Leben in Bayern

Frauen haben noch immer oft das Nachsehen - im Beruf und auch in der Politik. (Foto: dpa)

07.03.2018

"Gleichstellung existiert nur auf dem Papier"

Am 8. März ist internationaler Frauentag. Immer wieder sorgt dabei die Gleichberechtigung für Diskussionsstoff - auch im wirtschaftlich florierenden Bayern. Besonders bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben es Frauen noch immer schwerer als Männer

Anlässlich des Internationalen Frauentages sowie mit Blick auf 100 Jahre Frauenwahlrecht fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Bayern mehr Gleichberechtigung von Männern und Frauen. "Trotz des Jubiläums des Frauenwahlrechts in Deutschland existiert Gleichstellung zwischen den Geschlechtern praktisch nur auf dem Papier", sagte Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, am Dienstag in München.

Nach wie vor fehle es an Frauen in Führungspositionen in Politik und Wirtschaft, aber auch in den Parteien selbst. So sei das deutsche Parlament so männlich wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Die Ungleichbehandlung zeige sich auch im Arbeitsalltag deutlich: "Viele Frauen sind befristet beschäftigt, arbeiten in Minijobs oder unfreiwillig in kurzer Teilzeit", sagte Di Pasquale. Daher sei ein gesetzliches Rückkehrrecht aus Teilzeit in Vollzeit zwingend notwendig. Zudem seien Frauen auch selbst in der Pflicht, sich für ihre Rechte einzusetzen. "Noch immer gehen zu viele Frauen nicht zur Wahl."

Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) sieht indessen die Gleichstellung als eine der wertvollsten Errungenschaften der Gesellschaft und grundlegenden Wert des Zusammenlebens. "Das haben wir starken, selbstbewussten Frauen zu verdanken, die dafür gekämpft haben", sagte sie am Dienstag. "Seit 100 Jahren steht Frauen das Wahlrecht in Deutschland zu." Dennoch gebe es auch heute noch deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern, etwa bei Karrierechancen, beim Entgelt oder bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Weder bei der Wahl des Berufs noch bei der Arbeitsverteilung in der Familie dürfen Rollenzuschreibungen und veraltete Denkmuster die Linie vorgeben", sagte Müller.

Die Wirtschaft fordert vom Staat, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen

Auch wenn die Entwicklung des Arbeitsmarkts im Freistaat für beide Geschlechter hervorragend sei, gebe es dennoch immer wieder Hindernisse für Frauen, hieß es bei der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. "Der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt stellt insbesondere für Frauen, die aufgrund von Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen ihre Berufstätigkeit für eine längere Zeit unterbrochen haben, eine Herausforderung dar", sagte Behördenchef Ralf Holtzwart. Frauen müsse der Weg zurück in die Arbeitswelt erleichtert werden, beispielsweise durch adäquate Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung sowie familienfreundliche Arbeitszeitmodelle. Dafür müssten alle Partner am Arbeitsmarkt die Weichen stellen.

Auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft sieht in einer besseren Vereinbarkeit von Familien und Beruf den Schlüssel zu einem höheren Frauenanteil, auch in Führungspositionen. "Hier ist der Staat in der Pflicht, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen", sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Anstatt mit gesetzlichen Auflagen, wie einer verpflichtenden Quote für Frauen in Vorständen voranzupreschen, müssten die notwendigen Infrastrukturen aufgebaut werden, vor allem flächendeckende Kita- und Ganztagesangebote. "Wir brauchen Chancen, keine Quoten." Fast alle deutschen und bayerischen Unternehmen böten schon jetzt familienfreundliche Maßnahmen wie Kinderbetreuung oder flexible Arbeitszeitmodelle an. "Das zeigt, dass die Wirtschaft im Freistaat das Thema Chancengleichheit auch ohne gesetzliche Regelung ernstnimmt."
(dpa)

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