Landtag

Bringt mit seiner Fraktion mehrere Änderungsanträge für das Artenschutz-Paket ein: SPD-Fraktionschef Horst Arnold. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

03.06.2019

SPD will Gebäudebeleuchtung nach 23 Uhr verbieten

Zu viel Licht bei Nacht irritiere und gefährde Insekten und andere Tiere, beklagen Naturschützer. Deshalb will die SPD Bayern zusätzlich verdunkeln - jedenfalls teilweise

Zum Schutz nachtaktiver Insekten und anderer Tiere fordert die Landtags-SPD, die nächtliche Beleuchtung privater Gebäudefassaden in Bayern zu verbieten. Die Sozialdemokraten gehen damit über die Pläne der schwarz-orangen Koalition hinaus, nach denen lediglich die Beleuchtung öffentlicher Gebäude untersagt werden soll, also von Schlössern, Rathäusern, Kirchen oder Ämtern und Behörden.

Es sei "unerlässlich", auch bei privaten Gebäudefassaden eine kunstlichtfreie "Nachtruhe" zwischen 23 Uhr und der Morgendämmerung einzuführen, heißt es in einem von mehreren Änderungsanträgen der SPD, mit denen diese Korrekturen am Artenschutz-Paket der Koalition erreichen will. Rund die Hälfte der Tierarten in Bayern sei nachtaktiv, argumentieren die Sozialdemokraten. "Viele Insekten, Wildkatzen und Fledermäuse, aber auch Amphibien und Reptilien leiden unter den künstlichen Lichtern der Nacht." Zugvögel verlören die Orientierung, Insekten würden vom Licht angezogen "und sterben dort vor Erschöpfung oder fallen ihren Fressfeinden zum Opfer". Aber auch für den Menschen sei es "schädlich, wenn die Nacht zum Tag gemacht wird". Die SPD verweist zudem auf die mögliche Energieeinsparung.

Zudem will die SPD sogenannte Steingärten eindämmen: Gemeinden sollen beim Erlass örtlicher Bauvorschriften auch artenschutzfachliche und ökologische Gesichtspunkte berücksichtigen. "Die artenschutzgerechte Begrünung von Flächen und die Vermeidung von Versiegelung soll angestrebt werden", heißt es in dem entsprechenden Änderungsantrag.

"Handfeste Verbesserungsvorschläge" für das Artenschutz-Paket

Darüber hinaus will die SPD neben Naturschutzgebieten und Biotopen mit geschützten oder gefährdeten Arten auch bewirtschaftete Teichflächen staatlich fördern - denn solche Teiche seien oft Lebensräume mit einer enormen Artenvielfalt. Zudem fordert die SPD flächendeckend Artenschutz-Berater bei den Naturschutzbehörden.

SPD-Fraktionschef Horst Arnold erklärte, die SPD liefere "handfeste Verbesserungsvorschläge" und greife damit Forderungen von Naturschutzverbänden, Landwirten und aus der Wissenschaft auf. Der Umweltexperte Florian von Brunn sagte: "Wir wollen insbesondere die bayerischen Wälder und Teiche mit den dort lebenden Arten schützen, die Lichtverschmutzung in den Städten eindämmen sowie die Begrünung von Flächen fördern, statt sie immer weiter zu versiegeln."

Das Gesetzespaket für mehr Umwelt-, Natur- und Artenschutz, das die schwarz-orange Koalition in Reaktion auf das Rekord-Volksbegehren "Rettet die Bienen" vorgelegt hat, ist im Landtag auf der Zielgeraden. Derzeit sind die Ausschüsse am Zug, sie müssen sich mit Änderungswünschen aus allen Richtungen auseinandersetzen. Vor der Sommerpause soll das Paket dann endgültig beschlossen werden.
(dpa)

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Kommentare (1)

  1. voa zua am 12.06.2019
    Das geht nicht weit genug.
    Ab einer gewissen Zeit (z. B. 23h) ist sämtliche, nicht mehr notwendige Beleuchtung einzustellen.

    Alle jammern über zu hohen Energieverbrauch und Klimawandel. Auf der anderen Seite ist man nicht in der Lage, die nachts überschüssige Energie anders zu verwerten als durch unnötiges Erstrahlenlassens des Erdballs. Schaut euch nur mal ein Satelitenbild an und ihr wisst was ich meine.

    Dabei ist die Schädlichkeit von zu viel Licht längst bewiesen. Darunter leiden nicht nur Insekten sondern alle Lebewesen, weil die Dunkelheit für die Erholung benötigt wird. Nicht zuletzt wir Menschen.

    Die einzig richtige Antwort kann nur lauten... "LICHT AUS" wann immer möglich.

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