Landtag

Das Grab von Peggy Knobloch. Sie war erst neun Jahre alt als sie starb. (Foto: WRA)

22.01.2019

Pleiten, Pech und Pannen

Die Bürgerinitiative "Gerechtigkeit für Ulvi Kulac" fordert einen Untersuchungsausschuss im Mordfall Peggy Knobloch - fraglich, ob das gelingt

Der Mordfall Peggy Knobloch aus der oberfränkischen Kleinstadt Lichtenberg ist selbst fast 18 Jahre nach dem Verschwinden des damals neunjährigen Mädchens nicht geklärt. Nun hat die Bürgerinitiative (BI) "Gerechtigkeit für Ulvi Kulac" eine ganze Reihe Forderungen aufgestellt. Eine lautet sogar: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) soll zurücktreten.

Mit ihren Forderungen ging die Bürgerinitiative jetzt an die Öffentlichkeit. In einer Pressekonferenz verlangte sie einen Landtags-Untersuchungsausschuss, der die offensichtlichen Ermittlungspannen von Polizei und Staatsanwaltschaft aufklären soll. Darüberhinaus forderte sie, die Sonderkommission SOKO Peggy aufzulösen und den verantwortlichen Bayreuther leitenden Oberstaatsanwalt Herbert Potzel abzulösen.

Die Pannenserie reicht nach Meinung der Bürgerinitiative vom unsachgemäß erlangten Geständnis von Ulvi Kulac über einen nicht sichergestellten Stein – ein mögliches Tatwerkzeug – bis zu DNA-Spuren eines der NSU-Mörder am Fundort der Leichenteile von Peggy Knobloch.

Zur Forderung eines Untersuchungsausschusses erklärte BI-Pressesprecher Dirk Lauer, ein ehemaliger Polizei-Oberkommissar aus Rüsselsheim, auf Nachfrage: „Zwei Oppositionsparteien haben sich inzwischen gemeldet.“ Es gebe bereits Gespräche. Sprecher von SPD, Grünen und FDP, also drei der vier Oppositionsfraktionen im Bayerischen Landtag, erklären jedoch der BSZ: Solche Gespräche seien ihnen „völlig unbekannt“.

Erst verhaftet und verurteilt, dann freigelassen

Der geistig behinderte Ulvi Kulac war nach Peggys Verschwinden verhaftet und wegen Mordes angeklagt und verurteilt worden. 2014 wurde er im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Kulac' Betreuerin Gudrun Rödel sieht in dem Fall die Rechtsstaatlichkeit ausgehebelt. Der Unterstützerkreis hat deshalb einen Brief an Katarina Barley (SPD) geschrieben: Die Bundesjustizministerin solle „die Rechtsstaatlichkeit wiederherstellen“.  

Passend dazu wurde bei der Pressekonferenz eine Klage von Ulvi Kulac gegen Ludwig Kröber auf Schadensersatz in Höhe von 350 000 Euro präsentiert. Der renommierte forensische Psychiater Kröber war es, der im ersten Verfahren vom Gericht beauftragt war, ein Glaubhaftigkeitsgutachten zum widerrufenen Mordgeständnis des geistig Behinderten zu erstellen. Nach Meinung der Rechtsanwältin Hanna Henning aus Hungen hat der Gutachter in diesem Fall „völlig unwissenschaftlich“ gearbeitet. Kröber habe noch nicht einmal ein Video angesehen, in dem der vermeintliche Mord rekonstruiert worden war. Dabei beziehe sich sein Gutachten mehrfach explizit auf jene Aufnahme.

Im Dezember 2018 ist der in Lichtenberg aufgewachsene Manuel S. als dringend Tatverdächtiger verhaftet worden; zurzeit befindet er sich aber wieder auf freiem Fuß. Bis heute ermitteln mehrere Sonderkommissionen der Polizei in diesem mysteriösen Mordfall. (Heinz Wraneschitz)

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