Landtag

In 62 der 102 öffentlichen Bibliotheken in Bayern liegen 211 Bücher aus dem umstrittenen Kopp-Verlag aus. (Foto: dpa)

22.09.2017

Umstrittene Bücher in Bayerns Bibliotheken und Schulen

Vor allem im Wissenschaftsbereich befindet sich unter den Werken auch radikales und politisch extremes Schrifttum

UFOs – die unerwünschte Wahrheit, Die geheime Migrationsagenda – Wie elitäre Netzwerke mithilfe von EU, UNO, superreichen Stiftungen und NGOs Europa zerstören wollen, Als Deutschland Großmacht war oder Ratgeber Freie Waffen: Der Kopp Verlag vertreibt Bücher mit rechtsesoterischen, pseudowissenschaftlichen, verschwörungstheoretischen und rechtspopulistischen Inhalten. „Der Verlag ist für seine hetzerischen und xenophoben Falschmeldungen bekannt“, schreibt Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze in ihrer Anfrage. Sie habe gehört, dass auch öffentliche Büchereien diese rechtsgerichtete, nationalistische und oft auch antisemitische Literatur im Angebot hätten. „In welchen öffentlichen Einrichtungen werden Bücher und Medien des Kopp-Verlags ausgelegt?“, wollte sie von der Staatsregierung wissen.

In Baden-Württemberg prüft das Landesamt für Verfassungsschutz bereits alle offen zugänglichen Unterlagen und Informationen des Verlags mit Sitz in Rottenburg am Neckar. In Bayern wird der Verlag laut Innenministerium nicht vom Verfassungsschutz beobachtet, auch die Publikationen werden nicht ausgewertet. Welche Titel in öffentlichen Einrichtungen ausgelegt werden, kann das Ressort von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nicht sagen: „Es ist nicht Aufgabe der Staatsregierung, die Bestände der Bibliotheken in Bayern zu überprüfen“, heißt es in der Antwort. Die Verantwortung dafür hätten die Gemeinden.

In Baden-Württemberg prüft der Verfassungsschutz bereits öffentliche Unterlagen des Kopp-Verlags

Eine Stichprobe des Ministeriums in Online-Beständen ergab, dass in 62 von 102 öffentlichen Bibliotheken in Bayern 211 Bücher aus dem Kopp-Verlag ausliegen. Eine Recherche in den wissenschaftlichen Bibliotheken und den regionalen staatlichen Bibliotheken ergab weitere 238 Titel. Eine Entfernung umstrittener Bücher ist nicht vorgesehen: „Eine Zensur von Inhalten aus politischen, religiösen und weltanschaulichen Gründen sowie die Einstellung des Zugriffs auf Informationen lehnen der Deutsche Bibliotheksverband sowie der Bayerische Landesverband ab.“

Laut Herrmann-Ressort kann es vor allem im Wissenschaftsbereich durchaus vorkommen, dass sich unter den Werken „auch radikales und politisch extremes Schrifttum“ befindet. Die Bayerische Staatsbibliothek trage aber dafür Sorge, dass Literatur, die einen Strafbestand erfüllt, nicht frei zugänglich gemacht werde. Ausleiher müssen einen „legitimierten Zweck“ nachweisen. Außerdem erhielten Bibliothekare immer wieder Workshops zu Themen wie „Wie gehe ich mit tendenziösen Inhalten um“.

Selbst in Schulen befindet sich ein Buch des Kopp-Verlags. Das hat das Kultusministerium per „Internetrecherche“ herausgefunden. Dabei handelt es sich um einen Reprint des Deutschen Schulatlas, der ursprünglich 1910 erschienen ist. Es handelt sich dabei aber laut Ministerium nicht um ein Schulbuch „zur Erreichung der in den Lehrplänen festgelegten Lernziele“. (David Lohmann)
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