Landtag

Demonstration gegen Mähroboter: Die Geräte können Igel schwer verletzten und auch töten. (Foto: dpa/ABBfoto)

05.02.2026

Bayerns Igel in Gefahr: Streit um Schutz vor Mährobotern

Ein Nachtfahrverbot für Mähroboter soll Bayerns Igel schützen – doch im Landtag droht der Vorstoß an CSU, Freien Wähler und AfD zu scheitern. Die Debatte zeigt, wie umstritten Artenschutz im Alltag ist

Schlechte Nachrichten für Bayerns Igel: Ein von den Grünen gefordertes landesweites Nachtfahrverbot für Mähroboter droht an diesem Donnerstag im Landtag zu scheitern. CSU, Freie Wähler und AfD haben sich in den Ausschussberatungen gegen eine Vorreiterrolle des Freistaats ausgesprochen. SPD und Grüne unterstützen den Vorstoß. In anderen Bundesländern existiert bislang kein vergleichbares landesweites Verbot. Stattdessen gibt es einen Flickenteppich kommunaler Regelungen.

Forderung nach Nachtfahrverbot

Nach dem Gesetzentwurf der Grünen soll der Einsatz von Mährobotern auf nicht wirtschaftlich genutzten Rasen- und Grünflächen zwischen Einbruch der Dämmerung und Sonnenaufgang untersagt werden. Ausnahmen sollen nur dann möglich sein, wenn geeignete Maßnahmen ergriffen werden, „um erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden an den dortigen Wirbeltieren zu verhindern“. Dazu zählen etwa eine Beaufsichtigung des Geräts oder eine funktionierende automatische Igel-Erkennung.

„Das schränkt niemanden spürbar ein, rettet aber unzählige kleine Leben und entlastet unsere Kommunen von Flickenteppich-Regelungen“, sagte die Grünen-Abgeordnete Mia Goller. Es gehe nicht um Artenschutz im engeren juristischen Sinne, sondern um eine Betriebszeitregelung für Gartengeräte.

Umweltminister und CSU lehnen Verbot ab

Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sieht zwar Handlungsbedarf, lehnt ein landesweites Nachtfahrverbot aber ab. „Igel brauchen unseren Schutz. Fakt ist auch: Mähroboter können schlimme Verletzungen bei Igeln verursachen. Da wollen wir gegensteuern. Aber: Wir brauchen keine Symbolpolitik, sondern konkrete Lösungen“, sagte Glauber der Deutschen Presse-Agentur. Entscheidend sei die Sensibilisierung der Gartenbesitzer.

Auch die CSU-Fraktion spricht von „reiner Symbolpolitik“. Ein landesweites Verbot sei rechtlich zweifelhaft, schwer vollziehbar und mit hohem Verwaltungsaufwand verbunden, sagte der umweltpolitische Sprecher Alexander Flierl. Zudem gebe es technische Alternativen.

Bedrohter Bestand

Seit Oktober 2024 gilt der westeuropäische Igel laut internationaler Roter Liste als „potenziell gefährdet“. Die Bestände sind in mehr als der Hälfte der Länder zurückgegangen, darunter auch in Deutschland und besonders in Bayern. Neben Mährobotern stellen auch Laubbläser, fehlende Rückzugsräume und der Straßenverkehr Gefahren dar.

Zwar stehen Igel unter Artenschutz, hohe Bußgelder sind theoretisch möglich, werden in der Praxis jedoch kaum verhängt. „Die automatisierten Mähroboter erzeugen einen permanenten Tötungsdruck für kleine Wildtiere“, sagte Goller.

Forschung, Hersteller und Tierschutz

Studien des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung zeigen, dass Mähroboter ein ernstes Risiko für Igel darstellen. Besonders kleinere Tiere sind gefährdet, da sie sich bei Gefahr einrollen statt zu fliehen.

Der Hersteller Stihl erklärte, man habe das Verletzungsrisiko in der Entwicklung neuer Geräte reduziert. In voreingestellten Mähplänen sei eine Nachtaktivierung nicht vorgesehen, Nutzer würden bei entsprechender Programmierung gewarnt.

Tierschützer fordern dennoch klare Regeln. „Ein Nachtfahrverbot ist eine sehr wirkungsvolle und einfach umzusetzende Maßnahme“, sagte Igelexpertin Martina Gehret vom Bund Naturschutz. Einige Kommunen, darunter Bayreuth, der Landkreis Schwandorf und auch München, hätten bereits entsprechende Verordnungen erlassen.“ (dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll die Tabaksteuer erhöht werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

BR Player
Bayerischer Landtag
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.