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Die Münchner Kinder- und Jugendhilfseinrichtung Lichtblick Hasenbergl. In der Pflege, der Kinder- und Jugendhilfe und zahlreichen sozialen Beratungsleistungen steht das Angebot vielfach auf der Kippe. (Foto: dpa/Florian Peljak)

16.02.2026

Freie Wohlfahrtspflege: "Wir wehren uns gegen Sozial-Bashing"

Sozialverbände schlagen Alarm: Pflege, Jugendhilfe, Beratung – vielerorts stehe das Angebot vielfach auf der Kippe. Geplante Kürzungen im Doppelhaushalt könnten die Versorgung weiter verschärfen

Führende Vertreterinnen und Vertreter bayerischer Wohlfahrtsverbände haben vor zu scharfen Einschnitten in Sozialleistungen gewarnt. „Wir befinden uns mitten in einer sozialen Versorgungskrise“, sagte die Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern, Margit Berndl, bei einer Fachanhörung im Sozialausschuss. Gründe seien schwindende Finanzmittel und der zunehmende Fachkräftemangel. In der Pflege, der Kinder- und Jugendhilfe und zahlreichen sozialen Beratungsleistungen stehe das Angebot „vielfach auf der Kippe“, so Berndl. Der Bedarf und die Erwartungen der Menschen auf der einen und die tatsächliche Leistungserbringung auf der anderen Seite klafften immer weiter auseinander. Dies sorge für Frust und schwindendes Vertrauen in den Staat.

Berndl betonte, dass das soziale Netz, das von den Wohlfahrtsverbänden gehalten werde, kein Kostentreiber sei, sondern wichtig für das Funktionieren der Gesellschaft. Es dürfe nicht am falschen Ende gespart werden. „Wir wehren uns gegen das verbreitete Sozial-Bashing“, sagt Berndl kämpferisch. Mit ihrer Arbeit sorgten die Verbände dafür, dass Angehörige bei Pflege- und Betreuungsleistungen entlastet würden und damit dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. Man sei also auch wichtiger Faktor für das Funktionieren der Wirtschaft. 

Ihr Geschäftsführer Wilfried Mück kritisierte vor diesem Hintergrund die im Doppelhaushalt 2026/27 geplanten Kürzungen bei Beratungsangeboten. Er nannte die Bereiche Ehe- und Familien- sowie Schuldner- und Suchtberatung. „Hier zu sparen, heißt konkret: Mehrausgaben des Staates in der Zukunft“, warnte er.

"Wohlfahrtsverbände sind kein Kostentreiber, sondern wichtig für das Funktionieren der Gesellschaft"

Sandra Schuhmann, Vorstandsmitglied beim Diakonischen Werk Bayern, ergänzte, Ähnliches drohe durch sinkende Fördermittel für die Altenhilfe oder für die Aids-Vorsorge.

Als besonders kritisch sah Berndl die Lage von Frauen als Gewaltopfer. Für deren Hilfe drohe ab dem kommenden Jahr eine Halbierung der Mittel auf 30 Millionen Euro. Hier müsse der Freistaat dringend nachbessern, sonst komme es zu einem „Rückfall in ganz dunkle Zeiten“.

Während sich SPD und Grüne den Warnungen der Verbände anschlossen, betonten Vertreter der Regierungsfraktionen auch die Notwendigkeit der Überprüfung von Strukturen und Standards sowie eines effektiven Mitteleinsatzes. (Jürgen Umlauft)

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