Kultur

Für sein markantes Hochhaus in München sucht der BR einen Investor. (Foto: dpa, Sven Hoppe)

30.08.2026

Wie geht es weiter am BR-Funkhaus-Areal?

Der „Bayerische Rundfunk“ will den Gebäudekomplex an der Münchner Arnulfstraße möglichst lukrativ nutzen und arbeitet dabei auch an einem Deal mit der Stadt

Das Stammgelände des Bayerischen Rundfunks (BR) liegt nah am Hauptbahnhof. Hier stehen etliche Gebäude aus verschiedenen Epochen der Rundfunkgeschichte, die in den nächsten Jahren saniert werden müssten, darunter der Studiobau und das BR-Hochhaus. Der Rundfunk ist aus den Funkhäusern ausgezogen und in einen Neubau in Freimann am nördlichen Stadtrand übergesiedelt, wo das BR-Fernsehen schon lange seinen Sitz hat. Der BR möchte nun das Funkhaus-Areal zerteilen und getrennt verwerten, das nördliche Drittel soll verkauft werden.

Hier steht seit über 60 Jahren der Studiobau mit der Muschelkalkfassade, dessen Qualitäten vor allem im Inneren liegen – Konzert- und Hörspielstudios mit brillanter Akustik sowie ein Design, das den Bau auch als Drehort für Film und Fernsehen attraktiv machte. Über einen Zwischenbau ist der Studiobau mit seinem Vorgänger verbunden, dem Riemerschmidbau im Stil der Neuen Sachlichkeit aus dem Jahr 1929. Er wurde schon 1979 in die Denkmalliste eingetragen. Beide Funkhäuser und ein Teil des Innenhofs stehen nun zum Verkauf.

Mit den Einnahmen möchte der Sender die Sanierungen im südlichen Teil finanzieren, wo das bekanntere BR-Hochhaus steht. Die gute Innenstadtlage lässt grundsätzlich entsprechend hohe Einnahmen erwarten. Den Abriss des Studiobaus würde der BR für sein Vorhaben in Kauf nehmen: Eine Sanierung wäre angeblich zu teuer, es war von 300 Millionen Euro die Rede, der Brandschutz sei aufwendig. Doch die öffentlich-rechtliche Anstalt verweigerte Einblicke in die Gutachten und Unterlagen.

Initiative fordert eine Zwischennutzung

Deshalb formierte sich die „Initiative BR Studiobau retten“, präsentierte den Bau und seine Qualitäten auf der Website und stellte 2023 eine Kundgebung mit mehrstündigem Kulturprogramm auf die Beine. Medien berichteten, Tausende Menschen unterstützten eine Online-Petition. Ende 2024 wurde der Studiobau als herausragendes Zeugnis der zeitgenössischen Rundfunkgeschichte unter Denkmalschutz gestellt. Da jetzt beide Funkhäuser als Denkmäler geschützt sind, ist das nördliche Gelände viel schwerer verkäuflich als vorher. Im 25. Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) ist sogar von Bemühungen des BR „zur Unzumutbarkeit des Denkmalschutzes“ die Rede.

Der Studiobau könnte aber immer noch für Akteure der Musikbranche attraktiv sein: Die Studios sind akustisch entkoppelt, das heißt, hier lassen sich hochwertige Audioaufnahmen erstellen, während im Nebenraum eine Band probt. Da kein Interessent für einen Kauf in Sicht ist, läge es nahe, die vielseitig nutzbaren Räume übergangsweise an Kreative und an kleine Unternehmen zu vermieten. Eine entsprechende Nachfrage wäre vorhanden, denn die Zwischennutzungen der „Fat Cat“ im ebenfalls sanierungsbedürftigen städtischen Kulturzentrum am Gasteig enden im September.

Doch der BR verweist auf den Brandschutz – ein Sprecher schreibt, eine Zwischennutzung sei nicht möglich. Der BR konzentriert sich derzeit auf den südlichen Teil seines Funkhaus-Areals: Hier steht seit 1976 das markante BR-Hochhaus, das als Verwaltungsgebäude des Senders dient. Den unteren Teil will der BR selbst nutzen, die oberen Etagen mit Blick über die Stadt könnten sehr hochpreisig vermietet werden. Der südliche Teil ist nun europaweit ausgeschrieben: Der BR sucht einen Investor, der das Hochhaus und die Umgebung befristet in Erbpacht übernehmen möchte, um es nach Vorgaben des Senders zu sanieren und um Neubauten zu erweitern. Am Sockel des Hochhauses soll ein „Munich Media Hub“ entstehen, mit offenem Podcast-Studio und einem Neubau für Veranstaltungen. Damit will der BR laut einer Pressemitteilung das Gelände für die Gesellschaft öffnen. Ob tatsächlich ein großer Konzertsaal für das Rundfunkorchester hinpassen würde, wie es der BR suggerierte, erscheint aber fraglich. Da die Trambahn in der Arnulfstraße vorbeifährt, wäre zudem mit Lärm und Erschütterungen zu rechnen.

Für den Südteil mit dem Hochhaus legt ein Bebauungsplan einen „Gemeinbedarf“ fest. Im Flächennutzungsplan gilt das gesamte Areal als „Gemeinbedarfsfläche Kultur“. In einer Pressemitteilung des BR von 2024 war sogar von einer „Gemeinwohlorientierung“ die Rede. Aus dem KEF-Bericht geht allerdings hervor, dass der BR bereits mit dem Planungsreferat der Stadt München über eine Lockerung verhandelt hat.

Dieses Vorgehen sorgte beim Denkmalnetz Bayern (AG München) für Empörung. Die Gruppe erklärt: „Im Bebauungsplanverfahren hat der Stadtrat 2021 neben Denkmalschutz den Nutzen für die Allgemeinheit besonders hervorgehoben. Nun sollen diese Vorgaben zugunsten einer lukrativeren Vermarktung aufgeweicht werden.“ Das untergrabe Transparenz und missachte den Stadtratsbeschluss. „Eine so weitreichende Kursänderung gehört in den Stadtrat und in die öffentliche Debatte – nicht in bilaterale Absprachen zwischen BR und Planungsreferat.“

Auch der Bezirksausschuss des Stadtteils Maxvorstadt macht sich Sorgen: In einem einstimmig beschlossenen Antrag fordert das Gremium die Landeshauptstadt auf, den Gemeinbedarf auf dem südlichen BR-Gelände zu erhalten, und reicht Nachfragen ein. Der Bezirksausschuss befürchtet, dass „mittelfristig der BR ganz wegzieht und eine reguläre Büronutzung ohne Gemeinbedarfsnutzung entsteht.“ Der BR betonte wiederum, er werde auf dem Gelände bleiben und dort 20 Prozent seiner bisherigen Fläche zurückmieten. (Irene Gronegger)
 

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