Landtag

Der 48-Jährige aus Wolnzach im Landkreis Pfaffenhofen hält sich mit einem intensiven Sportprogramm fit. (Foto: Alfred Raths)

12.06.2020

Der Kämpfer

Im Porträt: der CSU-Abgeordnete Karl Straub

Für manchen Politiker wird erst die Krise der eigenen Partei zur politischen Chance. So auch für den oberbayerischen CSU-Abgeordneten Karl Straub (48) aus Wolnzach im Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm. Bei der Landtagswahl im Herbst 2008 hatte die CSU massiv gegenüber der noch fünf Jahre zuvor erreichten Zwei-drittelmehrheit im Landtag verloren, landete bei nur knapp über 40 Prozent der Stimmen. Viele langjährige Abgeordnete schafften es damals nicht mehr in den Landtag. Im Kreis Pfaffenhofen war es für die CSU zudem bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2008 ziemlich schlecht gelaufen. Die örtliche CSU lastete beides auch der damaligen CSU-Abgeordneten und Kreisvorsitzenden Erika Görlitz an.

Was wohl auch der Hauptgrund dafür war, dass Görlitz 2009 nicht mehr als Kreisvorsitzende kandidierte – die Nachfolge musste geregelt werden. Bei der Suche nach einer Kandidatin oder einem Kandidaten meldete sich – anders als in solchen Fällen üblich – niemand aus der kommunalen Ebene, der sonst dafür prädestiniert gewesen wäre: also erfahrene Bürgermeister*innen oder Fraktionsvorsitzende aus dem Kreistag. Die Wahl fiel schließlich auf den politisch eher unerfahrenen Karl Straub. Der damals 37-Jährige saß zu dieser Zeit gerade mal seit einem halben Jahr im Marktgemeinderat seines Heimatorts Wolnzach. Straub erinnert sich: „Ich war weder Mitglied der Schüler Union noch der Jungen Union. Zwar habe ich immer CSU gewählt, aber das war es dann auch.“

Erst mit 33 Jahren Eintritt in die CSU

In der CSU ist er seit 2004. Nach dem Abitur absolvierte Straub zunächst eine Lehre zum Bankkaufmann, anschließend zum Kfz-Mechaniker, danach studierte er Betriebswirtschaftslehre. Das alles als Vorbereitung darauf, das elterliche Autohaus zu übernehmen; der Vater war in Wolnzach Vertragshändler für Opel. War das auch der Jugendtraum? Straub lächelt ein wenig wehmütig: „Danach wurde gar nicht gefragt, das stand einfach fest, dass der Bub das macht.“

Der Job als Kreischef wurde fordernd für Karl Straub, immerhin lief das parallel zur Geschäftsführung des Familienbetriebs. „Ich hatte anfangs geglaubt, dass man Politik so als eine Art Hobby machen könnte,“ bekennt er. Doch Ende 2009 galt es, eine Bundestagswahl zu organisieren, im Frühjahr 2011 dann die vorgezogene Landratswahl. Bei der die CSU das drei Jahre zuvor an die Freien Wähler verlorene Amt wieder zurückeroberte. „Es hat Spaß gemacht und war auch ein schöner politischer Erfolg, aber danach war ich platt, beides zusammen ging nicht länger und ich musste den Kreisvorsitz wieder abgeben, die Firma ging einfach vor“, erinnert er sich.

Zwei Jahre später, er hatte sich für das Autohaus inzwischen Unterstützung geholt, trug ihm ein Teil der Parteifreunde die Direktkandidatur für den Landtag an. Gegen einen Mitbewerber konnte er sich durchsetzen, und im Herbst 2013 zog Karl Straub ins Maximilianeum ein. Zwei Jahre später übernahm er dann auch wieder den Kreisvorsitz – und hat ihn bis heute inne –, ebenso gehört er dem Kreistag an. Abgeordneter sein ohne Anbindung in der Kommunalpolitik: Das könne er sich nicht vorstellen, sagt Straub.

Im Landtag sitzt Straub im Petitions- und im Rechtsausschuss. Für einen gestandenen Unternehmer und Chef von knapp 60 Mitarbeiter*innen hätte sich eher der Wirtschaftsausschuss angeboten – „aber da wollen natürlich viele Kollegen rein, mir war klar, dass ich mich als Neuer erst mal hinten anstellen muss“, berichtet Straub. Das klingt bescheiden.

Und so schildern ihn auch Kolleg*innen: Straub dränge sich nicht vor, versuche nicht, medial zu glänzen, sagt eine CSU-Landtagsabgeordnete. „Das ist der Typ, der spielt, wo der Trainer ihn hinstellt.“ Vor allem die Arbeit im Petitionsausschuss fesselt, sagt Straub. Wobei ihm die Eingaben abgelehnter Asylbewerber häufig nahe gehen.

Er wirbt darum, die Flüchtlingsdebatte zu versachlichen. Vor seiner Ausschusstätigkeit habe er bei dem Thema in der Öffentlichkeit „nur eine Schwarz- oder Weiß-Sicht wahrgenommen“, beschreibt Karl Straub seine Erfahrungen: also entweder knallhart abschieben oder großzügig im Land dulden. „Aber der Sachverhalt ist wahnsinnig differenziert, man kann da wirklich nur das Einzelschicksal betrachten. Hinter jedem steht ein Mensch. Und keiner verlässt seine Heimat freiwillig. Da ist dann jemand fünf Jahre im Lande, gut integriert, arbeitet, hält sich an die Gesetze – und erfährt dann von jetzt auf gleich, dass er das Land verlassen soll.“

Kickboxen half ihm aus einer persönlichen Krise

Unvergessen in der lokalen Politszene ist sein gemeinsamer Auftritt mit der Parteifreundin und früheren Integrationsbeauftragten Mechthilde Wittmann vor einem Saal voller wütender Flüchtlingshelfer*innen, die sich für ihre Schützlinge einen dauerhaften Verbleib in Deutschland wünschten. Er bearbeite das Thema weiterhin, versuche jedem Petenten gerecht zu werden, sei aber inzwischen eher „desillusioniert“, wie er zugibt.

Dazu beigetragen habe auch der Widerspruch zwischen medialer Veröffentlichung und Wirklichkeit beim Thema Geflüchtete. „Im Fernsehen hat man uns hauptsächlich Familien mit kleinen Kindern gezeigt, natürlich waren die Menschen da gern bereit zu helfen – und dann musste ich zu den Bürgern fahren und ihnen erklären, dass aber hauptsächlich alleinstehende junge Männer kommen. Seitdem glaube ich nur noch, was ich persönlich gesehen habe.“

Um abzuschalten, treibt er Sport. Gern auch im Fitnessstudio des Landtags. „Deshalb freue ich mich auch, dass die Studios jetzt wieder öffnen dürfen. Deren Anliegen zu vertreten war mein persönlicher Schwerpunkt in der Corona-Krise“, sagt Straub, dem man sein intensives Sportpensum ansieht. Neben Joggen praktiziert er noch Kickboxen.

Beruflich musste Karl Straub Ende 2018 eine persönliche Katastrophe verkraften. Für sein Autohaus musste er Konkurs anmelden, es hatte sich eine riesige Summe (den genauen Betrag mag Straub nicht nennen) an Steuerschulden aufgestaut. „Nackte Existenzangst und schlaflose Nächte“ hätten ihn damals verfolgt. Die Angelegenheit ist noch immer nicht gänzlich ausgestanden. „Irgendwann kam dann der Moment, wo man überlegt, ob es nicht das Einfachste wäre, vor den Zug zu springen“, gesteht er.

Gerettet habe ihn unter anderem der Sport, sagt der Abgeordnete. Er sei für einen Kickboxkampf zu einem karitativen Zweck angefragt worden – „und dafür musste ich eisern trainieren, wenn ich eine Chance haben wollte“. Den Fight hat er dann zwar doch verloren. Aber der Lebensmut war zurück. (André Paul)

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Kommentare (1)

  1. Zitrone am 12.06.2020
    Respekt und herzlichen Dank für den Einsatz.

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