Landtag

Im Jahr 2016 wurden fast 4000 Personen in Bayern Opfer von häuslicher Gewalt und fast 900 Personen Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. (Foto: dpa)

19.10.2018

Auch Männer Opfer von häuslicher oder sexualisierter Gewalt

Männer erleben wie Frauen mindestens einmal im Leben Gewalt durch Bezugspersonen

In der Diskussion um häusliche und sexualisierte Gewalt stehen hauptsächlich Frauen und Kinder im Fokus. Das ist zwar richtig so, weil sie den größten Teil an gewaltbetroffenen Opfern ausmachen, schreibt Verena Osgyan (Grüne). „Über die Fürsorge für Männer in Bayern, die Opfer von häuslicher oder sexualisierter Gewalt sind, ist unterdessen wenig bekannt.“ Die Abgeordnete wollte daher von der Staatsregierung wissen, welche Maßnahmen es zur Unterstützung für Männer und männliche Jugendliche in Bayern gibt.

Das Sozialministerium schreibt in seiner Antwort, Studien legten nahe, dass Männer etwa gleich häufig wie Frauen mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch Bezugspersonen erleben. „Jedoch werden Männer häufiger im außerhäuslichen Bereich durch ihnen unbekannte Personen Opfer von Gewalt und sind seltener von schwerer, bedrohter und wiederholter Gewalt betroffen“, heißt es in der Antwort. Gewalttätige Frauen würden seltener schwere Gewalt anwenden als gewalttätige Männer.

Insgesamt wurden im Jahr 2016 gut 18 000 männliche Personen Opfer von Gewaltkriminalität – davon 9,2 Prozent Jugendliche, 13,6 Prozent Heranwachsende und 3,6 Prozent Senioren. Opfer von häuslicher Gewalt wurden im selben Zeitraum 3849 Personen. Zudem wurden 2016 genau 870 Personen Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. 93 waren zu diesem Zeitpunkt Jugendliche, 19 im Seniorenalter. Wie viele im Anschluss in eine Männerunterkunft geflüchtet sind, kann das Ministerium nicht sagen.

Die Stadt Nürnberg hat einen Männerbeauftragten

Männliche Opfer von Gewalt können sich laut Staatsregierung aber an verschiedene Einrichtungen wenden. So hat die Stadt Nürnberg bereits seit zwei Jahren einen Männerbeauftragten für Mitarbeiter und Bürger, der an der Stelle der Frauenbeauftragten angedockt ist. „Er übernimmt die Vermittlung in Beratungsstellen und arbeitet an der Sensibilisierung für die Situation von Männern, die Opfer von häuslicher oder sexualisierter Gewalt werden und Diskriminierung erleben“, erklärt das Ministerium.

Speziell für Buben und junge Männer aus Bayern bis 27 Jahren gibt es in München die Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle kibis für Opfer von sexualisierter oder häuslicher Gewalt. Die Angebote werden pro Jahr mit knapp 20 000 Euro vom Freistaat gefördert und stehen auch Angehörigen beziehungsweise Fachkräften offen. Darüber hinaus steht männlichen Jugendlichen und Volljährigen laut Ministerium das gesamte Spektrum der Kinder- und Jugendhilfe offen.

Im Bereich der Polizei steht männlichen Opfern in allen Verbänden der „Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer“ als Ansprechpartner zur Verfügung. Dieser sei 2016 bewusst vom „Beauftragten der Polizei für Frauen und Kinder“ umbenannt worden, um zu verdeutlichen, „dass diese Stelle der bayerischen Polizei geschlechtsneutral auch für die Belange männlicher Opfer polizeilicher Ansprechpartner ist“. (David Lohmann)

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