Kultur

21.08.2026

Wo historische Instrumente zum Leben erwachen

Im unterfränkischen Dorf Weißenbrunn befindet sich eine erstaunliche Sammlung historischer Tasteninstrumente – die auch immer wieder bespielt werden

Sanft erheben sich die Hügel, erinnern ein wenig an die Toskana, Vögel zwitschern, aus der Ferne ist leises Hundegebell zu hören. Ansonsten ist es still in Weißenbrunn bei Ebern im unterfränkischen Landkreis Haßberge. Und manchmal erklingen aus dem hübschen Schloss am Ortsrand besondere Töne – gespielt auf historischen Instrumenten.

„Schlossherrin“ Pia Praetorius und ihr Mann Wolfgang Kropp haben das Gebäude 2016 erworben und liebevoll restauriert. „Und was passt nun zu einem barocken Schloss?“, fragt die studierte Kirchenmusikerin lachend. „Genau: barocke Instrumente.“ Neun kostbare Tasteninstrumente befinden sich inzwischen in den lichtdurchfluteten Räumen. Profis und junge Musiker können sie im Rahmen eines Artist-in-Residence-Programms jeweils eine Woche lang nutzen.

In Corona-Pandemie entstanden

Die Idee für das Herzensprojekt entstand während der Corona-Pandemie. Viele Künstler hätten damals unter der Situation gelitten, erzählt Praetorius. Manche hätten keine eigenen Instrumente gehabt und damit kaum üben können. Sie veröffentlichte einen Film im Internet – und danach ging es Schlag auf Schlag. Seit 2020 zieht jedes Jahr neues Leben in die Schlossgemäuer ein. Die jungen Musiker wohnen im angrenzenden Gästehaus und können in Ruhe forschen und experimentieren.

Praetorius erzählt mit sichtlicher Begeisterung von ihren Instrumenten, die für sie fast wie eigene Persönlichkeiten sind. Das Interesse an Hammerklavier, Cembalo, Fortepiano und Co. entwickelte sich bereits während ihrer Zeit als Kantorin an der Nürnberger St.-Egidienkirche. Zugleich entstand der Wunsch, klassische Musik für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

2019 gründete Wolfgang Kropp die Schloss-Weißenbrunn-Stiftung. Praetorius wurde Stiftungsvorstand – und ihr Traum nahm nach und nach Gestalt an.

Neun historische Tasteninstrumente

Mittlerweile warten fünf Hammerflügel sowie jeweils ein Cembalo, Virginal, Spinett und eine Orgel auf Musiker. Alle Instrumente sind Originale und gehören der Stiftung. Darunter befinden sich ein Pleyel-Flügel aus Paris von 1836 und ein Spinett von Neil Stewart, das um 1768 in Edinburgh gebaut wurde.

Dazu kommen Fortepiani von Melchior Guante und Joseph Johann Brodmann, eine italienische Orgel von 1724 sowie das älteste Instrument der Sammlung: ein römisches Cembalo, das ebenso wie das italienische Virginal vermutlich Ende des 16. Jahrhunderts entstand. Neu hinzugekommen ist ein Hammerflügel des Wiener Klavierbauers Conrad Graf aus dem Jahr 1824.

Praetorius schwärmt vom Klang der historischen Instrumente. Sie seien leichter gebaut worden, mit mehr Holz und weniger Metall. Auch die Entwicklung des Anschlags lasse sich an ihnen nachvollziehen – vom Zupfen mit dem Federkiel bis zum Hammermechanismus. Mit der Zeit wurden die Hämmer größer und schwerer, weil die Instrumente nicht mehr nur kleine Salons, sondern auch größere Räume füllen sollten.

In Weißenbrunn braucht es diesen kräftigeren Klang nicht. Der Konzertsaal bietet gerade einmal 30 Plätze und vermittelt das intime Gefühl eines früheren Salons. Die Konzerte sind meist ausverkauft. Neben den Artist-in-Residence-Musikern treten auch international bekannte Künstler auf und tragen den Namen des kleinen Ortes in die Welt.

Musikprojekte für Kitas und Schulen

In diesem Jahr fand erstmals ein Wettbewerb statt, der der Komponistin und Pianistin Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, gewidmet war. Beim Finale am 25. April präsentierten sich acht Lied-Duos mit Fortepiano.

Auch Kinder und Jugendliche sollen die historische Musik kennenlernen. Vor zwei Jahren startete die Stiftung deshalb Musikprojekte für Kindergärten, Grund- und Mittelschulen sowie Gymnasien. Dabei gehe es auch darum, Musik spielerisch und mit Humor zu vermitteln, erzählt Praetorius. So wurde etwa eine Geburtstagsparty für König Friedrich inszeniert – und aus „Barockmusik“ wurde schnell etwas ganz anderes, wenn man das „Ba“ im Wort überhörte.

Die Ruhe von Weißenbrunn, die historischen Instrumente und die Arbeit mit jungen Musikern verbindet Praetorius zu einem Ort, an dem alte Musik nicht museal wirken soll, sondern lebendig bleibt. (Maja Engelhardt)

Alle Termine und Informationen unter: www.schloss-weissenbrunn.de

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