Leben in Bayern

Klaus-Peter Lichtinger ist für den Ceres-Award nominiert – als einziger Schweinehalter Bayerns. (Foto: Melanie Bäumel-Schachtner)

16.10.2026

Dieser Landwirt könnte bald bester Schweinehalter Deutschlands sein

Der Niederbayer Klaus-Peter Lichtinger ist als einziger Bayer für den Ceres-Award in der Kategorie bester Schweinehalter Deutschlands nominiert. Wie hat er das geschafft?

Am 21. Oktober muss Klaus-Peter Lichtinger wohl noch früher aufstehen und zügiger arbeiten als sonst. Denn der Landwirt aus Allkofen bei Laberweinting im Landkreis Straubing-Bogen und seine Frau Katharina haben dann einen langen Tag vor sich. Nach getaner Arbeit fahren sie nach Berlin. Dort wird am Abend der Ceres-Award verliehen und der 36-jährige Landwirt ist in der Kategorie der „besten Schweinehalter Deutschlands“ nominiert. Er ist der einzige Finalist aus Bayern und einer, der bewusst auf die sogenannte Haltungsform 2 setzt. Die Schweine haben dabei unter anderem mindestens 12,5 Prozent mehr Platz als im gesetzlichen Mindeststandard.

Inzwischen ist Lichtingers Ehrgeiz geweckt: Er will gewinnen. Dabei hatte er zunächst kaum damit gerechnet, es ins Finale dieses „Oscars der Landwirtschaft“, des renommierten Preises mit sieben Kategorien, zu schaffen. „Ich habe aus Jux und Tollerei die Bewerbung ausgefüllt und dachte mir, ich mache einfach mal mit“, erinnert er sich.

Zwei Monate später war klar: Er fährt nach Berlin

Zwei Monate später erhielt er völlig überraschend eine E-Mail: Die Jury wollte seinen Hof besuchen. Einen Tag lang führte Lichtinger die Fachleute durch die Ställe. Ob der dabei gewonnene Eindruck für den ersten Platz gereicht hat? „Sie haben nichts rausgelassen“, sagt der Landwirt.

Für ihn ist aber schon dieser Finaleinzug ein großer Erfolg. In Deutschland werden die Haltungsformen für Schweine seit August 2023 durch das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (TierHaltKzG) verbindlich geregelt. Dieses staatliche Label unterscheidet fünf verschiedene Haltungsformen. Lichtinger hat sich ganz bewusst für die Haltungsform 2 entschieden.

Tierwohl ist ihm wichtig, aber auch, weniger Flächen zu versiegeln und Platz zu sparen sowie im Wettbewerb bestehen zu können. Die Investitionen für diese Haltungsform waren etwas einfacher zu schultern als bei Haltungsform 3 oder 4, dennoch ist der studierte Landwirt manchmal frustriert: „Die Diskussion geht nur noch um Tierwohl, doch dafür geben die Verbraucher einfach nicht genug aus.“

Beim Ceres-Award hatten sich viele Schweinehalter beworben, die sich für die Haltungsform 3 und 4 entschieden haben – also Schweinehalter mit Frischluftställen beziehungsweise Freilandhaltung. Er ist der einzige Finalist mit Haltungsform 2. Das macht ihn stolz.

Lichtinger ist noch jung und kämpft dennoch schon seit Jahren darum, dass Ferkelerzeuger bessere Preise für ihre Tiere erhalten. Der Schweinepreis ist im Keller und derzeit ist keine Besserung in Sicht. Gleichzeitig steigen die Ausgaben – Dünger, Diesel, Wasser, Strom, alles wird immer teurer. Derzeit kann der Landwirt kaum kostendeckend arbeiten. Aufgeben will und kann er aber auch nicht. Er führt den elterlichen Betrieb im Haupterwerb. „30 bis 35 Jahre muss und möchte ich schon noch davon leben“, sagt er.

Aus diesem Grund begleitet er mit sehr viel Engagement als zweiter Vorsitzender des Ferkelerzeugerrings Landshut das innovative Pilotprojekt „Sauguad“. Bei dem Projekt geht es einerseits um Tierwohl, andererseits aber auch um die Vermarktung des Fleisches von Jungebern, die mit einem Gewicht von 75 bis 80 Kilo vor der Geschlechtsreife geschlachtet werden. Es ist also keine Kastration nötig. Da die Tiere noch nicht in der Pubertät waren und die Hormone noch nicht im Körper sind, schmeckt das Fleisch anders als bei erwachsenen unkastrierten Ebern. „Es ist mager, zart und erinnert an Geflügel“, beschreibt der Landwirt den Geschmack. Unter anderem bezieht das Bezirksklinikum Mainkofen Fleisch der Initiative Sauguad.

Allerdings kann Lichtinger nur ein Sechstel seiner Tiere über dieses Projekt vermitteln, den Rest konventionell. Er setzt sich dafür ein, dass die Akzeptanz von Eberfleisch wächst, und hofft dabei auch auf einen positiven Effekt durch die Ceres-Award-Nominierung.

Lichtinger konkurriert in seiner Kategorie mit einer Landwirtschaft in Sachsen und einer in Nordrhein-Westfalen. Was er bei der Verleihung anzieht, das weiß er noch nicht so genau. Klar ist nur, dass er und seine Frau in Berlin übernachten können. Sie haben eine Vertretung organisieren können.

Was ihm wichtig ist: Nachahmer zu finden

Lichtinger freut sich schon auf den Austausch mit anderen innovativen Landwirten und darauf, Werbung für Sauguad zu machen und das Projekt auch außerhalb Niederbayerns publik zu machen, um Nachahmer zu finden. Der Niederbayer hat nämlich einen besonderen Wunsch: „Ich möchte auch, wenn ich 60 bin, auf dem Straubinger Gäubodenfest noch einen Schweinebraten mit Fleisch aus Bayern essen können.“ (Melanie Bäumel-Schachtner)
 

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