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Allein im Jahr 2019 sind bei der Münchner S-Bahn über 4000 Züge ausgefallen. Grund sind die veralteten Stellwerke. Foto: dpa/Peter Kneffel

01.04.2021

München: Elf Zugausfälle pro Tag, Abhilfe erst 2040

Von 2011 bis 2019 ist die Zahl der Fahrgäste im S-Bahn-Netz München um rund 17 Prozent auf im Schnitt 821.500 Personen gestiegen. Die Digitalisierung der Stellwerktechnik dauert dennoch noch bis bis zu zwei Jahrzehnten

Von 2011 bis 2019 ist die Zahl der Fahrgäste im S-Bahn-Netz München um rund 17 Prozent auf im Schnitt 821.500 Personen gestiegen. An einzelnen Tagen wurden vor Corona sogar bis zu 840 000 Fahrgäste gezählt. Viele von ihnen dürften sich jedoch in der Vergangenheit über Zugausfälle geärgert haben – darunter auch Markus Rinderspacher (SPD). Das Problem sind die Stellwerke. Sie regeln die zugehörigen Weichen, Signale und Bahnübergänge. Fallen sie aus, fällt auch der komplette S-Bahn- und Regionalverkehr für Stunden aus. Selbst danach kommt es oft den ganzen Tag zu Verspätungen von bis zu 30 Minuten. Der Abgeordnete wollte daher von der Staatsregierung wissen, wie viele Stellwerkstörungen es gab und wann das Problem behoben sein wird.

Wie viele Stellwerksstörungen es für die S-Bahn München gab, kann die Deutsche Bahn laut bayerischem Verkehrsministerium nicht sagen. Im groben Durchschnitt dürfte es 2019 pro Woche rund vier bis fünf kundenwirksame Störungen in Stellwerken gegeben haben, die an der Steuerung des S-Bahn-Netzes München beteiligt sind. Das führt zu Zugausfällen. Alleine im Jahr 2019 sind deswegen 4002 Züge ausgefallen – das sind elf Züge am Tag. 2018 sind es sogar 5371 Züge gewesen. 

Behebung einer Störung dauert im Schnitt ein bis zwei Stunden

Die Behebung einer durchschnittlichen Stellwerkstörung dauert laut dem Haus von Verkehrsministerin Kerstin Schreyer ein bis zwei Stunden. Die häufigsten Ursachen seien Signalstörungen, schadhafte Kabelverbindungen – besonders bei schlechter Witterung –, Tierverbiss und defekte Gleiskontakte. Im Großraum München seien aber etwa 130 Mitarbeiter*innen für die Instandhaltung der Leit- und Sicherungstechnik verantwortlich. Doch diese arbeiten generell für die Bahn, nicht nur speziell für die Münchner S-Bahn.

Wenig überraschend: Grundsätzlich sind laut Staatsregierung ältere Stellwerke störanfälliger als neue. Eine Übersicht, wann sie jeweils in Betrieb gegangen sind, liegt weder Bahn noch Ministerium vor. Gleiches gilt für die Frage nach der Modernisierung von Stellwerken. Das älteste im Bereich der S-Bahn München dürfte das Stellwerk am Pasinger Betriebsbahnhof sein, es ist von 1925. Das neuste ist 2020 am Stellwerk Steinhausen in Betrieb gegangen – und elektronisch. In den „kommenden Jahren“ soll auch das am Münchner Ostbahnhof elektrisch werden. 

Mit einer schnellen Digitalisierung der Stellwerktechnik ist dennoch nicht zu rechnen. Diese soll laut Staatsregierung erst bis „circa Mitte/Ende der 2030er-Jahre“ abgeschlossen sein, also in 15 bis 20 Jahren. Rinderspacher dauert das viel zu lang: „Es braucht mehr Investitionen, mehr Tempo und mehr Gründlichkeit. Die überschaubare Modernisierungsgeschwindigkeit wird den Problemen bei aktuell fast 21 Millionen zu leistenden Zugkilometern im Jahr nicht gerecht.“ Allerdings ist auch dann nicht gesagt, ob die S-Bahnen in München pünktlich kommen. Stellwerkprobleme machen laut der Bahn nur zehn bis 15 Prozent der Verspätungen aus. (David Lohmann)
 

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