Landtag

Wolfgang Heubisch, am Tag seiner Wahl zum Landtagsvizepräsidenten im Plenum. (Foto: Sven Hoppe, dpa)

14.12.2018

Der Schöngeist

Im Porträt: Wolfgang Heubisch (FDP), Landtagsvizepräsident und Vizevorsitzender des Kunstausschusses

Hach, ein Opernbesuch! Ein Trip ins Museum! Ein Konzertabend! Kulturelle Events lassen das Herz von Wolfgang Heubisch (72) regelmäßig höher schlagen. Insofern war klar, dass es den Münchner FDP-Mann in den Landtagsausschuss für Wissenschaft und Kunst ziehen würde. Eine glückliche Fügung wollte es, dass seine Fraktion dort laut Wahlverfahren den Vizevorsitzenden stellen durfte. Weil Heubisch das einzige FDP-Ausschussmitglied ist, fiel ihm der Job quasi automatisch zu.

Da trifft es sich gut, dass er unter der schwarz-gelben Koalition in Bayern von 2008 bis 2013 als Kunstminister fungierte, also voll drin ist in all den Themen, die ihm ohnehin am Herzen liegen. Auch praktisch: Alle Münchner Top-Museen, -Unis und -Theater liegen in seinem Stimmkreis Schwabing-Freimann. Dort hat Heubisch bei der Landtagswahl kandidiert – und das beste Stimmkreisergebnis aller bayerischen FDP-Kandidaten erzielt. „Ich habe sicher den Stimmkreis in Bayern, in dem sich Wissenschaft und Kunst fokussieren“, sagt Heubisch.

Bereits drei Wochen vor seiner Wahl zum stellvertretenden Ausschusschef hatte er den prestigeträchtigen Posten des Landtagsvizepräsidenten ergattert – auch das eine Aufgabe, die gut zu ihm passt. Diplomatisch sein, vermitteln, Menschen zusammenbringen: Derlei fällt dem jovialen und unprätentiösen Heubisch nicht schwer. Abgesehen davon, dass er im Kreis der elfköpfigen FDP-Fraktion einer der ganz wenigen mit Parlamentserfahrung ist. Acht seiner Kollegen sitzen zum ersten Mal im Landtag. FDP-Fraktionschef Martin Hagen betont, Heubisch verfüge als Landtagsvizepräsident über das „notwendige Maß an politischer Erfahrung und persönlicher Integrität“.

Heubisch ist über Parteigrenzen hinaus geachtet

Tatsächlich ist Heubisch über Parteigrenzen hinaus geachtet. Im Landtag gibt es praktisch niemanden, der schlecht über Wolfgang Heubisch redet. Der Mann bringt das Kunststück fertig, auch beim politischen Gegner beliebt zu sein. Heubisch, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Volkmar Halbleib, sei als Kollege „angenehm und fair“. Gefreut hat den Sozialdemokraten, dass Heubisch jetzt zusammen mit der SPD eine Initiative zur Errichtung einer Medizinfakultät an der Uni Passau gestartet hat. Mit Blick auf das künftige Nebeneinander der früheren Regierungspartei FDP und der SPD im Landtag sei das „ein interessanter Auftakt“ gewesen, findet Halbleib. Gespannt blickt er nun darauf, wie der einstige Wissenschaftsminister Heubisch seine Rolle als Vize im Kunstausschuss ausfüllt.

Heubisch selbst betrachtet das ganz pragmatisch: Er wolle „Sachpolitik machen“. Also Anliegen unterstützen, die er für richtig hält, unabhängig davon, ob die Regierungskoalition sie vorschlägt oder die Opposition. Das verträgt sich gut mit seiner Rolle als Landtagsvizepräsident, die vom Ausgleich lebt. Ohnehin ist es singulär, dass ein Vizepräsident zugleich einem Ausschuss vorsitzt.

Seine Rolle als Landtagsvizepräsident sieht er ganz nüchtern : „Das ist wahrscheinlich zu 98 Prozent langweilig“, sagt Heubisch. „Ich sitze da oben und schaue zu.“ Er könne ja „nicht nebenbei Akten lesen“. Seine Aufgabe besteht darin, im Wechsel mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner und den anderen Vizes die Plenarsitzungen zu leiten, zu schauen, ob alles ordnungsgemäß abläuft und die Grundsätze der Geschäftsordnung beachtet werden. Da empfiehlt es sich, aufmerksam zu bleiben. Sein Wunsch ist, dass „intensiv diskutiert wird, möglichst in freier Rede und ohne persönliche Angriffe oder gar Beleidigungen“, sagt Heubisch.

Die AfD: Er will sich argumentativ mit der Partei auseinandersetzen - das wird schwer

Mit Blick auf die neu im Landtag vertretene AfD ist die Sitzungsleitung gewiss eine größere Herausforderung als in früheren Zeiten. So sehen das jedenfalls die anderen Landtagsfraktionen, die erschrocken auf diverse AfD-Störfeuer im Bundestag blicken. Was ist hier die richtige Strategie? „Ich will mich argumentativ mit denen auseinandersetzen“, kündigt Heubisch an. Er würde sogar einen AfD-ler als Landtagsvizepräsidenten akzeptieren: „Wenn ein AfD-Kandidat keine rechtsradikalen Äußerungen gemacht hat, sind gerade wir Liberale gewillt, ihn zu wählen.“ Noch ist ein Posten im Landtagspräsidium vakant, weil die jeweiligen Kandidaten der AfD im Landtag keine Zustimmung erfuhren.

Landtagsvizepräsident: „Das ist wahrscheinlich zu 98 Prozent langweilig.“

Auf die schwarz-gelbe Koalition in Bayern und seine Zeit als Minister blickt der frühere Zahnarzt gern zurück. Natürlich sei nicht alles glatt gelaufen, räumt er ein. Dennoch habe er in seinem Ressort viel erreicht, glaubt Heubisch: So hätten die bayerischen Unis bei der Exzellenzinitiative, einem bundesweiten Hochschulwettbewerb, den Spitzenplatz eingenommen. Jetzt dagegen habe Bayern „enttäuschend abgeschnitten“, grollt Heubisch.

Ein erneutes Ministeramt, für den Fall, dass es für Schwarz-Gelb gereicht hätte, habe er trotzdem nicht angestrebt, sagt Heubisch: „Das wollte ich nicht.“ Der 72-Jährige kennt die Strapazen des Jobs, den Terminstress, den Erwartungsdruck. Und außerdem hat er vor drei Jahren geheiratet – und weiß eine funktionierende Work-Life-Balance zu schätzen.

Seine Frau, eine Lehrerin, hat er während seiner Zeit als Wissenschaftsminister kennengelernt – damals arbeitete sie als Pressesprecherin im Bildungsressort. Weshalb sich der frühere Kultusstaatssekretär Karl Freller (CSU) als Ehestifter sieht – er hat Heubischs jetzige Frau Christina damals eingestellt. Gefunkt hat es zwischen den beiden dann bei einem Kulturevent – der Eröffnung der Münchner Nacht der Museen.

Noch heute gehen sie gern in Ausstellungen. Oder in die Oper. Bei der Othello-Premiere an der Münchner Staatsoper fiel kürzlich auf, dass weder der neue Kunstminister Sibler noch ein anderes Mitglied der Staatsregierung anwesend war – Ex-Minister Heubisch aber sehr wohl. Der beliebte Schöngeist kam beim Weg zu seinem Platz im Parkett aus dem Händeschütteln gar nicht heraus.(Waltraud Taschner)

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