Landtag

Hat Corona die Gleichstellung von Mann und Frau um Jahre zurückgeworfen? (Foto: dpa/Rolf Vennenbernd)

10.07.2020

Rückfall in traditionelle Muster

Frauenrechte in der Corona-Krise

Frauen sind nach Einschätzung von SPD-Fraktionsvizin Simone Strohmayr die Leidtragenden der Corona-Pandemie. Wegen der vor allem von Frauen getragenen zusätzlichen Kinderbetreuung zu Hause und dem damit oft verbundenen beruflichen Verzicht würden die Bemühungen zur Gleichstellung von Mann und Frau um Jahre zurückgeworfen, sagte Strohmayr in einer von ihrer Fraktion beantragten Aktuellen Stunde. Für viele Frauen sei Corona mit Einkommensverlusten und dem Verzicht auf berufliche Aufstiegschancen verbunden. Es zeichne sich bereits eine „Retraditionalisierung der Geschlechterrollen“ ab.Zudem mehrten sich Hinweise, dass häusliche Gewalt gegen Frauen zugenommen habe. „Corona darf kein Rückschlag für die Frauenbewegung werden“, sagte Strohmayr. Sie forderte die Staatsregierung zu mehr Engagement in der Gleichstellungspolitik auf. Nötig sei der Einsatz für dauerhaft bessere Löhne in überwiegend von Frauen ausgeübten Berufen, mehr Gewaltprävention sowie eine gesetzliche Regelung für nach Geschlechtern ausgewogen besetzte Parlamente.

Die CSU-Abgeordnete Petra Högl teilte die Analyse Strohmayrs, wonach Frauen durch die Corona-Krise auf vielfältige Weise herausgefordert seien. Högl verwies aber darauf, dass die Staatsregierung die Unterstützung von Frauen in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut habe. So sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sukzessive verbessert worden.

Eva Lettenbauer (Grüne) sah die Notwendigkeit, Frauenrechte langfristig krisenfest zu sichern. „Wir dürfen wegen Corona die Fortschritte bei der Gleichberechtigung nicht wieder einbüßen“, betonte sie. Frauen hätten Anspruch auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit, körperliche Unversehrtheit und die „Hälfte der Macht in der Gesellschaft“. Julika Sandt (FDP) sah das Frauenbild zurück auf den Weg in die 60er- Jahre. Wegen der Krise gerieten viele Frauen wieder in finanzielle Abhängigkeit von Männern.

Die AfD sieht Männer als Opfer

Auch aus Sicht von Eva Gottstein (Freie Wähler) droht Corona „vieles infrage zu stellen, was in einem Jahrhundert an Frauenrechten erkämpft wurde“. Es gebe einen „besorgniserregenden Rückfall in alte Frauenmuster“. Mit seiner Frauenförderung könne der öffentliche Dienst in Bayern Vorbild für die gesamte Gesellschaft sein.

Im Gegensatz dazu sah Anne Cyron (AfD) eine „Bevorrechtung“ von Frauen bei gleichzeitiger Diskriminierung von Männern. Niemand thematisiere, dass Männer die „dreckigsten und gefährlichsten Arbeiten“ verrichten und die meisten Überstunden leisten müssten. 

Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) erkennt in der Corona-Krise eine Chance für mehr Gleichberechtigung. Sie erinnerte daran, dass während der Schul- und Kita-Schließungen in vielen Familien deutlich partnerschaftlicher gearbeitet worden sei als üblich. Trautner räumte ein, dass die Bezahlung in vielen frauentypischen Berufen unzureichend sei. Das zu ändern sei jedoch Aufgabe der Tarifpartner. Der Staat könne nur Rahmenbedingungen für geschlechtergerechte Chancen in der Berufswelt setzen. (Jürgen Umlauft)

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