Leben in Bayern

Mit Karacho in die Tiefe: In der Bavaria Filmstadt in München stürzte sich Mac Steinmeier schon unzählige Male vom hohen Turm. (Foto: Bavaria Filmstadt)

09.10.2020

Blaue Flecken von Bud Spencer

Er springt von Hausdächern, prügelt sich mit Polizisten oder rennt durch Glasscheiben: Der Landshuter Mac Steinmeier ist einer der erfolgreichsten Stuntmen Deutschlands

Er hat schon für Schauspieler wie Roger Moore, Götz George und Hugh Grant Kopf und Kragen riskiert: der Stuntman Mac Steinmeier. Um an seinen Traumjob zu kommen, übte er als 18-Jähriger Auto-Stunts und Prügelszenen auf Parkplätzen – mit Erfolg. Heute hat seine Münchner Firma zehn Beschäftigte und sie alle gehen für den 56-Jährigen durchs Feuer.

Zufälle spielen manchmal im Leben eine große Rolle. Das war auch bei Mac Steinmeier so. Als der Landshuter 1979 die TV-Serie Danger Freaks –  Verrückt nach Gefahr sah, war es um ihn geschehen. Der damalige „König der Stuntmen“, der Australier Grant Page, stellte darin sich und seine Profession vor. „Ab da stand mein Traumberuf fest: Ich wollte Stuntman werden“, erinnert sich der heute 56-Jährige an dieses für ihn so einschneidende Fernseherlebnis. So interessiert und vor allem fasziniert war er damals von diesem Stuntman.

Als 18-Jähriger, sportlich und topfit, hatte Steinmeier seine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und wollte eigentlich noch eine Fotografenausbildung draufsetzen. Dieses Vorhaben legte er aber erst einmal auf Eis, um in seinem neuen Traumjob durchzustarten. Steinmeier besuchte verschiedene Stuntschulen und Gruppen in und um München und nahm an deren Trainings teil. „Ich habe mir aber auch vieles als Autodidakt selbst beigebracht.“ Am Wochenende trainierte Steinmeier zum Beispiel Auto-Stunts und Prügelszenen auf leer stehenden Großparkplätzen im Münchner Raum. Erst Jahre später fand er auf dem Bavaria-Film-Gelände ein geeignetes Terrain, auf dem er trainieren konnte. Mit der Bavaria Filmstadt ist er noch immer eng verbunden. Dort hat seine Firma heute ihren Sitz.
Die Ausbildung zum Stuntman ist in Deutschland nicht geregelt. Wichtige Voraussetzungen sind Sportlichkeit, Ausdauer und Disziplin. Das alles hat Steinmeier, der heute als einer der erfolgreichsten „Stunt-Männer“ Deutschlands gilt. Und doch hat er sich seinen Erfolg aber hart erarbeiten müssen. Ohne Kontakte ins Filmgeschäft einzusteigen, war für ihn alles andere als leicht.

Er hat schon mit Spielberg und Tarantino gedreht

Aber der 1,88 Meter große, schlanke Mann hatte Glück. Bereits 1982 bekam er seinen ersten festen Auftrag. Tänzerin und Choreografin Pina Bausch vom Wuppertaler Tanztheater suchte vier Stuntmen, die auf der Bühne die Gewalt verkörpern sollten. Sie fand in Mac Steinmeier und seinen Kollegen die Idealbesetzung. „31 Jahre lang durfte ich mit Pina Bausch und ihrem Stück Nelken rund um den Erdball reisen und mit meinem Team Stuntszenen in diesem Tanztheater zeigen“, erzählt Steinmeier. Ein Auftrag mit Folgen. „Auch für Opern wie Die Zauberflöte, Theaterstücke wie Siegfried oder die Regensburger Festspiele durften wir Choreografien entwickeln und in vielen Aufführungen mitwirken.“

Auch im Fernsehen war Steinmeier schon früh zu sehen. 1980 zum Beispiel in der Krimiserie Soko 5113. Er doubelte damals den Schauspieler Klaus Wildbolz, der in der Folge Schneetreiben durch eine gläserne Balkontür springen musste. „Klingt ziemlich einfach, ist aber doch kompliziert“, betont Steinmeier. „Je nachdem, welches Glas benutzt wird, kann so ein Sprung sehr gefährlich sein. Da muss man höllisch aufpassen.“

Inzwischen betreut Steinmeier mit seiner Firma regelmäßig Serien, zum Beispiel Die Bergretter, Der Bergdoktor oder Die Chefin. Auch für den Tatort, Polizeiruf 110 oder Aktenzeichen XY ... ungelöst ist er oft im Einsatz. Er steht den Regisseur*innen als Stuntkoordinator bei allen gefährlichen Szenen zur Seite. Dabei geht es darum, die Abläufe zu koordinieren, Schauspieler zu choreografieren und – das dürfte das Wichtigste sein – die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Und auch bei internationalen Spielfilmen ist Steinmeier immer wieder mit von der Partie. In Steven Spielbergs Der Soldat James Ryan oder Quentin Tarantinos Inglourious Basterds zum Beispiel.

Heute hat Steinmeier zehn Mitarbeiter*innen, darunter auch zwei Frauen. Viele Jugendliche lockt der Beruf. Doch viele, die zu Steinmeier kommen, machen sich eine falsche Vorstellung davon. „Nur wenige Bewerber sind geeignet für diesen Job und bringen die nötigen Voraussetzungen mit“, sagt Steinmeier. „Viele von ihnen wollen ihn auch nur als Sprungbrett nutzen, um zum Film zu kommen.“ Und Neulinge müssten Geduld haben. Bis der erste Dreh stattfindet, vergehen oft ein bis zwei Jahre. „Und Stuntman zu sein, bedeutet täglich harte Arbeit und oft sehr lange Drehtage, insbesondere auch an den Wochenenden“, betont der Profi.

Steinmeier hat schon für Schauspieler wie Roger Moore, Götz George und Hugh Grant Kopf und Kragen riskiert. Und er prügelte sich mal mit dem bekannten Western-Star Bud Spencer. Natürlich vor der Kamera – 1988 für die Serie Jack Clementi. Gefährliche Sache. Wobei „gefährlich“ für Steinmeier, der sich unter anderem mit Joggen, Tennis und Radfahren fit hält, relativ ist: „Wir versuchen die Szenen so gut wie möglich zu kalkulieren und vorzubereiten.“ Und so das Risiko auf ein Minimum zu reduzieren. „Oft sieht ein Stunt gefährlicher aus, als er tatsächlich ist“, sagt Steinmeier. Richtig verletzt hat er sich in seinen knapp 40 Berufsjahren nur zwei Mal, einmal die Schulter und einmal den Fußknöchel. „Außerdem aber gab es ganz viele blaue Flecken und Prellungen.“

Als Stuntman muss man täglich trainieren

Seine Erfahrungen gibt Steinmeier gerne weiter. Bis Ende 2010 inszenierte und besetzte er mit seiner Firma die Stuntshow in der Bavaria Filmstadt in München. Und beantwortete dabei auch alle Fragen der Filminteressierten. „In dieser Zeit haben wir vier Konzepte erarbeitet und mit der Filmstadt zusammen umgesetzt“, so Steinmeier. Ob in einer alten Zeche, Schimanski-City oder einem Straßenzug aus Brooklyn in New York – „über die Jahre hinweg entwickelte sich die Stuntshow zum Stunttheater, in dem nicht nur spektakuläre Stunts gezeigt wurden, sondern vielmehr Unterhaltung durch Information, Animation und kontinuierliche schauspielerische Leistungen des Stuntteams geboten war“, erklärt Steinmeier. Highlights aber natürlich auch da: Prügelszenen, Verfolgungsjagden, Schusswechsel, Explosionen und spektakuläre Feuer-Stunts.

An Aufträgen aber mangelt es Steinmeier auch nach Ende seiner Stuntshow-Ära auf dem Bavaria Film-Gelände nicht. Die Corona-Zeit und ihre Auswirkungen gingen allerdings auch an ihm nicht spurlos vorüber. Steinmeier hat diese Zeit aber sinnvoll genutzt. „Wir hatten einige Wochen Drehstopp“, erklärt er. Als Selbstständiger mit Stuntfirma habe man aber immer gut zu tun. Steinmeier: „Ich konnte jetzt endlich viele Kleinigkeiten erledigen, die bei mir sonst oft länger liegen bleiben.“ (Sabine Neumann)

Fotos: Stuntman Mac Steinmeier (privat). 
Sieht nicht nur gefährlich aus, ist es auch: Sprung durch eine Glasscheibe (Bavaria Filmstadt).

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