Landtag

Gerhard Hopp auf dem Grenzberg Osser im Bayerischen Wald. (Foto: privat)

11.09.2020

Der Grenzgänger

Im Porträt: Der CSU-Abgeordnete Gerhard Hopp, Vorsitzender der Jungen Gruppe seiner Fraktion

Schaute er als kleiner Bub aus dem Wohnzimmerfenster, dann sah er immer auch die Nato-Überwachungstürme, die dort in Sichtweite standen. Gerhard Hopp wuchs an der Grenze zur damaligen Tschechoslowakei auf, in Windischbergerdorf bei Cham. „Als Kind endete für mich die Welt dort am Eisernen Vorhang“, erinnert sich der 39-jährige CSU-Abgeordnete. Vor allem ein Erlebnis lässt den Oberpfälzer bis heute nicht los: Als er als Achtjähriger mit seinem Vater wandern ging, fuchtelten plötzlich zwei tschechische Grenzsoldaten mit Maschinengewehren vor ihnen herum. Vater und Sohn hatten sich ins Niemandsland zwischen den Grenzen verirrt.

Für Hopp waren diese Kindheitserlebnisse prägend, sie haben sein Interesse für Geschichte und Politik geweckt. Und für Tschechien. Auch deshalb studierte er später Politikwissenschaft, Amerikanistik und Geschichte und sattelte den Masterstudiengang Ost-West-Studien noch obendrauf. Parallel machte Hopp das Bohemicum, eine Art Crashkurs in tschechischer Sprache und Kultur, dazu war er eine längere Zeit in Prag und Brünn. Sein Tschechisch sei zwar noch immer ausbaufähig, sagt Hopp. „Zum Verstehen aber reicht’s – und um Gäste aus Tschechien mit drei, vier Sätzen begrüßen zu können.“

Eines seiner Kernanliegen: ein besserer Kontakt zu Tschechien

Gelegenheit, seine Sprachkenntnisse zu testen, hat Hopp auch heute noch oft genug. Schließlich gehört die Stärkung der bayerisch-tschechischen Beziehungen zu seinen politischen Schwerpunkten. Auch im Landtag setzt er sich regelmäßig für eine bessere Zusammenarbeit mit dem Nachbarland ein. Als Vorsitzender der Jungen Gruppe, einem Zusammenschluss der jüngeren CSU-Abgeordneten, zum Beispiel. Das Gremium hat 2019 ein Vorschlagsbündel vorgelegt, forderte etwa die Einrichtung einer bayerisch-tschechischen Online-Informationsplattform oder die Gründung eines parlamentarischen Freundeskreises. Und Hopp initiiert immer wieder Reisen nach Prag. Mit der Fraktion war er 2017 dort. Und 2019 mit dem Landtagspräsidium, dem Hopp als Schriftführer angehört. Außerdem ist er Mitglied im Haushaltsausschuss.

Hopp sitzt seit 2013 im Landtag. Von langer Hand geplant war das nicht. Hopp, der nie ein kommunalpolitisches Amt bekleidete, wollte 2013 eigentlich beruflich ganz neu durchstarten – beim Luftfahrtkonzern EADS in Ottobrunn. Knapp drei Jahre arbeitete er bis dahin als Büroleiter des Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier (CSU) und des früheren bayerischen Sozialstaatssekretärs Markus Sackmann. Doch kurz nachdem Hopp den neuen Job bei EADS angetreten hatte, erklärte Sackmann, der 23 Jahre für den Stimmkreis Cham im Landtag saß, aufgrund seiner Krebserkrankung nicht mehr für das Direktmandat zu kandidieren. Äußerst kurzfristig musste ein neuer Kandidat her. Hopp griff zu und setzte sich gegen zwei Gegenkandidaten durch.

Hopps großer Vorteil damals: Er wusste durch die Arbeit für Sackmann, welche Themen wichtig waren. Und Sackmann stand ihm immer zur Seite. „Er war ein Freund“, sagt Hopp. Auch an seinem ersten Tag im Landtag war Sackmann da. „Er hat sich ehrlich für mich gefreut“, erzählt Hopp. „Und gesagt: ,Am schönsten wäre es, wir könnten das zusammen machen.‘“ Sackmann wurde 2014 Ehrenamtsbotschafter der Staatsregierung, 2015 verstarb er. „Das sind immer noch Riesenfußstapfen für mich“, gesteht Hopp. „Und das wird auch so bleiben.“

Bodenständig, aufrichtig, engagiert – im Landtag kommt Hopps Art nicht nur bei Fraktionskollegen gut an. Ein kluger Kopf sei Hopp, der die Sache immer über parteipolitische Belange stellt, sagt zum Beispiel ein SPDler. Und wenn man mit ihm spreche, dann immer auch mit dem Menschen, erklärt einer von den Freien Wählern. Und fügt an: „Ich meine darin auch eine Menschlichkeit zu sehen, die Gerhard im Erbe Markus Sackmanns fortführt.“

Bekannt ist Hopp aber auch für seinen – manchmal etwas schrägen – Wortwitz, er scheut keine Pointe. Bei einer Anfrage zur Abstandspflicht bei Hochzeiten in der Corona-Krise erklärte er zum Beispiel: „Die Anstandspflicht endet für das Paar in der Hochzeitsnacht und geht unmittelbar in eine Abstandspflicht für Schwiegermütter über.“ Hopp gesteht lachend: „Kam so lala an.“ Tatsächlich hält er zur eigenen Schwiegermutter wenig Abstand. Der zweifache Familienvater wohnt mit seiner Frau und deren Eltern in einem Mehrgenerationenhaus in Perwolfing, einem 150-Seelen-Dorf in der Nähe von Cham.

Nächstes Jahr erscheint sein Krimi, er spielt im Landtag

Hopp kam mit 22 Jahren über Freunde zur Jungen Union und gründete den JU-Ortsverein Windischbergerdorf. Außerdem arbeitete er als studentischer wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Bundestagsabgeordneten Klaus Hofbauer (CSU). Und er gründete bereits als Student ein eigenes Unternehmen für Politikberatung. Da ging es vor allem um Online-Kommunikation, etwa die Erstellung einer Homepage. „Damals war vieles, was heute selbstverständlich ist, noch weiter weg“, so Hopp. „Internet-Auftritt und Social Media unterschätzen manche aber immer noch.“

Weit mehr als um die Polit-Kollegen sorgt sich Hopp bei diesem Thema allerdings um Kinder und Jugendliche. Als Medienrat der für den Privatfunk zuständigen Bayerischen Landeszentrale für neue Medien setzt er sich für die Förderung von Medienkompetenz ein – sein zweites politisches Steckenpferd neben Tschechien. Und auch als Vorsitzender des Bayerischen Bibliothekenverbands hat er besonders die Jugend im Blick. Zum Beispiel bei der neuen Aktion „Lesungen aus verbrannten Büchern“, in der man mit Jugendlichen in die Diskussion über Nationalsozialismus und Demokratiefeindlichkeit kommen will.

Hopp schreibt aber auch selbst – das ist sogar sein größtes Hobby. Bereits als Schüler und Student war er freier Mitarbeiter einer Regionalzeitung. Es folgten einige wissenschaftliche Publikationen. Ende September erscheint sein neues Buch: der von ihm herausgegebene Sammelband Christlich-Soziale Union. Politisches Kapital und zentrale Herausforderungen der CSU im 21. Jahrhundert. Und dann hat Hopp da noch etwas ganz Neues in der Pipeline: einen Krimi, der im nächsten Jahr herauskommen soll. Er spielt im Maximilianeum am Tag des Sommerempfangs der Landtagspräsidentin auf Schloss Schleißheim. Neben Geiselnahmen und Bombenanschlägen bietet Hopp seinen Lesern auch einen Einblick in den Landtagsalltag. Er verspricht: „Danach weiß man, wie es bei uns abläuft.“
(Angelika Kahl)

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