Landtag

Gabriele Triebel. (Foto: privat).

09.04.2021

Die Sportlerin

Im Porträt: Die Grünen-Abgeordnete Gabriele Triebel

Fragt man Grüne nach ihrer Motivation, in die Politik zu gehen, führen diese oft große Umweltkatastrophen oder global bedeutende Ereignisse an wie den Klimawandel, Tschernobyl oder den Nato-Doppelbeschluss. Gabriele Triebel (60) bewegten diese Dinge zwar auch, doch letztlich gab ein lokales Ärgernis den Ausschlag dafür, dass sie beschloss, politisch aktiv zu werden: Ein Wanderweg um den Lech, der zugleich ihre Lieblingstrainingsstrecke beim Joggen war, sollte 2001 asphaltiert werden. „Ich dachte: Die spinnen doch total“, erinnert sich Triebel.

„Heimat ist mir sehr wichtig“

Also trat sie im Jahr darauf bei den Kommunalwahlen als Parteilose erfolgreich auf einer Grün-Alternativen Liste für den Kauferinger Marktgemeinderat an. „Heimat ist mir sehr wichtig“, sagt sie.

Den Großteil ihres Lebens verbrachte die Sportlehrerin in ihrem Geburtsort Kaufering. Sie lebt im selben Haus, in dem sie bereits ihre Kindheit verbrachte. „Die Lech-Region ist wundervoll“, schwärmt Triebel.

Mit der Parteimitgliedschaft hatte sie zunächst gehadert. „Das war für mich nicht entscheidend“, erinnert sie sich. Im gutbürgerlichen Kaufering hatte sie zunächst einmal alle Hände voll zu tun, das Image der Grünen zu verbessern. Hier habe die Partei Anfang der 2000er-Jahre bei manchem noch ein „Stigma als Spinner-Partei gehabt“. Durch eine pragmatische Lokalpolitik habe man aber rasch zeigen können, „dass wir eine Partei der Mitte sind“, sagt Triebel.

2012 trat die Oberbayerin schließlich offiziell bei den Grünen ein. Damals hatte sie für das Amt der Kauferinger Rathauschefin kandidiert und war nur knapp gescheitert. Sie wurde schließlich zur Zweiten Bürgermeisterin gewählt.

Seit 2018 vertritt sie für die Grünen den Stimmkreis Landsberg am Lech/ Fürstenfeldbruck-West im Maximilianeum. Zuvor war Triebel einstimmig für die Kandidatur nominiert worden. Die Partei entschied sich nicht zuletzt aufgrund ihrer regionalen Beliebtheit für Triebel – bei den Erststimmen schnitt sie in Oberbayern so gut ab wie kaum ein anderer Grünen-Politiker.

Mit ihrem Fraktionschef, dem Landsberger Urgewächs Ludwig Hartmann, der seine Parteikarriere als Stadtrat in dem mittelalterlichen Städtchen begann und später in München für den Landtag kandidierte, hat sie nach eigener Aussage ein sehr gutes Verhältnis.

Dass sie heute ihre Fraktion als bildungs- und nicht als sportpolitische Sprecherin vertritt, ist insbesondere ihrer fast drei Jahrzehnte langen Erfahrung als Gymnasiallehrerin geschuldet. „Eine gute Bildungspolitik muss zu mehr Chancengerechtigkeit beitragen“, ist sie überzeugt.

Triebel weiß, wovon sie spricht. Sie kam aus einfachen Verhältnissen. Der Vater war Bahnarbeiter. Die Mutter musste Putzen gehen, damit die Familie über die Runden kam. „Wäre es nach meinen Eltern gegangen, wäre ich auf die Realschule gegangen. Doch der Grundschullehrer sagte, dass ich unbedingt aufs Gymnasium soll“, erinnert sie sich.

Dass in Bayern die späteren Chancen eines Kindes noch immer allzu oft davon abhängen, aus welchem Elternhaus es kommt, hält sie für nicht länger hinnehmbar. „Wir müssen jedem Kind die Fördermöglichkeiten geben, die es auch braucht.“ Vor allem Kinder mit Förderbedarf und auch Migrantenkinder dürften nicht länger die großen Bildungsverlierer sein. Triebel fordert pro Grundschulklasse eine zweite pädagogische Fachkraft.

Im Laufen war sie mal deutsche Vizemeisterin

Das Corona-Management der Staatsregierung an Bayerns Schulen in den vergangenen Monaten kritisiert die Grünen-Politikerin scharf: „Ich fühle mit den Kolleginnen und Kollegen. Sie haben immer mehr neue Aufgaben zu bewältigen und dann ist da noch der fehlende Infektionsschutz.“

Dass im Bildungsausschuss Anträge der Opposition in der Regel aus Prinzip von der Regierungsmehrheit abgeschmettert werden, verdrießt die Kauferingerin natürlich. Triebel besitzt allerdings ein langes Durchhaltevermögen, eine für bayerische Oppositionspolitiker essenzielle Eigenschaft.

Nicht aufzugeben, wenn es auch einmal schlecht läuft, lernte sie schon in ihrer Kindheit im Sportverein. Als Läuferin trat sie auch als Erwachsene für mehrere Vereine an, gehörte zu den Besten – zumindest in Bayern. 1990 wurde sie deutsche Vizemeisterin über 3000 Meter in der Halle. „150 Kilometer Trainingsläufe in der Woche waren keine Seltenheit“, erinnert sie sich. Und schon als Kind setzte sich das jüngste von vier Geschwistern für Dinge ein, die sie für wichtig und richtig hielt; am Gymnasium war sie Schülersprecherin. Bis heute ist sie Vorsitzende des Vereins Sri Lanka Hilfe Kaufering.

Bezahlte Nebentätigkeiten hat sie keine. „Wer den Job als Abgeordnete ernst meint, hat für nicht viel anderes Zeit“, sagt Triebel. Ihr Bürgerbüro hat sie mitten in der quirligen Landsberger Altstadt. Wer bei ihr anruft, hört aber mitunter dennoch lauten Vogelgesang. „Meine Kinder haben mir eine Zwitscherbox geschenkt. Das hilft gegen den Stress“, sagt die zweifache Mutter.

Wie sie nach ihrer 60- bis 70-Stunden-Woche am besten abschaltet? „In Corona-Zeiten Sport, Sport und nochmals Sport“, antwortet sie lachend. Mountainbiken und Laufen oder einfach Spaziergänge mit dem Familienhund, einem Border Collie, seien für sie unverzichtbar. „Wenn ich die frische Luft in meinen Lungen spüre, dann geht es mir gut.“ Eine schlechte Ausgangsbasis weckt Triebels Kampfgeist. So spielt sie bei den Alten Damen des DJK Landsberg Basketball – und das, obwohl sie mit einer Größe von 1,62 Metern zu den Kleinsten gehört.

Politisch sind die Grünen zwar längst kein Leichtgewicht mehr, das sich an der übermächtigen CSU reibt. Doch Opposition ist oft ein hartes Brot. „Natürlich hat man als Regierungsfraktion mehr Erfolge vorzuweisen“, seufzt sie.

Jüngst konnte Triebel dennoch einen größeren Erfolg verbuchen. Nachdem die Dachauer KZ-Gedenkstätte aufgrund eines coronabedingten Finanzlochs im Dezember einem Medienbericht zufolge nicht einmal mehr genug Geld für den Kauf von Toilettenpapier hatte und Pflege- und Instandhaltungsarbeiten verschoben werden mussten, forderte sie den Freistaat zum dringenden Handeln auf.

Mit Erfolg. „Zum Glück wurde zuletzt weiteres Geld bewilligt“, freut sich Triebel. Die Staatsregierung müsse auch in Zukunft ausreichend Mittel zur Verfügung stellen. Es sei wichtig, dass Schüler die KZ-Gedenkstätten, wenn es die Corona-Situation erlaube, wieder in großer Zahl besuchen könnten. „Authentische Orte wie diese sind wichtig, damit junge Menschen die Geschichte verstehen.“ (Tobias Lill)

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