Leben in Bayern

Jubeln im Biergarten ist auch bei dieser Fußball-EM drin, wenn auch natürlich nicht so dicht an dicht wie hier bei der WM 2014. (Foto: dpa/Peter KneffeL)

11.06.2021

EM-Gaudi trotzt Corona

Diese Fußball-Europameisterschaft wird aufgrund der Pandemie zwar anders sein – Public Viewing aber geht, wenn auch im etwas überschaubareren Rahmen

Es geht los: Jogi Löws Jungs kämpfen bei der Fußball-EM um den Meistertitel. In München finden vier Spiele in der Allianz Arena statt – vor jeweils 14 000 Zuschauer*innen. Wer kein Stadionticket ergattern konnte, muss die Fußballabende aber nicht einsam auf der heimischen Couch verbringen. Ob im Münchner Biergarten oder im Nürnberger Fanpark: Rudelgucken mit Abstand ist erlaubt. Spannende Zeiten – auch für Bayerns Polizei.

Lange mussten die Fans zittern. Doch vergangenen Freitag – nur eine Woche vor dem Start der Fußball-Europameisterschaft – stand es endlich fest: Jeweils rund 14 000 Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen in der Münchner Allianz Arena Joachim Löws Mannschaft anfeuern. Aber auch alle Fußball-Begeisterten ohne Stadionticket können die EM, die am heutigen Freitag mit der Partie Türkei gegen Italien beginnt, stimmungsvoll verfolgen. Denn pünktlich zur EM hat die Staatsregierung die Corona-Regeln deutlich heruntergefahren. Rudelgucken – das geht angesichts der Lockerungen der Kontaktbeschränkungen. Wenn auch im Vergleich zu vergangenen Europameisterschaften in einem eher überschaubaren Rahmen.

Denn große Public-Viewing-Veranstaltungen gibt es in Bayern angesichts der Corona-Pandemie nicht. Auch nicht in München, in der Stadt, die einziger deutscher Spielort bei dieser EM ist. In der Allianz Arena finden zunächst die drei deutschen Vorrundenspiele statt. Am 15. Juni trifft Löws Mannschaft auf Weltmeister Frankreich, am 19. Juni auf Titelverteidiger Portugal und am 23. Juni auf den Außenseiter Ungarn. Zudem ist am 2. Juli in München ein Viertelfinale angesetzt.

Geplant war in München eine „Fan Zone“ im Münchner Olympiapark – ein Fußball-Festival mit einer Kapazität von 60 000 Zuschauern. Ende Mai verkündete die Landeshauptstadt das pandemiebedingte Aus für das Event. Profitieren vom Ausbleiben der ganz großen Veranstaltung könnte aber die durch die Pandemie arg gebeutelte Gastronomie. Biergärten und Restaurants dürfen seit dieser Woche bis 24 Uhr öffnen – Fans können so auch die Spiele, die um 21 Uhr beginnen, bis zum Ende in Gastwirtschaften gucken. „Jetzt müssen die Fans nicht nach der ersten Halbzeit nach Hause gehen“, freut sich Thomas Geppert, Geschäftsführer des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. Geschaut werden kann im Garten, auf der Terrasse und – das ist ebenfalls seit dieser Woche neu – auch in den Innenräumen. Lediglich in den nur noch wenigen Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 50 braucht es dafür einen negativen Corona-Test.

Hochspringen ist erlaubt, das Umarmen bei einem Tor oder einem Sieg aber nicht

Und zumindest die Menschen in Nürnberg können, wenn sie wollen, bei einer Art Fan-Fest light ihre Mannschaft anfeuern: auf der Bergbühne am Nürnberger Flughafen. Während bei früheren Turnieren bis zu 20 000 Fußball-Begeisterte gemeinsam die Spiele verfolgten, können heuer im PSD Fanpark maximal 500 Zuschauer*innen mit ihren Teams mitfiebern. In einer Art Biergarten auf festen Sitzplätzen, die zuvor online reserviert werden müssen. Voraussetzung sei, dass die Abstandsregeln eingehalten werden, betonte Nürnbergs Stadtrechts-Direktor Olaf Kuch im Bayerischen Rundfunk. „Hochspringen ist erlaubt, das Umarmen bei einem Tor oder einem Sieg ist dagegen weiterhin verboten.“

Und da könnte es haarig werden. Denn ein internationales Fußballturnier entfacht ja nicht nur bei Hardcore-Fans Emotionen und Leidenschaft. Dazu kommt oft Alkohol, der die Feierlaune der Leute noch weiter anheizt. Party-Randale in bayerischen Städten gab’s an den vergangenen Wochenenden auch schon ohne Fußball-Fieber. Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnt angesichts der Lockerungen denn auch vor Krawallen rund um die Fußball-Europameisterschaft. „Gefühlt ist für viele Menschen die Corona-Pandemie zu Ende“, erklärte deren Chef Rainer Wendt in der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Wenn dann die Polizei einschreitet und auf Abstandsregeln und Maskentragen pocht, gilt sie als Spielverderber und kann leicht zum Ziel von Corona- und Fußball-Frust werden.“

Die Polizeigewerkschaft warnt vor Krawallen rund um die Fußball-EM

Auch Jürgen Ascherl, Vizevorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Bayern, ist besorgt, dass es zu unkontrollierbaren privaten Feiern kommen könnte. „Wir erwarten, dass da einiges auf uns zukommt“, sagt er der Staatszeitung. Dabei käme die Polizei durch die großen Belastungen in der Pandemie jetzt schon auf dem Zahnfleisch daher, warnt er. „Die EM wird ihr die letzten Reserven entziehen.“ Spontane Siegesfeiern, Autokorsos – je weiter die deutsche Mannschaft im Turnier kommen wird, desto mehr Arbeit werde auf die Polizei zukommen, prophezeit Ascherl. Spannend bleibt zum Beispiel die Frage, wie viele Fans nach einem Sieg der deutschen Mannschaft zur Leopoldstraße, der Münchner Traditions-Feiermeile, pilgern werden. Auch wenn sich die Pandemielage von Tag zu Tag merklich entspannt, Tausende ausgelassener Fußball-Fans, die auf der Straße ohne Maske und Abstand feiern – da dürfte schnell Schluss mit lustig sein.

In der Allianz Arena selbst dürfte es an den Spieltagen dagegen recht entspannt zugehen. Weil jeder fünfte Zuschauerplatz leer bleibt. Und weil im Stadion auch ein strenges Hygiene- und Sicherheitskonzept gilt. Zuschauer*innen zum Beispiel benötigen einen tagesaktuellen negativen Corona-Test, egal ob sie geimpft sind oder nicht. Und sie müssen eine Maske tragen. Außerdem soll die An- und Abfahrt der Fans entzerrt werden. Mit zusätzlichen U-Bahn-Zügen. Auch werden verstärkt U-Bahn-Wachen eingesetzt, die etwa auf die Einhaltung der Maskenpflicht achten. Zudem hat der Deutsche Fußball-Bund an der Allianz Arena 4500 Parkplätze reserviert, Ticketbesitzer können sich online einen Parkschein vorab sichern.

Aber auch wer im Biergarten die Spiele mit deutscher Beteiligung schauen will, sollte frühzeitig planen. Angesichts der Abstandsregeln haben dort viel weniger Leute Platz als sonst. In einigen Biergärten muss man vorab einen Platz reservieren, in anderen dagegen gibt es gar keine Reservierungsmöglichkeit. Dann hilft es nur: frühzeitig da sein. Immerhin: Die Kontaktregeln in Bayern passen seit dieser Woche zur Kapazität einer Biertischgarnitur, zehn Personen aus beliebig vielen Haushalten dürfen jetzt beisammensitzen. Und gemeinsam jubeln.
(Angelika Kahl)

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