Landtag

Christoph Skutella (Foto: privat).

19.02.2021

Der Musiker

Im Porträt: der FDP-Abgeordnete Christoph Skutella

In Christoph Skutellas Landtagsbüro lässt nur wenig auf seine große Leidenschaft schließen. Überall stapeln sich Akten, Briefe und Unterlagen, es schaut nach Arbeit aus, viel Arbeit. Einzig ein etwas unscheinbarer Kalender an der Wand fällt aus dem Rahmen. Ihn zieren Konzertfotos bekannter klassischer Musiker. Dass der Kalender dem Liberalen etwas bedeutet, lässt sich daraus schließen, dass er noch aus dem Vorjahr stammt. Skutella ist Musiker durch und durch. Sogar als Abgeordneter hält sich der 35-Jährige den Montagnachmittag frei, um seine sechs verbliebenen Geigen-Schüler zu unterrichten. Notgedrungen online in diesen Zeiten. Er brauche das neben der Politik zur Erdung, sagt er.

Musiker in der dritten Generation

Skutella ist Musiker in der dritten Generation. Der Opa hat einst in der Bergwerksregion Schlesiens ein Grubenorchester geleitet, seine Eltern gründeten vor bald 40 Jahren in Weiden in der Oberpfalz eine Musikschule, als sie nach einer Konzertreise nicht mehr ins kommunistische Polen zurückgekehrt und im Westen geblieben waren. Skutella selbst spielt Geige, auch mal Gitarre. An der Uni Regensburg studierte er Musikwissenschaften. Vor seiner Wahl in den Landtag war er als freiberuflicher Musiklehrer tätig. Daneben hatte er Auftritte mit einer kleinen Band oder im Duo mit einem Pianisten. Am liebsten spielte er aber im Orchester. Bach-Passionen, Oratorien – solche Sachen.

Privat hört Skutella Musik querbeet. „Für mich sind nicht die Genres wichtig, sondern die Emotionen, die mit der Musik verbunden sind“, sagt er. Auch sonst ist er kulturbeflissen. Er engagiert sich für die nordoberpfälzische Regionalbibliothek und im Weidener Kammermusikverein, der auch schon Künstler von Weltrang in die Stadt holte. „Ich könnte mir ein Leben ohne Kultur in allen Facetten gar nicht vorstellen“, schwelgt er. Deshalb leidet er besonders an der Schließung des Kulturbetriebs wegen Corona. „Hoffentlich können wir das alles bald wieder genießen“, versucht er sich in Optimismus.

Bei all der Kulturbegeisterung verwundert es, dass Skutella innerhalb der FDP-Landtagsfraktion für Umwelt und Landwirtschaft verantwortlich ist. Zumindest die Umweltthemen waren ihm nicht völlig fremd. Denn von 2009 bis 2013 war er Mitarbeiter im Wahlkreisbüro des damaligen FDP-Bundestagsabgeordneten und Umweltpolitikers Horst Meierhofer. Zur Landwirtschaft kam er dagegen unverhofft. Skutella sieht die Kombination jedoch als Glücksfall: Umwelt- und Agrarpolitik seien nur schwer voneinander zu trennen und sollten Hand in Hand gemacht werden, findet er.

Den Stand bei den Bauern hat sich der Feingeist Skutella erst erarbeiten müssen. „Die verschiedenen Düngetechniken hat man als Musiker nun mal nicht so drauf“, räumt er ein. Geholfen hätten ihm sein Lerneifer und einer seiner besten Freunde – ein Landwirt. Inzwischen aber spürt er die Akzeptanz vieler Landwirte, was sich in einer steigenden Zahl an Zuschriften äußert. „Die meisten merken schnell, dass ich nicht zu ihnen komme, um ein schönes Foto zu machen, sondern dass ich tatsächlich an den Themen und Problemen interessiert bin“, schildert Skutella.

Den Weg in die Politik fand Skutella schon mit 16. Da trat er bei den Jungen Liberalen ein. Bei ihnen fühlte er sich mit der Geschichte seiner Eltern verstanden, die nach der Flucht in Weiden bei null anfangen und sich die Selbstständigkeit neu hatten aufbauen müssen. Zudem waren die prägenden Erzählungen aus dem kommunistischen Polen präsent. Skutella garniert den Parteieintritt mit einem Schuss Pathos: „Da ist mir der Wert der Freiheit bewusst geworden, die ich hier genießen darf.“ Und letztlich war da noch die Begeisterung für den damaligen FDP-Bundes-chef Guido Westerwelle – ein etwas anderer Politikertyp, der polarisierte, aber für Skutella eben auch die ihm wichtigen Bürgerrechtsthemen ansprach.

Ein Streithansel ist er nicht, er sucht den Kompromiss

Auf der parteiinternen Karriereleiter ging es für Skutella rasch nach oben. Er war Vorsitzender der Jungen Liberalen in der Oberpfalz und bis vor Kurzem Bezirksvize der FDP. Diesen Job gab er aus Zeitgründen auf. Dafür ist er Weidener FDP-Kreischef – in dieser Funktion kandidierte er 2020 für das Oberbürgermeisteramt und holte dabei sieben Prozent der Stimmen. Immerhin mehr als die Kandidatin der Grünen. Skutella fungiert auch als Fraktionschef im Stadtrat einer Listenverbindung aus FDP und Freien Wählern. Die beiden kleinen Gruppierungen taten sich zusammen, weil es jeweils alleine nicht zum Fraktionsstatus gereicht hätte. Auf die Frage, wie das so funktioniert mit der landespolitischen Konkurrenz der FW, antwortet Skutella pragmatisch. Man habe in der Stadtratsfraktion vereinbart, strittige Themen auszusparen. Insgesamt sei man aber gerade bei kommunalen Fragen nicht so weit auseinander.

Der Streit um des Streites willen ist ohnehin nicht Skutellas Ding. Es gibt in seiner Fraktion Kolleg*innen mit schärferer Zunge. „Manche Diskussionen im Landtag erinnern mich an den Geigenunterricht mit pubertierenden Kindern, die in der Trotzphase sind“, urteilt er mit einem Schmunzeln. Er sei eher der Kompromisstyp, weshalb er sich darüber freut, als Vertreter der kleinsten Fraktion im Landtag schon eigene Anträge durchgebracht zu haben. Dass es mit dem Abgeordnetendasein bald vorbei sein könnte, ist ihm bewusst: „Ich weiß um die Lage der FDP in Bayern und dass der Wiedereinzug in den Landtag kein Selbstläufer ist.“ Sollte es trotz aller Mühen nicht funktionieren, wäre das natürlich schade, sagt Skutella. „Aber wenn es nicht klappt, dann mache ich halt so weiter wie vor 2018.“

In seiner Freizeit hat Skutella mit dem Laufen angefangen, motiviert von seinem Fraktionskollegen Alexander Muthmann. Ansonsten liest er und geht in der Oberpfälzer Natur wandern. Sobald es wieder geht, will er außerdem ins Konzert und in die Oper. Mit seiner Frau geht Skutella gern mit dem eigenen Wohnmobil auf Reisen. Weil ihn eine Sonnenallergie plagt und es für ihn bei Temperaturen über 25 Grad ungemütlich wird, zieht es ihn eher nach Skandinavien oder ins Baltikum. Ganz ohne Italien geht es aber auch nicht – der Musik wegen.

Und dann gibt es für ihn als „brennenden Europäer“ noch ein Interesse für die Außenpolitik. Da vermisst Skutella mehr bayerische Initiativen. Besonders engagiert er sich für die Beziehungen zu Taiwan. Die Insel im Chinesischen Meer hatte Skutella 2019 besucht und dabei viele Kontakte geknüpft, die bis heute über die sozialen Netzwerke und die taiwanesische Vertretung in München halten. Ihn fasziniert der große Freiheitsdrang der Taiwanesen, allen Repressalien durch den „großen Bruder China“ zum Trotz. Das mit der Freiheit scheint bei Skutella tatsächlich in den Genen zu stecken. 
(Jürgen Umlauft)

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