Landtag

Thomas Kreuzer (59) sitzt seit 1994 im Landtag. (Foto: dpa/Sven Hoppe)

22.03.2019

Der Hardliner

Im Porträt: Thomas Kreuzer, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion

Im Fasching kostümierte sich Thomas Kreuzer heuer als Meister Eder. Der Schreinermeister aus der kultigen Fernsehserie muss mit der gebotenen Strenge vor allem dafür sorgen, dass ihm Kobold Pumuckl nicht auf der Nase rumtanzt. Was nicht bedeutet, dass der Meister Eder kein Herz hat.

Streng sein: Dafür muss sich Kreuzer, Vorsitzender der Landtags-CSU, nicht groß verbiegen. Wer den 59-Jährigen Allgäuer am Rednerpult des Landtags erlebt, erkennt sofort: Für Fisimatenten jeglicher Art hat er nichts übrig. Blöd kommen sollte man ihm besser nicht. Vor allem dann nicht, wenn man der Opposition angehört.

Kreuzer zählt zu den Rednern im Landtag, die allein schon kraft ihrer Stimmgewalt Eindruck machen. Neben seinem tiefen Bass verfügt der frühere Richter über eine äußerst direkte Art; mit diplomatischen Floskeln hantiert er nur ungern. Der Vorteil: Man weiß bei ihm immer, woran man ist. Der Nachteil: In wenigen scharf formulierten Sätzen kann er sein Gegenüber ziemlich alt aussehen lassen. Die Opposition treibt der CSU-Mann auf diese Weise regelmäßig zur Weißglut.

"Man darf bei ihm keine Schwäche zeigen"

Der frühere Grünen-Abgeordnete Sepp Dürr, der dem Landtag fast zwanzig Jahre angehörte und mit Kreuzer im Landesbank-Untersuchungsausschuss saß, beschreibt Kreuzer als Hardliner – und als „Kreuzritter der CSU“. Zusammengearbeitet hätten beide dennoch gut, entsinnt sich Dürr. „Man darf halt keine Schwäche zeigen und muss ihm klarmachen, dass seine Einschüchterungen nichts nützen“, so Dürr.

Ähnliches ist aus der SPD zu hören: Kreuzer könne „schroff“ sein – und habe das alte CSU-Motto „mir san die mehrern, mir san die schwerern“ quasi mit der Muttermilch aufgesogen. „Man muss ihm erst mal selbstbewusst ein paar genau so schroffe, patzige Ansagen an den Kopf werfen und ihm zeigen, dass man sich ihm keinen Millimeter unterordnet“, sagt ein SPD-Mann. Ab dann könne man mit Kreuzer Lösungen in Sach- und Verfahrensfragen finden. Kreuzer selbst betont, ihm sei an fairer Auseinandersetzung gelegen. Er sagt aber auch: „Regierungsverantwortung heißt Führungsverantwortung, und das heißt entscheiden.“

Kreuzers natürliche Feinde sind die Grünen. Weshalb ihm die Spekulationen über Schwarz-Grün im Vorfeld der Landtagswahl vom Oktober gewaltig auf den Geist gingen. Da passe hinten und vorn nichts zusammen, erklärte er ein ums andere Mal – man habe bei zahlreichen Themen „fundamental andere Auffassungen“.

Umso erleichterter war Kreuzer, als es dann auf eine Koalition mit den Freien Wählern rauslief. Man liege weltanschaulich nah beieinander, betont er. Die Zusammenarbeit laufe störungsfrei. „So richtig großen Ärger hat’s bisher noch nicht gegeben.“ Mit seinem Pendant Florian Streibl, dem Fraktionschef der FW, klappt die Zusammenarbeit offenbar gut. Beide schwärmen von ihrem prima Verhältnis. „Ich kenne ihn seit zehn Jahren“, berichtet Jurist Streibl: „Er ist ein alter Richter, ich bin ein alter Advokat – und Advokaten wissen, wie man mit Richtern umgeht.“

Seehofers Eskapaden nervten ihn gewaltig - dennoch schwieg er

Mal sehen, wie gut das funktioniert, wenn in diesem Jahr der erste große Konflikt droht: Beim Thema Stromtrassen sind CSU und FW weit voneinander entfernt. Die FW lehnen die Trassen ab, wünschen sich statt dessen mehr Gas- und mehr Wasserkraft.

Die Koalition der CSU mit der FDP in der vorletzten Legislatur erlebte Kreuzer als Leiter der Staatskanzlei. „Schwierig“ sei das gewesen, stöhnt er im Rückblick. Zu weit lagen die beiden Parteien auseinander, vor allem im Bereich innere Sicherheit. Kreuzer gilt hier als Law-and-Order-Mann. Früh hat er sich etwa in der Flüchtlingspolitik gegen Angela Merkel positioniert, deren „wir schaffen das“-Maxime er für unerträgliches Laissez-faire hielt.

Im Landtag sitzt der Vater eines Sohnes seit 1994. Seinen ersten herausragenden Posten erhielt er im Jahr 2003; damals avancierte er zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden – Chef war damals Alois Glück. Gleichwohl verbindet die beiden wenig. Während Glück eher auf Ausgleich bedacht war und neue Vorhaben gern breit diskutierte, ist Kreuzer darauf fixiert, eine Sache durchzuziehen – lange Gesprächsrunden sind seine Sache nicht. Der ehemalige Richter fungierte außerdem als Parlamentarischer Geschäftsführer und leitete zwei Untersuchungsausschüsse im Landtag.

In der CSU-Landtagsfraktion schätzt man ihn als verhandlungssicheren, kompetenten Juristen, er gilt zudem als äußerst verlässlich. Manche indes bedauern, dass Kreuzer eher an einem engen Schulterschluss mit der Staatsregierung gelegen ist als daran, die Fraktion als eigenständige Kraft zu etablieren, die der Regierung auch mal eigene Vorschläge entgegensetzt. Zu Kreuzers Stärken, sagt ein erfahrener CSU-Mann, zähle vor allem „der operative Vollzug der Landespolitik“.

Seine Hobbies: kochen und romantische Filme gucken

Möglicherweise liegt das auch daran, dass Kreuzer zeitweise selbst Regierungsmitglied war. Ins Kabinett kam er im Jahr 2011, zunächst als Staatssekretär im Kultusressort. Er blieb nur wenige Monate in diesem Amt, wechselte noch im selben Jahr in die Staatskanzlei, deren Leiter er wurde – unter Ministerpräsident Horst Seehofer. Er blieb zwei Jahre, übernahm dann den Posten des Fraktionsvorsitzenden, den er seitdem innehat.

Als Leiter der Staatskanzlei arbeitete Kreuzer eng mit Seehofer zusammen. Das änderte allerdings nichts daran, dass er als Fraktionschef regelmäßig genervt war von Seehofers Eskapaden. Der hielt bekanntlich nicht allzu viel davon, die Fraktion vorab in seine Vorhaben einzuweihen – die er nicht selten spontan beschloss, dann erst mal den Journalisten und zum Schluss der Landtags-CSU kundtat. Kreuzer kochte innerlich, vermied es aber, Seehofer vor der Fraktion zurechtzuweisen. Früh schlug sich Kreuzer auf die Seite von Markus Söder, was beiden genutzt hat. Ihr Verhältnis gilt als gut.

Als Fraktionschef muss Kreuzer mit dem Manko leben, nicht übermäßig bekannt zu sein: Wohltaten der Regierung verkündet diese selbst, Fraktion samt Chef führen ein mediales Schattendasein. Darüber, beteuert Kreuzer, sei er aber „nicht betrübt“. Er sieht sich als politischen Allrounder und schätzt es, sich mit allen Themen befassen zu dürfen. Was auch bedeutet: Er muss sich in alle Themen einarbeiten. Zum Beispiel auch in die Umwelt- und Agrarpolitik, die derzeit wegen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ im Fokus steht. Tatsächlich muss man sich warm anziehen, um Kreuzer hier Paroli zu bieten – der Allgäuer kennt sich auch mit landwirtschaftlichen Detailfragen aus.

Entspannung nach langen Arbeitstagen findet der mit CSU-Frau Mechthilde Wittmann liierte Kreuzer beim Golfspielen, Kochen – und Fernsehen. Wobei er statt spannender Krimis lieber romantische Filme guckt, wie er verrät – „was fürs Herz“. Da ist er wieder – der strenge Meister Eder, der zwischendrin auch reizend sein kann, liebenswürdig und milde. Nur halt nicht so oft, wie andere sich das wünschen. (Waltraud Taschner)

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