Kultur

So soll der Konzertsaal einmal aussehen - wenn wieder genügend Geld in den Kassen ist. (Foto: Pelke)

18.11.2020

Vorläufiges Aus für Nürnbergs neuen Konzertsaal

Aufgrund der angespannten Haushaltslage verschiebt Nürnberg den Neubau des rund 200 Millionen Euro teuren Konzertsaals

Ein Paukenschlag in Nürnberg: Die Frankenmetropole verschiebt den Neubau des geplanten Konzertsaales mindestens bis zur nächsten Legislaturperiode im Jahr 2026. „Wir können das Projekt jetzt nicht weiterverfolgen, weil wir den neuen Konzertsaal in den Haushalt nicht unterbringen können“, hat Oberbürgermeister Marcus König (CSU) bei der überraschenden Verkündung des „Konzertsaal-Moratoriums“ am gestrigen Dienstag gesagt.

Zur Begründung hat König auf die schwierige Haushaltslage und die finanziellen Folgen der Corona-Krise für die Frankenmetropole verwiesen. „Corona hat uns unglaublich stark getroffen. Wir müssen 200 Millionen Euro neue Schulden aufnehmen“, erklärte er konsterniert und verwies darauf, dass die Frankenmetropole schon ohne die finanziellen Pandemiefolgen rund 50 Million Euro neue Schulden aufnehmen müsse. Mit Blick auf die prekäre Finanzlage sei es laut König  „unverantwortlich“, die weit gediehenen Pläne zum Neubau des Konzerthauses in der aktuellen Situation weiter zu verfolgen. Erst wenn die Stadt „wieder aus den Vollen schöpfen“ könne, werde Nürnberg die Pläne erneut aufgreifen, hat König zum Ernst der Lage wenig Zweifel gelassen und erklärt, dass sich die Stadt in den kommenden Jahren auf den Erhalt von Bestandsgebäuden wie dem renovierungsbedürftigen Opernhaus oder der ebenfalls deutlich in die Jahre gekommenden Meistersingerhalle konzentrieren müsse.

Als weiteren Grund für das überraschende Aus hat König auf die gestiegenen Baukosten verwiesen. Ursprünglich habe der neue Konzertsaal „nur“ 100 Millionen kosten sollen. Nach der Ausarbeitung der Pläne habe sich die Investitionssumme auf rund 200 Millionen Euro verdoppelt. Auch wenn der Freistaat weiterhin die Hälfte der Kosten übernehmen wollte – für Nürnberg sei der Eigenanteil in Höhe von rund 100 Millionen Euro derzeit einfach nicht zu stemmen. Deshalb habe König gemeinsam mit Kultur-Bürgermeisterin Julia Lehner (CSU) und der SPD als Kooperationspartner im Rathaus die schwere Entscheidung getroffen.

„Das ist heute kein Tag für Freudentränen - eher im Gegenteil“, hat eine sichtlich bedrückte Kultur-Bürgermeisterin Lehner gesagt und an die Entstehungsgeschichte der hochtrabenden Konzerthaus-Pläne erinnert,  die noch unter Alt-Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) vor rund zehn Jahren als Ausweichspielstätte während der Sanierung des Opernhauses geboren worden seien. Nachdem der Freistaat seinerzeit großzügige Finanzmittel in Aussicht gestellt habe, seien dem lang gehegten Traum nach einem neuen Konzerthaus in Nürnberg immer größere Flügel gewachsen. Durch die Konzeption als Ausweichspielstätte während der Opernhaus-Sanierung seien die Kosten explodiert. Im Hinblick auf die schwarzen Löcher im Haushalt sei auch Lehner jetzt dafür, alle Kräfte beispielsweise auf bestehende Kulturbauten wie die Oper zu konzentrieren und die Konzerthaus-Pläne für die nächsten Jahre in die Schublade zu legen.

Die Stadt hat bis zuletzt mit Verve den Bau eines neuen Konzerthauses neben der Meistersingerhalle am Luitpoldhain geplant. Der Konzertsaal mit 1.500 Plätzen sollte mit erstklassiger Akustik ausgestattet werden und Künstlern aus aller Welt anlocken und das Publikum von den Sitze reißen. Bereits Anfang 2021 sollte mit dem Bau begonnen werden. 2024 sollte das Konzerthaus seinen Betrieb aufnehmen. Den würfelförmigen Siegerentwurf haben Nürnberger Architekten vom „Team Johannes Kappler“ in Arbeitsgemeinschaft mit dem ebenfalls aus Nürnberg stammenden „Super Future Collective“ Nürnberg und „Topotek 1“ aus Berlin und Zürich gezeichnet.

Die SPD-Stadtratsfraktion zeigt sich überrascht von dem kurzfristig verkündeten Moratorium für ein neues Konzerthaus in Nürnberg. „Die Architekturplanungen sind weit gediehen und sogar die Orgel ist schon bestellt“, erinnert Nürnbergs SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzender Thorsten Brehm. „Eigentlich hatte die CSU-geführte Staatsregierung eine annähernde Komplettfinanzierung in Aussicht gestellt. Im Vergleich zu München wäre Nürnberg damit ohnehin schon schlechter gestellt worden.“ In der Landeshauptstadt wolle der Freistaat ein neues Konzerthaus selbst planen, bauen und sogar betreiben. „Jetzt hält der Freistaat nicht einmal dieses reduzierte Versprechen gegenüber Nürnberg ein“, kritisiert Brehm. Die nun in Aussicht gestellte Förderung von 75 Prozent der förderfähigen Kosten für das Haus am Rande des Luitpoldhains hieße umgerechnet, dass wohl rund die Hälfte der geplanten 200 Millionen Euro Gesamtkosten als Eigenanteil an der Stadt Nürnberg hängen bliebe. „Das ist in der aktuellen Haushaltslage für uns nicht stemmbar“, analysiert Brehm nüchtern. „Damit liegt das Projekt zwangsläufig erst einmal auf Eis.“(Nikolas Pelke)

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