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Ab 300 Metern Abstand zum nächsten bewohnten Gebäude gelten Hauskatzen als „Wilderer“ – und dürfen vom Jäger abgeschossen werden. (Foto: dpa)

22.06.2018

Hauskatzen dürfen weiter geschossen werden

"Das Gesetz mal auf Sinnhaftigkeit geprüft?" Die Grünen wollen den Hauskatzenabschuss durch Jäger einschränken – die Staatsregierung sieht dafür keinen Anlass

In Bayern dürfen im Rahmen des sogenannten Jagdschutzes Hauskatzen von Jägern getötet werden (Staatszeitung berichtete). Maßgebend dafür ist ein Abstand von mehr als 300 Metern zum nächsten bewohnten Gebäude. Markus Ganserer (Grüne) wollte jetzt von der Staatsregierung wissen, seit wann es diese Vorschrift gibt und ob es in den letzten 15 Jahren einmal auf ihre „Sinnhaftigkeit“ überprüft wurde.

Das Landwirtschaftsministerium schreibt in seiner Antwort, die Vorschrift sei im Jahr 1909 in die damalige jagdpolizeiliche Verordnung eingefügt worden. Anlass sei der Schutz der Vögel vor wildernden Katzen gewesen. Einen Grund zur Überprüfung des bayerischen Jagdgesetzes gab es laut Ressort von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) nicht. „Seit der Erweiterung des Schutzes von Katzen im Jahr 1978 gab es keinen weiteren Anlass, eine erneute Novellierung dieser Vorschrift vorzunehmen.“ Damals hat der Gesetzgeber die Grenze, ab wann eine Katze „wildernd“ ist und damit abgeschossen werden kann, von 200 auf 300 Meter erhöht. Eine weitere Ausweitung der Entfernung, heißt es aus dem Ministerium, sei auch immer mit einer Absenkung des Schutzes der potenziellen Beutetiere verbunden.

Woher wissen Jäger, ob es 295 oder 305 Meter sind?

In anderen Bundesländern dürfen Katzen erst ab einer Entfernung von 500 Metern geschossen werden. Warum das nicht auch in Bayern möglich wäre, fragte Ganserer. Wieder beruft sich das Ministerium auf die Änderungen im Jagdgesetz von vor 40 Jahren. Die 300 Meter seien ein Kompromiss auf den Vorschlag der Staatsregierung gewesen, die Entfernung bei 200 Metern zu belassen, und der Forderung des damals noch bestehenden bayerischen Senats, die Entfernung auf 500 heraufzusetzen.

Die Beweislast, wenn ein Eigentümer Schadensersatz wegen eines Abschusses haben möchte, liegt beim Katzenhalter. Er muss beweisen, dass das Tier innerhalb der 300-Meter-Grenze getroffen wurde. Woher die Jäger wissen, ob es 295 oder 305 Meter sind, wollte Ganserer wissen. Das obliege „der Fachkunde und der Verantwortung“ des Revierinhabers. Sie seien als Jagdscheininhaber gewohnt, Entfernungen einzuschätzen. „Um zu vermeiden, dass die eigene Katze getötet wird, sollten Eigentümer entsprechend vorbeugen“, schreibt das Kaniber-Ressort. Wie, wird nicht erläutert. Denn dem Jäger den Abschuss zu verbieten, ist nicht möglich. Auch der Zustand der Katze, beispielsweise wenn sie offensichtlich nicht verwildert aussieht, spielt keine Rolle. Eine Ermahnung des Katzenbesitzers vor dem Abschuss ist ebenfalls nicht möglich. Ebenso wenig lässt sich die Tötung durch eine Glocke um den Hals des Tieres vermeiden. „Ein Wildern der Katze ist nicht stets ausgeschlossen, wenn sie ein Glöckchen trägt“, urteilt die Staatsregierung. (David Lohmann)

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Daniel Föst,
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Volkmar Halbleib, Parlamentarischer Geschäftsführer und wohnungsbaupolitischer Sprecher der Landtags-SPD

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