Landtag

Alex Dorow, hier beim Landtagsempfang im Schloss Schleißheim. (Foto: dpa/Hörhager)

14.02.2020

Der Quereinsteiger

Im Porträt: der CSU-Landtagsabgeordnete Alex Dorow

Zufälle haben eine große Rolle gespielt im Leben von Alex Dorow. Dass er mal Landtagsabgeordneter sein würde, war nicht Teil seiner Lebensplanung. Ebenso wenig hatte er einst das Ziel verfolgt, TV-Moderator zu werden. Tatsächlich avancierte der heute 55-jährige Oberbayer in den 1990er-Jahren zu einem der bekanntesten Gesichter des Bayerischen Rundfunks. Seit 2012 sitzt er im Landtag.

Dort zählt Dorow zum sehr überschaubaren Kreis der CSU-Parlamentarier, die nicht den mühseligen Weg durch die Parteigremien nehmen mussten, um einen Sitz im Landtag zu ergattern. Das lag an seinem Vorgänger Thomas Goppel. Der frühere Kultusminister und langjährige Landtagsabgeordnete, der wie Dorow in Landsberg am Lech wohnt, hatte diesen im Vorfeld der Landtagswahl 2008 gefragt, ob er kandidieren wolle. „Goppel hat sich einen Quereinsteiger gewünscht“, erinnert sich Dorow. Er erbat sich etwas Bedenkzeit, besprach sich mit seiner Frau, auch sie Journalistin, – und sagte zu.

Bei den CSU-Wählern kam Dorow offenbar gut an, bei der Wahl 2008 wurde er von Listenplatz 23 auf Platz 4 vorgewählt. Gereicht für einen Einzug in den Landtag hat das trotzdem nicht – nur die ersten drei Listenkandidaten aus Oberbayern schafften den Sprung ins Maximilianeum. Das waren: Monika Hohlmeier, Siegfried Schneider und Georg Fahrenschon.

Dass er BR-Moderator wurde - Zufall

Und wieder kam Dorow der Zufall zu Hilfe. Alle drei verließen den Landtag: Hohlmeier zog ins Europaparlament ein, Schneider wurde Präsident der Landeszentrale für neue Medien, Fahrenschon Sparkassenpräsident. So konnte Dorow im Jahr 2012 in den Landtag nachrücken. Die Landtagswahl 2013 verlief komfortabler für ihn; Thomas Goppel trat nicht mehr an, Dorow setzte sich bei der Kür des Direktkandidaten durch und wurde gewählt. Dass ihm seine Popularität als TV-Journalist geholfen hat, leugnet Dorow nicht. „Sogar im Italienurlaub haben mich Leute erkannt“, bekennt er.

CSU-Mitglied ist Dorow seit 1983. Eine Interessenkollision mit seinem Job als Journalist mag er nicht erkennen. Er sei nur passives Mitglied gewesen, erklärt er.

Für den Bayerischen Rundfunk war Dorow über 20 Jahre tätig, in den verschiedensten Funktionen. Angefangen hat er dort als Politik-und Geschichtsstudent, Ende der 1980er-Jahre. „Ich hatte damals Jobs als Taxifahrer, an einer Hotelrezeption und eben als Kabelträger beim BR“, entsinnt er sich. Im Lauf der Zeit ergab sich hin und wieder eine freie Mitarbeit als Reporter. Und dann kam der denkwürdige Tag, der ihm eine langjährige BR-Karriere sichern sollte: Eines Abends, Dorow wollte gerade nach Hause fahren, bemerkten die Fernsehmacher entsetzt, dass niemand da war, der die Abendnachrichten verlesen konnte. „Der Chefsprecher war gegangen, und es war kein Ersatz da“, so Dorow. Er wurde gebeten, einzuspringen. Die Spontan-Performance lief gut. Dorow verlas die Nachrichten, immerhin 20 Minuten, fehlerfrei.

Die Verantwortlichen waren offenbar beeindruckt. Jedenfalls erhielt Dorow die Offerte, eine Sprecherausbildung zu absolvieren. Er sagte ja, arbeitete danach für den damals neu gegründeten Hörfunk-Nachrichtenkanal B5, später für die Rundschau und als Moderator fürs Rundschau-Magazin im BR-Fernsehen. Sein Markenzeichen war seine Lockenfrisur – und sein rollendes „r“. Eine Unart, wie die strengen Lehrer in der Sprecherausbildung befanden. Radio- und Fernsehleute hatten auch in Bayern gefälligst ein kehliges „r“ zu sprechen. Was Dorow bei Worten, die mehrere „r“ hintereinander hatten, regelmäßig zur Verzweiflung trieb.

Der frühere Protestant ist heute überzeugter Katholik

Warum er sich dazu entschieden hat, das Redakteursdasein für die Politik aufzugeben? „Ich wollte eine neue Herausforderung“, sagt Dorow. Vor dem 50. Geburtstag noch mal was ganz Neues machen.

Neu war seine Aufgabe im Landtag in der Tat. Dorow war für den BR nie Landtagskorrespondent gewesen, kannte weder die Abläufe in Fraktion oder Parlament besonders gut, noch war er in den Parteistrukturen daheim. Und so war er schon über das eine oder andere etwas verwundert.
Zum Beispiel die Rederituale im Landtag. „Das fand ich anfangs etwas kindisch“, gibt er zu. Wer wann was sagt – das wird zuvor in den Fraktionen genau besprochen. Dorow hatte sich das „etwas freier vorgestellt“. Fraktionsdisziplin – daran sind schon einige Landtagsneulinge verzweifelt, vor allem bei der CSU. „Ich musste lernen“, so Dorow, „dass man nicht einfach dagegen stimmen kann, wenn man etwas ablehnt.“

Er hat aber auch erfahren, dass man mit seiner Meinung hin und wieder durchdringen und eine Debatte durchaus beeinflussen kann. Gefreut hat ihn das unter anderem beim Thema Sonntagsruhe. Während der CSU-FDP-Koalition von 2008 bis 2013 hatten die Liberalen versucht, die Sonntagsruhe zu lockern – und einige CSUler fanden das erwägenswert. Die Gegner, unter ihnen Dorow, setzten sich dann durch.

Als rechthaberische Nervensäge ist er nicht bekannt

CSU-Kollegen schätzen Dorows unaufgeregte, sachliche Art. Als rechthaberische Nervensäge ist er nicht bekannt. „Ein sehr netter Kollege, uneitel, drängt sich nicht vor, steht aber zu seinen Überzeugungen“, heißt es aus der Fraktion.

Dorow gehört den Landtagsausschüssen für Wissenschaft und für Europa an. Und er ist kirchenpolitischer Sprecher.

Ein Amt, das ihm viel bedeutet. Der fünffache Vater ist überzeugter Katholik. Auch das war ihm nicht in die Wiege gelegt. Seine Eltern waren evangelisch, traten später aus der Kirche aus. Bis zu seinem 24. Lebensjahr war Alex Dorow Protestant; den Zugang zur katholischen Kirche fand er unter anderem über die St.-Georg-Pfadfinder. „Ich habe gemerkt, dass ich etwas suche“, erzählt er. Er fühlte sich angezogen von der Persönlichkeit des polnischen Papstes Johannes Paul II., war beeindruckt davon, wie dieser seinem Attentäter vergab. Dorow wurde Katholik. Dennoch brauchte er Jahre, um mit manchen Ritualen klarzukommen. Zum Beispiel mit der Beichte oder dem Rosenkranz. „Heute“, sagt Dorow, „bin ich angekommen.“

Als Katholik zählt er zum konservativen Zirkel, ist ein Befürworter des Zölibats. Weil er glaubt, dass sich Priester ihrer Aufgabe dann „umfassender und unvoreingenommen“ widmen könnten.

An seiner Abgeordnetentätigkeit schätzt er, dass er Menschen helfen kann, manchmal auch ganz praktisch, etwa, wenn Leute zu ihm kommen und Probleme mit Behörden haben. Das Streberhafte, Überambitionierte, das vielen Politikern anhaftet – Dorow wirkt frei davon. Es kommt glaubhaft rüber, wenn er, gefragt danach, ob er mal Minister sein möchte, abwinkt. „Ich hatte 18 Jahre lang hohe Präsenz im Fernsehen“, sagt er. Wichtig sein, über TV-Schirme flimmern, das ist nicht mehr das Vordringlichste auf der Welt für ihn.
(Waltraud Taschner)

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Kommentare (1)

  1. Erhy am 19.02.2020
    Ein sehr gelungenes Porträt eines eigenständig-solidarischen Politikers und eines unaufdringlich vorbildlichen Menschen.

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