Leben in Bayern

So kann man bequem auf der Bierbank sitzen. Mei Leni heißt die Erfindung von Andreas Hemmeter, der die Lehne auch gerne selbst nutzt. Genau wie sein Sohn Lenni. (Foto: privat)

27.09.2026

Diese Erfindung eines Weißenburgers macht den Bierzeltbesuch viel bequemer

Rückenschmerzen auf der Wiesn? Die mobile Bierbankrückenlehne eines Erfinders aus Weißenburg könnten viele auch auf dem Oktoberfest brauchen

Das romantische Städtchen Weißenburg in Mittelfranken ist ein Ort mit Geschichte und Tradition. Aber genau diese Tradition war unter anderem Anlass für einen Geistesblitz: Andreas Hemmeter (42) ist zwar kein Orthopäde, aber er weiß, was einem kranken oder auch einem gesunden Rücken guttut. Er ist der Erfinder der mobilen Bierbankrückenlehne „Mei Leni“, die überall dabei sein sollte, wo Feste gefeiert werden und Bierzeltgarnituren stehen – also auch auf der Wiesn in München. Die meisten Fest- und Wirtshausbänke haben nichts zum Anlehnen und das tut einfach dem Rücken nicht gut.

Es gibt Abhilfe

„Mei Leni“ heißen die zwei Zauberwörter, die Abhilfe schaffen könnten. Diese mobile Holz-Rückenlehne lässt sich mit einem Hebel „rucki, zucki“ mit nur einem Handgriff an jeder Bierbank befestigen – egal ob Biergarten, Kirchweih, daheim oder Oktoberfest. Die großen Vorteile: Man kann sich mit seinem Rücken problemlos an „Mei Leni“ anlehnen. So sitzt man bequem und kann das Fest genießen – ohne Rückenschmerzen. Gut zu gebrauchen auch als Ablage, zum Beispiel für Jacken und Mäntel oder Handtaschen. Der Transport ist ganz einfach: Die Rückenlehne hat eine herzförmige Aussparung – und da feste zupacken!

Die Schnapsidee für Mei Leni hatte eigentlich ein Bekannter von Andreas Hemmeter. Er beklagte sich in Gesprächen immer öfter über die unbequemen Wirtshausbänke und überhaupt über Stühle oder Bänke, die keine Rückenlehne haben. Kreuzschmerzen waren die Folge und da konnte man schon einen Festbesuch in schlechter Erinnerung behalten: „Dabei haben wir arg viel zu feiern“, erzählt Andreas Hemmeter begeistert, „an der Kerwa (Kirchweih) am dritten und vierten Sonntag im August treffen sich hier bei uns die Weißenburger aus der ganzen Welt. Immerhin ist dieses Fest uralt und stammt von 1455. Wir haben ganz viele Besucher, schätzungsweise 70.000 oder sogar mehr. Die Auswanderer, die nach Amerika trampten, feierten sogar im 19. Jahrhundert ihre Weißenburger Kirchweih in New York City. Außerdem gibt es noch – übers Jahr verteilt – Altstadtfest, Kultursommer und weitere schöne Feste in Weißenburg.“

Also genug Anlässe für den Einsatz von Mei Leni, die es seit 2017 gibt. Hätten damals die Amerika-Auswanderer von Mei Leni gewusst, so hätten sie diese bestimmt mit über den großen Ozean genommen. So ist sie „nur“ im heimischen Mittelfranken bestens bekannt, aber es gibt schon Bestellwünsche aus ganz Deutschland und auch aus der Schweiz. Und mittlerweile streckt Andreas Hemmeter seine Fühler nach Amerika aus!

Die Bezeichnung Mei Leni steht für „meine Lehne“. Die Erklärung dazu von Andreas Hemmeter ist sehr einfach: „Heut nehm i mei Leni mit“ hat sich im Bekanntenkreis inzwischen etabliert und ist nicht mehr daraus wegzudenken. „Ich möchte mit meiner Leni zum Erhalt der bayerischen Festkultur beitragen, durch diese kreative Idee die Tradition weiterentwickeln und einen modernen Dreh hineinbringen.“

Schon 12.000 Exemplare

Mei Leni ist komplett made in Germany: In der Lebenshilfe Altmühlfranken e.V., in der auch Metallbaumeister Andreas Hemmeter als Werkmeister arbeitet, fertigt er nach eigenen Zeichnungen – zusammen mit Menschen, die eine Beeinträchtigung haben, zuerst die Rückenlehne an. Der Rest läuft für ihn nach einem gut ausgetüftelten Plan ab: Mit einer Plattensäge werden die Einzelteile zugeschnitten, auf eine CNC-Maschine gespannt, dann die Außenkonturen und das Leni- Herz mit einer Oberfräse ausgefräst.

Anschließend erfolgt der Feinschliff des Holzes, das Logo muss noch mit einem Brennstempel eingebrannt werden und nun ist die Leni auch fast fertig. Es fehlt noch die Stahlklemmung, die gelasert und gebogen wird; das Gewinde schneidet er mit einer Ständerbohrmaschine. Mit einer Kunststoffbeschichtung kommen die Teile bei 220 Grad in den Brennofen. Nach der Abkühlung muss die Leni noch mit einem Klemmhebel zusammengeschraubt und montiert werden. Die Holzplatten aus Fichte sind verleimt und das Klemmsystem ist aus beschichtetem Stahl, dazu liefert er noch einen hochwertigen Klemmhebel mit, der an der Leni befestigt ist.

Andreas Hemmeter, der auch die Schutzrechte besitzt, geht bei der Herstellung sehr sorgfältig mit „seiner Leni“ um: „Ich verwende für das Holz nur edles Öl für die Eichenoptik. Auf der Innenseite ist ein von mir gelasertes Antirutschgummi eingeklebt – damit alles gut hält. Sauber schleifen, ölen und Endkontrolle sind ein „Muss“. Nach 30 Minuten ist Mei Leni verkaufsfertig.“ Bisher hat der „Dresi“, wie er von seinen Freunden oft scherzhaft genannt wird, 12.000 Exemplare hergestellt. „Verwendet werden größtenteils recycelte Holzplatten, die von nicht mehr brauchbaren Bierzeltgarnituren stammen. Also alles sehr umweltfreundlich!“

Die Leni gibt es in verschiedenen Variationen zu kaufen: Die mobile Rückenlehne mit hochwertiger Lasur, mit Eichenöl und UV-Schutz, 1,5 Kilogramm schwer und mit den Maßen 41 x 25 Zentimeter kostet 48 Euro. Oder die komplette Leni-Version in Natur, gleiche Maße, Preis: 46,50 Euro. Etwas Besonderes: Die Leni mit personalisierter Lasergravur ist einfach der Renner. Da gab es schon jede Menge Sonderwünsche für Prägungen, wie zum Beispiel Motive von Eheringen, Personennamen, Firmenlogos, witzige Sprüche und so weiter.

Bequem sitzen

Für jeden Geschmack gibt es also die passende Leni! Das spiegelt sich auch in seinem Gästebuch wider, das offen für jeden Kunden ist. Da schreibt zum Beispiel eine Kundin: „Mei Leni hat sehr elegant das Problem des bis dato für mich auf Dauer unbequemen Sitzens auf einer Bierbank wegen fehlender Lehne gelöst. Sie ist gut in der Packtasche meines Radls transportabel und begleitet mich von nun an immer in den Biergarten.“

Andreas Hemmeter hat für seine Kunden aber noch einen kleinen, aber wichtigen Hinweis: „Bitte trotzdem gut aufpassen, wenn ihr euch auf einer Bank anlehnt!“ Die Lehne halte zwar sehr gut an den Bierbänken – nur hätten diese selbst keinen Ausleger, sodass im Zweifelsfall die ganze Bank mit nach hinten kippen könnte. „Die Leni selber ist robust und bleibt dabei heil – nur die Leut halt nicht immer …“ (Sabine Neumann)
 

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