Landtag

Escherndorf an der Volkacher Mainschleife: Steillagen gehören zu den besonders aufwendig zu bewirtschaftenden Weinbergen in Franken. (Foto: dpa/Artcolor)

04.11.2026

Frankenwein unter Druck: Bayern erhöht Förderung für Steillagen

Ab 2027 steigt die Förderung um rund 50 Prozent. Eine SPD-Anfrage zeigt, wie der Freistaat außerdem auf Absatzprobleme und aufgegebene Rebflächen reagieren will

Der fränkische Weinbau steht unter Druck. Rebflächen werden aufgegeben, gerade die arbeitsintensiven Steillagen sind schwer zu bewirtschaften. Gleichzeitig verändert sich der Weinmarkt – und damit die Frage, wie Frankenwein künftig verkauft werden kann.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib wollte von der Staatsregierung wissen, wie sie die Vermarktung von Frankenwein unterstützen will, was sie gegen zunehmend brachliegende Rebflächen unternehmen möchte und welche weiteren Hilfen für den Weinbau geplant sind. Er verwies dabei auf eine Analyse der Hochschule Geisenheim, für die unter anderem Einschätzungen von Weingütern, Kellereien, Genossenschaften und 60 Winzerinnen und Winzern aus Franken herangezogen worden seien.

Das Landwirtschaftsministerium nennt in seiner Antwort eine ganze Reihe bestehender und geplanter Maßnahmen. Für die Vermarktung von Wein im In- und Ausland flössen jährlich rund 350.000 Euro über die Agentur für Lebensmittel – Produkte aus Bayern. Hinzu kämen rund 1,1 Millionen Euro pro Jahr aus der Weinabsatzförderung.

Neue Wege bei der Vermarktung

Das Haus von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) setzt dabei auch auf neue Produkte. „Aktuell ist ein verstärkter Trend in Richtung entalkoholisierte Weine zu beobachten“, heißt es in der Antwort. Fränkische Winzer erhielten Zuwendungen für zwei Entalkoholisierungsanlagen, die ihnen als Dienstleistung zur Verfügung stünden. Daneben werde an der Qualität entalkoholisierter und alkoholfreier Weine geforscht.

Ausgebaut werden soll auch der Weintourismus. Projekte zur Weiterentwicklung der Weinbaugebiete und der Vermarktungsinfrastruktur könnten mit bis zu 100.000 Euro gefördert werden. Außerdem plant das Ministerium eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, damit Gastronomen leichter Zugang zu Frankenwein erhalten.

Mit der nächsten Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik sollen weitere Möglichkeiten hinzukommen. Vorgesehen seien unter anderem Absatzförderung in Ländern außerhalb der Europäischen Union und Informationsmaßnahmen im Binnenmarkt. Zusätzlich werde ein Innovationsprogramm für den bayerischen Weinbau vorbereitet, das neue Ideen bei Vermarktung, Kommunikation und Weinausbau unterstützen soll.

Steillagen bekommen deutlich mehr Geld

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Steil- und Terrassenlagen. „Der fränkische Weinbau prägt die Kulturlandschaft und ist tief mit der regionalen Identität verwurzelt“, heißt es in der Antwort. Dies gelte insbesondere für die landschaftsprägenden Steillagen.

Ab 2027 soll die Förderung für diese Flächen im Kulturlandschaftsprogramm um rund 50 Prozent steigen. Gleichzeitig beschäftigt sich der Freistaat mit der Frage, was mit aufgegebenen Weinbergen geschehen kann.

In einem Pilotprojekt in Iphofen und Sommerhausen werde untersucht, wie Brachflächen sinnvoll genutzt werden können. Die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau berät dabei auch zur Entwicklung von Lebensräumen für Wildtiere. Darüber hinaus testet sie ungewöhnlichere Alternativen: Auf ehemaligen Rebflächen werde geprüft, ob sich dort Oliven und Mandeln sowie möglicherweise Feigen, Granatapfel und Zistrosen anbauen lassen.

Silvaner und neue Technik

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Klimaanpassung und Digitalisierung. Die Landesanstalt arbeite daran, bestehende Rebsorten wie Silvaner besser an veränderte klimatische Bedingungen anzupassen. Dazu würden geeignete Silvanerklone ausgewählt. Auch Wasser- und Energiemanagement sollen weiterentwickelt werden – unter anderem mit Agri-Photovoltaik, Wasserrückhalt, Bewässerung und der Erfassung der CO2-Bilanz.

In Steil- und Terrassenlagen erprobe die Landesanstalt zudem selbstfahrende Arbeitsmaschinen und Drohnen für den Pflanzenschutz. Dadurch sollen nach Angaben des Ministeriums unter anderem teure Arbeitskräfte ersetzt werden. (loh)

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