Landtag

10.07.2026

Tiefengeothermie: Ein PPP-Modell als Vorzeigeprojekt

Tiefengeothermie gilt als wichtiger Baustein der Wärmewende. Vor allem im Süden Bayerns sehen Experten großes Potenzial für eine klimafreundliche Wärmeversorgung. Das ist aber kompliziert und teuer

Um das vor allem im Süden Bayerns vorhandene Potenzial der Wärme- und Energiegewinnung aus der Tiefengeothermie noch besser zu erschließen, setzt die Staatsregierung auf eine umfassende Beratung der Kommunen. Das machte der Leiter der Koordinierungsstelle Tiefengeothermie in Bayern, Ulrich Steiner, im Wirtschaftsausschuss deutlich. Nach seinen Angaben sind in Ober- und Niederbayern derzeit 30 Projekte in Prüfung oder Planung. Laut einer Studie der Technischen Universität München könnten über die Geothermie theoretisch bis zu 25 Prozent der Wärmeversorgung Bayerns abgedeckt werden. Allerdings sind dabei Hürden bezüglich technischer Umsetzung, Finanzierung und Wirtschaftlichkeit zu überwinden.

Genau da wolle die Koordinierungsstelle ansetzen, berichtete Steiner. Man verstehe sich als unabhängige Erstberatungsstelle für Kommunen und Unternehmen. Man vermittle Akteure zur geologischen Prüfung des Vorhabens, berate Kommunen bei der weiteren Wärmeplanung und zeige Unternehmen die Möglichkeiten auf, die Geothermie für sie bieten könne. „Wir sind inzwischen in der Branche etabliert und fungieren als neutraler Vermittler von fachkundigen Ansprechpartnern“, erläuterte Steiner.

Die Koordinierungsstelle ist seit 2024 aktiv, hat drei hauptamtliche Mitarbeiter und ist mit Hochschulen vernetzt. Nach Angaben Steiners laufen Geothermieprojekte – die meisten im Umland Münchens – technisch wie wirtschaftlich sehr gut. Die Gestehungskosten für eine Kilowattstunde liegen zwischen 4 und 6 Cent. Zum Vergleich beträgt der Gaspreis 8 bis 10 Cent je Kilowattstunde. Geothermie sei also „konkurrenzfähig“, betonte Steiner.

Geothermie gilt als konkurrenzfähig

Um die Rentabilität langfristig abzusichern und auch weitere Kommunen wie Unternehmen zu motivieren, brauche es aber verlässliche Rahmenbedingungen. Es müsse politisch klargestellt werden, dass der Prozess der Dekarbonisierung bei der Heizwärme und in der Industrie fortgesetzt werde. Dazu gehört laut Steiner auch ein verlässlicher Pfad für die weitere Entwicklung des CO₂-Preises.

Auf Nachfragen mehrerer Abgeordneter bestätigte Steiner die hohen Investitionskosten für Geothermieanlagen. Diese beträfen nicht nur die Bohrungen bis in große Tiefen, sondern auch die folgende Errichtung der Verteilnetze. Aktuell gebe es dafür Fördermittel des Bundes. Man sei ergänzend in Gesprächen mit der LfA-Förderbank Bayern, um Kommunen zinsgünstige Kredite für den Netzausbau zur Verfügung zu stellen.

Steiner regte als Vorzeigeprojekt ein gemeinsames Betreibermodell einer Kommune mit einem privaten Investor an. Dies könne beispielgebend für weitere Vorhaben sein. Um die Geothermie in ländliche Gebiete zu bringen, brauche es zudem ergänzende Forschung. Für kleinere Projekte mit langen Netzwegen gebe es bislang zu wenig Erfahrungswerte.

Kommunen sollen besser beraten werden

Der im Wirtschaftsministerium zuständige Ministerialrat Cajetan Eder erklärte, die Staatsregierung bleibe beim weiteren Ausbau der Geothermie „ehrgeizig“. Es handle sich um eine „grundlastfähige Heimatenergie“. Eder sagte, dass für einen Durchbruch wasserwirtschaftliche und rechtliche Hürden reduziert werden müssten. (Jürgen Umlauft)

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