Landtag

Insgesamt waren im Freistaat Ende 2018 rund 1,2 Millionen Schusswaffen registriert. (Foto: dpa/Patrick Pleul)

04.10.2019

Waffenbesitzkarten in Bayern erreichen Höchststand

Mehr als 400 000 Menschen verfügen über diese – sechs Prozent mehr als 2014

Der Trend zur Aufrüstung hält in Bayern weiter an. Grünen-Chefin Katharina Schulze findet das in hohem Maße besorgniserregend. „Spätestens nach dem rechtsradikalen Mord an Walter Lübcke muss noch konsequenter verhindert werden, dass Neonazis und sogenannte Reichsbürger Waffen in die Hände bekommen“, sagt die Abgeordnete. Sie wollte daher von der Staatsregierung wissen, wie sich die Zahl der Schusswaffen in Bayern insgesamt und insbesondere im rechtsextremistischen Spektrum entwickelt hat.

Laut Innenministerium ist die Zahl der Waffenbesitzkarten, die zum Erwerb und Besitz einer Schusswaffe berechtigen, 2018 auf den höchsten Stand der letzten Jahre gestiegen. Mehr als 400 000 Menschen verfügen über diese – sechs Prozent mehr als 2014. Gestiegen ist auch die Zahl der Schreckschusswaffen. 2018 gab es bayernweit mehr als 100 000 „kleine“ Waffenscheine, die zum Führen einer Schreckschusswaffe außerhalb der eigenen Wohnung berechtigen. Das sind 130 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Die Zahl der „großen“ Waffenscheine ist dagegen leicht gesunken.

Fast jeder zehnte Bayer besitzt statistisch eine erlaubnispflichtige Schusswaffe

Insgesamt waren laut Ressort von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Freistaat Ende 2018 rund 1,2 Millionen Schusswaffen registriert. Das heißt, fast jeder zehnte Bayer besitzt statistisch eine erlaubnispflichtige Schusswaffe. Interessant ist ein Blick aufs Geschlecht: Während mehr als 187 000 Männer 2018 eine Schusswaffe besaßen, waren es bei den Frauen lediglich 23 676. Damit ist der Waffenbesitz unter Frauen im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, während er unter Männern steigt.

Ende 2017 waren den Behörden laut Ministerium 136 Personen aus dem rechtsextremistischen Spektrum mit einer waffenrechtlichen Erlaubnis bekannt, 2018 waren es bereits 191. „Die Steigerung ist im Wesentlichen auf eine deutliche Zunahme bei kleinen Waffenscheinen zurückzuführen“, versucht das Innenministerium zu beruhigen. Das Landesamt für Verfassungsschutz habe die zuständigen Waffenbehörden in über 170 Fällen über rechtsextremistische Betätigungen von Personen mit einer waffenrechtlichen Erlaubnis informiert.

Wie häufig bayerische Waffenbehörden die waffenrechtlichen Erlaubnisse von Rechtsextremisten 2018 widerrufen haben, kann das Ministerium nicht sagen. „Diese Prüfung ist derzeit noch nicht abgeschlossen“, heißt es in der Antwort. Der Waffenentzug sei zudem schwierig. Sei es, weil die Erkenntnisse nicht gerichtsverwertbar, nicht ausreichend valide oder älter als fünf Jahre sind.

Grünen-Abgeordnete Schulze nennt den Anstieg um 40 Prozent bei Rechtsextremen mit einer waffenrechtlichen Erlaubnis „brandgefährlich“. „Es ist dabei egal, über welche Art Waffenschein wir sprechen – ein Rechtsextremist in Rage kann seinen Opfern auch mit einer Gas- oder Signalpistole große Gesundheitsschäden zufügen.“ Sie fordert deshalb die völlige Entwaffnung von Neonazis und Reichsbürgern in Bayern. Außerdem sollte bei Anträgen aus diesem Personenkreis eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz Pflicht sein. (David Lohmann)

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Kommentare (3)

  1. Jojo vor 2 Wochen
    Also, irgend was stimmt da nicht. Einmal heißt es 400000 WBK-Besitzer, an anderer Stelle sind es ca. 210000.... Was ist an einem legalen Waffenbesitz eigentlich so "schlimm"? Er oder Sie unterwirft sich absolut den Gesetzen, gibt sogar ein Grundrecht auf (Unverletzlichkeit der Wohnung). Auch bei kleinen Vergehen ist das Dokument, inkl. Waffen weg... Warum werden dann ständig legale Waffenbesitzer mit Rechtsradikalen in Verbindung gebracht? Ich verstehe das mir gegenüber als versuchte Beleidigung! Klar muss man Radikalen den Zugang zu Waffen verwehren... aber da sind illegal beschaffte Waffen das deutlich größere Problem.... Nochmals mit anderen Worten:Legalwaffenbesitzer sind nicht das Problem - wenn sie "entgleisen" kann man einschreiten. Bei illegalem Waffenbesitz ist das ungleich schwieriger.... Übrigens, es gibt in Deutschland deutlich mehr "Schwarze Waffen" - geschätzt bis zu über 20 Millionen.
  2. Bitte erklären vor 2 Wochen
    I'm zweiten Absatz schreibt Ihr, es gibt 400000 WBK Besitzer in Bayern, einen Absatz weiter dass 187000 Männer und 23646 Frauen eine Waffe besitzen. Nach Abam Riese also ca. 211000 Waffenbesitzer. Das bedeutet also, daß fast 50% der WBK Besitzer gar keine Waffe besitzen, oder verstehe ich das Falsch?
  3. Eike vor 2 Wochen
    Ich stelle mir direkt zwei Fragen:
    Walter Lübcke wurde mit einer illegalen Waffe ermordet. Inwiefern hätte eine Verschärfung des Waffenrechts dieses verhindert?

    Wenn der Zugang zum kleinen Waffenschein erschwert wird, dann nehmen Neonazis diese frei verkäuflich Gaspistolen nicht mehr mit?

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