Leben in Bayern

03.04.2026

Adults-only-Angebote: Endlich ohne Kinderlärm

Adults-only-Urlaub liegt im Trend – vom Campingplatz bis zum Wellnesshotel. Doch während die Nachfrage steigt, wächst auch die Kritik an kinderfreien Angeboten

Es kann eine schwierige Entscheidung sein: In welchem Hotel, auf welchem Campingplatz verbringt man seinen Urlaub? Wer viel reist, hat garantiert schon negative Erfahrungen gemacht. Vor allem mit lärmenden Kindern.

Insbesondere auf Campingplätzen ist das so, sagt Christiane Erdmann vom Campingplatz am Großen Wentowsee in Brandenburg. Den gibt es seit 2013. Mit einem von Anfang an besonderen Konzept: Nur Campinggäste ab 14 Jahren sind willkommen. Christiane Erdmanns Camperinnen und Camper, darunter nach ihren Angaben nicht wenige aus Bayern, erzählen ihr immer wieder von Getobe, Geschrei und Radau auf früheren Campingplätzen.

Urlauber erzählten Christiane Erdmann unter anderem von Kids, die nebenan Ball spielten. Immer wieder prallte der gegen das eigene Wohnmobil. Ziemlich nervig.

Eltern, so die Campingplatz-Chefin, ließen ihre Kinder oft gewähren. Werden sie höflich gebeten, die Kleinen doch zum Spielen woandershin zu schicken, werde mit Unverständnis reagiert. Gerade Menschen in Berufen, die mit Kindern zu tun haben, sind irgendwann entnervt. Sie wollen nicht auch noch im Urlaub Kinderlärm ertragen. Das weiß Christiane Erdmann deshalb, weil viele ihrer Gäste Erzieherinnen, Lehrer, Schuldirektoren oder Kinderärzte sind. Auffallend sei auch die starke Nachfrage von Gästen mit Krankheiten wie Long Covid: „Sie suchen Campingplätze wie unseren aus, um Ruhe zu finden.“

Konzept mit wachsender Nachfrage

Erdmann weiß von fünf weiteren kinderfreien Campingplätzen in Deutschland: „Vermutlich sind es mehr.“ Ihr eigener war laut eigener Aussage der erste.

Natürlich sollen sich Kinder in den Ferien spielerisch austoben können. Gern auch mal laut. Die Schweizerin Virginia Blatter bietet in Unterseen-Interlaken seit diesem Jahr deshalb zwei Campingplätze an. Zum einen den „Camping Lazy Rancho – Adults Only“, zum anderen den „Camping Lazy Rancho – Family & Adventure“. Vor allem der Adults-only-Bereich werde stark nachgefragt, regelmäßig auch von Gästen aus Bayern.

Allerdings gibt es auch Kritik: „In den vergangenen Monaten wurde wiederholt unzutreffend über unseren Campingplatz berichtet.“ Fälschlicherweise hieß es, Familien wären prinzipiell ausgeschlossen. Dabei gibt es für sie einen eigenen Platz. Schlagzeilen wie „Beliebter Campingplatz sorgt bei Urlaubern für Entsetzen“ verstimmen die Campingplatz-Managerin aus dem Schweizer Kanton Bern.

Wobei sie sich über mangelndes positives Feedback nicht beklagen kann: „Das Bedürfnis nach Entspannung und Rückzug hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, was sich in einer sehr guten Auslastung widerspiegelt.“

Die Kritik reißt nicht ab

Im Adults-only-Bereich werde nicht nur darauf geachtet, dass keine Kinder lärmen. „Wir legen großen Wert auf klare Platzregeln und gegenseitige Rücksichtnahme“, so Virginia Blatter. Dazu gehörten definierte Ruhezeiten sowie ein sensibler Umgang mit Lärmquellen wie Radios.

Sollte ein Gast im Hotel Reibener-Hof in Konzell im Bayerischen Wald keinen Schlaf finden können, liegt das auch hier garantiert nicht an Kinderlärm. Auf der Homepage steht: „Bei uns können Sie entspannen!“ Gäste sind in dem Vier-Sterne-Wellnesshotel erst ab 15 Jahren willkommen. Auskunft darüber, auf welchen Überlegungen das kinderfreie Konzept basiert und wie stark die Resonanz ist, gab es auf Anfrage der Staatszeitung nicht. Die Angst, als kinderfeindlich geframed zu werden, ist in der Adults-only-Szene groß. Mehrere Anfragen liefen ins Leere.

Dass Kinder der Schrecken von Urlaubern sein können, geht wiederum aus verschiedenen Internetforen hervor. „Ich mag es nicht, morgens um 6 von spielenden oder lärmenden Kindern geweckt zu werden“, sagt etwa ein Teilnehmer am Forum „Reisemobiltreff“. Wie die anderen das sähen? Die meisten Forumsteilnehmer stimmen zu. Vor allem erzählen sie davon, dass sich das Verhalten von Kindern und Eltern zum Negativen verändert habe. Ein Teilnehmer berichtet von Eltern, die, werden sie auf ihre ungezogenen Kinder angesprochen, diese keineswegs zur Räson rufen, sondern mit dem Anwalt drohen.

Zwischen Nachfrage und Debatte

Wer Eltern ohne Selbstzweifel an ihren Erziehungsmethoden umgehen will, findet eine Menge „Erwachsenenhotels“ in Deutschland. Laut dem oberfränkischen ITler René Weiß gibt es inzwischen über 1500 Angebote. Weiß hat 2008 damit begonnen, Adults-Only-Hotels als privates Projekt aufzulisten. Vor zwei Jahren beendete er seine Initiative. Wie er auf seiner Homepage schreibt, ist inzwischen zu viel Bewegung in die Szene gekommen. Aufgrund der Fülle sei es nicht mehr möglich, alle Angebote zu prüfen.

Die Kritik daran, dass Kinder immer öfter ausgegrenzt werden, reißt unterdessen nicht ab. Eine Adults-only-Campingplatz-Betreiberin erzählt davon, dass aus Protest ans Schild ihres Platzes gepinkelt worden war.

Übrigens nicht nur hierzulande. Wie negativ das Thema bewertet wird, erlebte zu Jahresbeginn auch die staatliche französische Bahn. „Schockierend: Frankreich führt kinderfreie Zugklasse wieder ein, Aufschrei im Netz“, titelte etwa das Portal euronews. Die Bahn führte im Januar im Hochgeschwindigkeitszug TGV eine neue Klasse für Reisende ab zwölf Jahren ein. Durch den Protest änderte die Bahn jedoch nur ihr Wording. Statt „Kinder sind nicht zugelassen“ heißt es nun, dass die Abteile „ab zwölf Jahren zugänglich“ seien. (Pat Christ)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll das Ehegattensplitting abgeschafft werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Bundesforschungsministerin Dorothea Bär will mit ihrer Hightech-Agenda Deutschland technologisch auf ein neues Level bringen. Im Gespräch mit dem vbw Unternehmermagazin spricht sie über die Herausforderungen.

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.