Es herrscht Alarm am Baumarkt-Markt. Vor allem wird dieser befeuert von der Insolvenz in Eigenregie der Baywa-Bau- und Gartenmärkte, die seit 2012 von der Hellweg-Gruppe gesteuert werden und zur MKD GmbH mit Sitz in Berlin gehören. Dutzende Standorte in Süddeutschland stehen vor dem Aus. Mehr als 100 Märkte und über 4000 Arbeitsplätze sind deutschlandweit von der Insolvenz betroffen. In der Wirtschaft spricht man knapp von Marktbereinigung.
Während in den Corona-Jahren jeder noch so kleine Baumarkt von Kundinnen und Kunden gestürmt wurden, jedes Heimwerkerprojekt privat in Wohnung, Haus und Garten von Laien umgesetzt wurde, hat sich die Lage – gerade kleinerer, nicht global agierender und privat geführter Unternehmen – dramatisch verändert.
Die Kunden sind verunsichert
Die Branche gibt sich dennoch optimistisch. Von einer Krise sei man weit entfernt, sagt Jörn Brüningholt, Sprecher des deutschen Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) in Köln, im Gespräch mit der Staatszeitung. Er räumt ein, dass sich die Kundinnen und Kunden wegen der unsicheren gesamtwirtschaftlichen Situation gerade so manche Sanierung überlegten und auf spontane Käufe verzichteten. Und natürlich forderten die allgemein schwierige Konjunktur und weiter steigende Energiekosten die Händler heraus, die oft auch große und damit kostenintensive Lagerflächen finanzieren müssen.
Hinzu kommt, dass inzwischen auch Discounter das Geschäft mit Garten- und Heimwerkerbedarf für sich entdeckt haben. Sie bringen sogar günstige eigene Produktlinien heraus. Doch trotz einzelner Pleiten ist sich Brüningholt sicher: Die Branche stehe solide und stabil da. Ebenso sieht es BHB-Hauptgeschäftsführer Peter Wüst. Mut macht ihm auch die bundesweit wieder steigende Zahl an Baugenehmigungen. Wer baut, wird auch an Baumarkt und Gartencenter nicht vorbeikommen.
Man setze darauf, dass diese Effekte dann echte Wirkung für die Branche zeigen, resümiert Philipp Hoog, Partner der BBE Handelsberatung. Er sieht eher kleinere Märkte auf der Kippe, die nicht mehr mit den Großen mithalten können. Grundsätzlich sind Größe, Sortiment und auch ein moderner digitaler Auftritt von Vorteil. Denn das Bestellen und Informieren über das Internet wird immer wichtiger. Und die Kleinen können da oft nicht mehr mithalten.
Sabine Krause, Sprecherin von Hagebau, sieht die Zukunft der 75 Einzelhandelsstandorte ihres Unternehmens in Bayern positiv. Auch wenn das Konsumumfeld weiterhin herausfordernd bleibt, sähen sie in einzelnen Sortimenten eine gute Entwicklung. Dazu zählten unter anderem Heimtier, Gartenwerkzeuge und Haushaltswaren. Viel wird längst über das Internet bestellt. Doch laut Krause zeigt sich, dass der stationäre Handel insbesondere bei beratungsintensiven sowie sperrigen und volumenstarken Produkten weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Die Hagebaumärkte mit ihren kleineren, kompakten Standorten in ländlichen Regionen erfüllten eine wichtige Nahversorgerfunktion. Oft liegen sie in eigenständig-unternehmerischer Hand.
Überleben am Ende nur die Großen?
Als aktuelles Beispiel gilt die Neueröffnung des Hagebaumarkts im oberfränkischen Selb Anfang Mai, der von einem Hagebau-Partner, der Danhauser Firmengruppe, geführt wird. Wachstum ist auch wichtig: Hagebau hat sich im Februar an einer Firmengruppe in Slowenien beteiligt.
Gute Prognosen kommen auch vom Sprecher der Hornbach Baumarkt AG. Die Gesellschaft betreibt in Bayern 14 Handelsfilialen. Neue Häuser von über 10 000 Quadratmetern sind heute ein Muss. Mehr als 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den kombinierten Bau- und Gartenmärkten tätig, die europaweit im Geschäftsjahr von März 2025 bis Februar 2026 ein Plus von 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchten.
Dabei wurde ein Gesamtumsatz von 6,1 Milliarden Euro erwirtschaftet, davon allein 2,85 Milliarden in Deutschland – hier mit einem Plus von 2,3 Prozent. Fazit von Hornbach-Sprecher Christian Grether: „Hornbach entwickelt sich schon seit vielen Jahren besser als die Do-it-yourself-Handelsbranche insgesamt.“
International verzeichnete die Obi-Gruppe nach Angaben der Abteilung Corporate Communications im Geschäftsjahr 2025 einen Gesamtumsatz von rund 8,2 Milliarden Euro. 63 Standorte gibt es in Bayern, knapp 40 Prozent dieser Märkte werden von Franchisepartnern betrieben. Bald kommt ein Markt dazu: Aktuell wird laut Obi der Standort Zwiesel – ein bislang von der Systemzentrale geführter Markt – zum 1. September in einen Franchisebetrieb umgewandelt und vom langjährigen Partner, der Unternehmensgruppe Zitzmann, übernommen.
Nichts geht mehr ohne App
Um auch die kontinuierlich steigende Nachfrage im Profi- und Handwerkersegment zu bedienen, hat Obi nach eigenen Angaben ein spezielles Ökosystem für Gewerbetreibende geschaffen. Dafür gibt es eine eigene App. Zudem stehe den Betrieben ein fester Berater im Markt sowie direkt von der Baustelle via Whatsapp zur Seite, der auch kurzfristige Materialbeschaffungen koordiniert und die Abwicklung beschleunigen soll.
Aber auch für die normalen Verbraucherinnen und Verbraucher sind Apps inzwischen fast unverzichtbar geworden. Durch die „nahtlose digitale Verlängerung der Verkaufsfläche“ würde Mehrwert für die Kundschaft geschaffen, heißt es von Obi.
Dem stimmt auch Hornbach-Sprecher Grether zu. Die Kunden wollten heute schon zu Hause wissen, in welchem Regal sich ein Wunschprodukt befindet, in welcher Anzahl und wie kurzfristig es mit wenig Aufwand erreicht werden kann – und wer ihnen behilflich zur Seite steht. Ob diesen großen, digitalen Sprung allerdings auch die kleinen, nicht an Handelsketten angeschlossenen Läden schaffen, wird sich zeigen. (Marie-Julie Hlawica)
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