarovski-Kristallen. Aus Korea stammt ein ganzes Taschen-Set aus Vogelfedern, kunstvoll in Muster gelegt und mit Kunststoff überzogen, eine Lippen-Tasche, Acryl, aus Großbritannien fällt jedenfalls auf.
Die „Lady Dior“, ein Geschenk für Lady Di, wurde von Ferré entworfen. Etwas martialisch wirkt die Clutch mit den Ringgriffen für die Finger durch den applizierten Totenkopf, designt von Alexander McQueen.

Große Modeschöpfer wie Karl Lagerfeld und Fendi brachten auch eine It-Bag auf den Markt; dagegen wirkt die sportliche „Marcie“ von Chloè wenig spektakulär, und die schwarze Schultertasche „Mansur“ zeigt beim Öffnen ihre goldene Innenseite. Von der englischen Modemarke Burberry stammt eine helle Gürteltasche, und die Bambusstäbchen-Tasche hat ihren unverkennbaren Ursprung in China. (Renate Freyeisen)

Bis 8. November. Knauf-Museum Iphofen, Am Marktplatz, 97346 Iphofen. Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr. www.knauf-museum.de
 

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