Landtag

Die Debatte um Microsoft-Ausgaben dreht sich nicht nur um die Kosten, sondern auch um die digitale Unabhängigkeit der bayerischen Verwaltung. (Foto: dpa/Matthias Balk)

06.08.2026

Bayern gab rund 360 Millionen Euro für Microsoft aus

Bayerns Verwaltung arbeitet meist mit Software des US-Giganten Microsoft. Das wirft nicht nur Fragen zur digitalen Souveränität auf. Neue Zahlen zeigen auch, wie viel Geld der Freistaat dafür ausgibt

Bayern hat seit 2020 mehr als 258 Millionen Euro für Produkte und Dienstleistungen von Microsoft ausgegeben. Das geht aus einer Anfrage der SPD im Landtag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Für den laufenden Doppelhaushalt 2026/27 sind den Angaben zufolge weitere rund 102 Millionen Euro für Microsoft in verschiedenen Ressorts vorgesehen. Insgesamt summieren sich die Ausgaben des Freistaats damit in acht Jahren auf rund 360 Millionen Euro. Die Kosten der bayerischen Kommunen sind dabei nicht berücksichtigt.

Besonders stark gestiegen sind laut Digitalministerium die Ausgaben für Microsoft 365. Die jährlichen Kosten für das Software- und Cloud-Abonnement haben sich zwischen 2020 und 2025 von 8,8 auf 18,3 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

SPD fordert mehr digitale Souveränität

Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn sieht die starke Abhängigkeit von Microsoft kritisch. „Bayerns Verwaltung verlagert damit immer mehr Arbeit in die Cloud eines US-Konzerns“, sagte er mit Verweis auf den Cloud Act, der US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen den Zugriff auf Daten von US-Unternehmen ermöglicht.

Von Brunn kritisierte zudem, dass Bayern bisher keinen umfassenden Kostenvergleich mit Open-Source-Alternativen vorgenommen habe. Nach seiner Ansicht werde damit auch das Ziel einer größeren digitalen Souveränität verfehlt.

Modellversuch mit Open Source

Das Finanzministerium erklärte auf Nachfrage, bei IT-Beschaffungen würden kontinuierlich Einsparpotenziale geprüft. Eine ressortübergreifende Bündelung von Aufträgen könne in der Regel die Gesamtkosten senken.

Die Verhandlungen über eine Zusammenführung bestehender Microsoft-Verträge liegen derzeit auf Eis. Parallel testet das Digitalministerium einen digital souveränen Arbeitsplatz mit alternativer Software. Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) will nach der Sommerpause über die nächsten Schritte informieren. Das Finanzministerium verweist zudem auf die Bayerische Vermessungsverwaltung, die nach eigenen Angaben bereits seit Jahren überwiegend auf Open-Source-Lösungen und Eigenentwicklungen setzt. (dpa)

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