Leben in Bayern

Zeigt was ihm wichtig ist: Gideon Arnold mit Justizia und einer Flagge der Europäischen Union. (Foto: BSZ)

07.04.2017

Fachmann für Mediation

BSZ-Serie „Studierende mit Engagement“: Jurastudent Gideon Arnold will mit seinem Verein mittellosen Menschen bei der außergerichtlichen Streitschlichtung helfen

Schon mit 16 Jahren begann Gideon Arnold sich für Mediation zu interessieren. Dabei begleiten unabhängige Dritte Konfliktparteien bei ihrem Lösungsprozess. Damals bildete er mit seinem Bruder zusammen das Schiedsrichtergespann im Leistungskader des Handballverbands Schleswig-Holstein. Von da an ließ den angehenden Rechtswissenschaftler das Thema Konfliktvermittlung nicht mehr los.
Jetzt hat der 22-Jährige einen Verein gegründet, dessen Mitglieder sich künftig Menschen ohne ausreichend finanzielle Mittel als Mediatoren für eine juristische Konfliktlösung anbieten – ehrenamtlich natürlich.

„Bei mir ist das Interesse an Mediation schon früh entstanden“, erklärt Gideon. Während seiner Schulzeit nahm er an einer Politiksimulation teil. Dabei habe er festgestellt, dass Verhandlungen schnell verfahren sein können – gerade wenn Emotionen eine Rolle spielen. Also begann der gebürtige Münchner, sich Verhandlungstechniken zu überlegen, mit denen leichter Kompromisse gefunden werden können. Während seines Jurastudiums an der LMU stieß er dann auf das Thema Mediation und war „total begeistert“. Kurz darauf begann er mit 25 anderen engagierten Studierenden, Referendaren und Praktikern eine Ausbildung zum Wirtschaftsmediator beim Munich Center for Dispute Resolution.

Nach der Schulung begannen die Teilnehmer zu grübeln. Sie hielten es für keine gute Idee, mit dem neuen Wissen einfach wieder nach Hause zu fahren. Und so gründeten die frisch ausgebildeten Wirtschaftsmediatoren kurzerhand gemeinsam das „Forum Junge Mediation München“ (FJM München), dessen Vorstandsvorsitz Gideon anschließend übernahm. Zwar gab es zu Beginn viel zu erledigen, das Registergericht musste den Verein, das Finanzamt die Gemeinnützigkeit anerkennen. Doch nach und nach begann das Vereinsleben aufzublühen. Das Ziel: neue Mitglieder zu akquirieren, weitere Mediatoren zu schulen und die Idee weiter voranzutreiben. Da Mediatorenausbildungen im ganzen Bundesgebiet stattfinden und sich Mitglieder nach dem Studium an der LMU in ganz Deutschland verteilen, hofft Gideon auf ein schnell wachsendes Netzwerk.

Die Vorteile der Mediation liegen auf der Hand: „Im Gegensatz zu den enormen Gerichtskosten ist die außergerichtliche Streitbeilegung sehr kostensparsam“, erklärt Gideon. Außerdem übernähmen die Mediatoren lediglich strukturelle Verantwortung und entschieden nicht den Fall. „Auf diese Weise bleiben die Parteien zu jeder Zeit Herren des Verfahrens.“ Das Potenzial sei bei weitem noch nicht ausgeschöpft, meint Arnold. Für den Studenten sind viele Anwendungsfelder denkbar: Mieterstreitigkeiten, zum Beispiel. Zielgruppe sind Menschen, die sich gerichtliche Auseinandersetzungen nicht leisten können. Im Gegensatz zur Law Clinic, in der Studierende kostenlose Rechtsberatung anbieten, setzt das FJM München speziell auf alternative Streitbeilegung.

Es geht darum, möglichst günstig Streit beizulegen

Schon bald will der Verein nicht länger simulieren, sondern echte Fälle annehmen und pro bono mediiern. Dazu sollen die Webseite optimiert, Flyer gedruckt und Gerichte angeschrieben werden. Der Ausschuss hat bereits mit der Arbeit begonnen, aktiv Mandate zu akquirieren. „Außerdem wollen wir uns auch aktiv an Experten wenden, die häufiger mit solchen Streitigkeiten zu tun haben und nicht immer vor Gericht ziehen wollen“, erklärt Gideon. Natürlich sind Gerichtsverhandlungen manchmal unvermeidbar. Hilfesuchende könnten sich aber nicht zuletzt wegen der Mitglieder aus allen Fachrichtungen grundsätzlich erst einmal bei jedem Thema an den Verein wenden.

Das Projekt hilft Gideon, „über den Tellerrand hinausblicken“, erzählt der 22-Jährige. „Ermöglicht hat mir das das Deutschlandstipendium.“ Es helfe, sich nicht nur auf das eigene Studium zu konzentrieren, sondern über das Stipendiatennetzwerk mit Studierenden anderer Fachrichtungen in Kontakt zu treten, sich auszutauschen und neue Ideen zu entwickeln. Vor allem die Semester vor dem Examen seien sehr lernintensiv. „Durch die finanzielle Unabhängigkeit, die mir das Stipendium gewährt, habe ich trotzdem genug Zeit, um mich weiter zu engagieren“, betont er. Das seien tolle Voraussetzungen für eine ausgewogene Examensvorbereitung. Zum Glück.

Er will in Brüssel mithelfen, Europas Zukunft zu gestalten

Wenn Gideon sich nicht weiter ehrenamtlich einbringen könnte, würden viele Lücken entstehen. So engagiert er sich in der Fachschaft der juristischen Fakultät, leitet die Münchner Juristenmesse und kümmert sich im Mentorenprogramm von „Phi Delta Phi“ um andere Studierende. Außerdem betreut er als Mentor Mentees im LMU-eigenen P2P-Mentoring-Programm und organisiert zusammen mit einem Kommilitonen einmal im Monat einen Uniabend für den Fachbereich Rechtswissenschaften. Dabei gibt es für Schüler nicht nur Einblicke in das Wunschstudium, sondern auch Tipps zu den späteren Berufsmöglichkeiten.

Nachdem sich Gideon bei der Parlamentssimulation Model European Parliament 2010 für die deutsche Delegation im russischen Kaliningrad qualifizierte und 2012 als Ausschussvorsitzender für das Organisationsteam im dänischen Kopenhagen nominiert wurde, verwundert sein Berufswunsch nicht: „Durch den Wettbewerb wurde mein politisches Interesse geweckt“, erzählt er. Vor allem das Europa-, Völker- und internationale öffentliche Recht seien spannend. „Gerade weil die Zukunft Europas derzeit ungewiss ist, könnte ich mir gut vorstellen, einmal in Brüssel zu arbeiten und aktiv einen Teil zur Verwirklichung der europäischen Idee beizutragen.“ Erste Erfahrungen kann er bereits vorweisen: Den letzten Teil seiner praktischen Ausbildung verbrachte er in der Vertretung des Freistaats Bayern bei der Europäischen Union. Das Thema innovative Streitbeilegung wäre speziell dort sicher nicht verkehrt. (David Lohmann)

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