Landtag

Imame sind heute nicht nur Vorbeter, sondern oft auch Seelsorger, Berater und Vermittler. Deshalb wird in Bayern über eine stärkere Ausbildung im Freistaat diskutiert. (Foto: dpa/Stephanie Pilick)

10.07.2026

Bayern sucht den richtigen Weg zum 'Imam made in Bavaria'

Imame übernehmen heute weit mehr Aufgaben als das Vorbeten. Fachleute sehen deshalb bei einem Gespräch im Landtag eine stärker an Bayern orientierte Ausbildung als wichtigen Beitrag für Integration und Seelsorge

Wie können Imame künftig in Bayern ausgebildet werden? Darüber diskutierte der Bildungsausschuss mit Fachleuten im Landtag. Einig waren sich fast alle: Eine Ausbildung ist sinnvoll – umstritten blieb aber vor allem der richtige Weg dorthin.

Imame sollen künftig vermehrt in Bayern beziehungsweise Deutschland ausgebildet werden. Darin waren sich die Fachleute bei einem Informationsgespräch des Bildungsausschusses weitgehend einig. Unterschiede gab es dagegen beim Weg dorthin – von einer praxisnahen Ausbildung bis hin zu einem universitären Studiengang.

Bayerns Integrationsbeauftragter Karl Straub (CSU) bezeichnete Imame als weit mehr als Vorbeter. Sie seien Seelsorger, Berater und wichtige Ansprechpartner für Musliminnen und Muslime. Bevor ein Ausbildungsmodell geschaffen werde, müsse jedoch „die muslimische Community im Gesamten“ eingebunden werden. Nur dann könne eine solche Ausbildung Akzeptanz finden.

Polat Akinci, Vorsitzender des Verbands der Islamischen Kulturzentren Bayern, verwies darauf, dass sein Verband den theologischen Nachwuchs bereits seit den 1980er-Jahren selbst ausbilde. Entscheidend sei weniger ein Studium als die praktische Arbeit vor Ort. „Ein Imam ist kein Beruf, sondern eine Berufung“, sagte er.

Die Hochschulen könnten theologisches Wissen vermitteln, die eigentliche Vorbereitung auf die Tätigkeit müsse jedoch im Gemeindeleben erfolgen.

Theorie und Praxis verbinden

Tarek Badawia von der Universität Erlangen-Nürnberg sprach sich dagegen für eine wissenschaftlich fundierte Qualifizierung aus, die eng mit der Praxis verzahnt wird. Ziel müsse ein „Islam aus der europäischen Binnenperspektive“ sein. Voraussetzung sei allerdings, muslimische Verbände von Beginn an einzubeziehen.

Der Weidener Imam Maher Khedr warb für einen Mittelweg. Neben einem Studienangebot brauche es Fortbildungen für bereits tätige Imame. Diese seien heute nicht nur Prediger, sondern ebenso Seelsorger, Pädagogen, Familienberater und Brückenbauer. Deshalb appellierte er: „Bayern braucht eine Imam-Ausbildung.“

Gönül Yerli von der Islamischen Gemeinde Penzberg schilderte eindrücklich den Arbeitsalltag eines Imams zwischen Religionsunterricht, Trauerbegleitung, interreligiösem Dialog und Behördenkontakten. Eine zeitgemäße Qualifizierung müsse deshalb Wissenschaft und praktische Erfahrung verbinden. „Lassen Sie uns einen Imam made in Bavaria kreieren“, sagte sie zu den Abgeordneten.

Breite Zustimmung im Ausschuss

In der anschließenden Aussprache warb Ausschusschef Peter Tomaschko (CSU) dafür, den eingeschlagenen Dialog fortzusetzen. Gabriele Triebel (Grüne) sprach sich für eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis aus. Martin Brunnhuber (Freie Wähler) hob die Bedeutung von Verfassungstreue und Integration hervor. Katja Weitzel (SPD) thematisierte die Finanzierung einer qualifizierten Ausbildung. Ramona Storm (AfD) lehnte den islamischen Religionsunterricht dagegen ab und forderte stattdessen einen gemeinsamen Ethikunterricht. (David Lohmann)

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