Leben in Bayern

Die Christliche Polizeivereinigung ist ein überkonfessioneller, gemeinnütziger Berufsverband. (Foto: dpa)

15.03.2018

"Gott liebt auch Berufsverbrecher"

30 Jahre Christliche Polizeivereinigung: Drei Fragen an den Vorsitzenden Holger Clas

An heutigen Donnerstag begeht die Christliche Polizeivereinigung (CPV) in Deutschland zum 30. Mal ihren Jahresempfang. Er findet alljährlich in Nürnberg statt. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat wieder sein Kommen zugesagt. Dabei ist die Organisation relativ klein. Deutschlandweit gibt es 500 Mitglieder, 5.000 aber fühlten sich der Vereinigung verbunden, erklärt der Vorsitzende, Kriminalhauptkommissar Holger Clas aus Hamburg.

Frage: Kann es sein, dass ein Polizist oder eine Polizistin, die sich unter den Kollegen als Christ outen, dafür belächelt oder auch gehänselt wird?
Holger Clas:
Es ist uns ein Anliegen, nicht als weltfremde, frömmelnde Außenseiter wahrgenommen zu werden - die wir nicht sind. Die Säkularisierung schreitet voran und nicht jeder kann etwas mit dem christlichen Glauben anfangen. Auf unsere Kollegen, die ihr Leben auf den Glauben an Jesus Christus stützen und sich bemühen, christliche Werte im täglichen Dienst sichtbar werden zu lassen, wird unterschiedlich reagiert. Zwischen aufrichtigem Interesse über Desinteresse bis zu offensiver Distanz ist alles vertreten. Also genau das, was Christen seit 2.000 Jahren auch in anderen beruflichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen erleben. Wir wollen unsere Kolleginnen und Kollegen dazu ermutigen, sich nicht übertrieben und penetrant, aber persönlich und authentisch zu Jesus Christus zu bekennen. Tatsächlich erfahren wir immer wieder auch Respekt für unsere klare Positionierung als christliche Polizisten.

Frage: Wie schafft man es, christliche Nächstenliebe auszuüben, wenn man es als Polizist täglich mit Menschen zu tun hat, die Werte nicht kennen, andere Leute übers Ohr hauen, rücksichtslos im Straßenverkehr sind oder sogar anderen Gewalt antun?
Clas: Die Forderung der Nächstenliebe bezieht sich gerade nicht nur auf liebenswürdige Menschen. Eine besondere Herausforderung für jeden Polizeibeamten ist der Umgang mit schwierigen Menschen, mit Gewalttätern, Berufsverbrechern und anderen, deren Taten Abscheu und Zorn hervorrufen können. Es fordert uns eine Entscheidung ab, wenn wir Feinde lieben und segnend für sie beten wollen. Als Christ weiß ich, dass viele Menschen Gott nicht kennen und ohne Verbindung zu ihm leben. Aber Gott liebt auch sie und geht ihnen nach. Gerade im Kontakt mit diesen Menschen sollte ich mich um eine professionelle, souveräne Vorgehensweise bemühen und christliche Werte spürbar werden lassen.

Frage: Vor kurzem hat in Regensburg ein Gottesdienst für Polizisten, Sanitäter, Feuerwehrleute stattgefunden, bei dem der schwindende Respekt gegenüber Einsatzkräften thematisiert wurde. Welchen Umgang mit diesem Phänomen raten Sie als Christ Ihren Kollegen?
Clas: Es ist leider eine traurige Tatsache, dass immer mehr Menschen unserem Staat und seinen Amtsträgern wie Polizei- und Feuerwehrkräften feindlich gegenüber stehen. Eine Entwicklung, die vielfältige Gründe hat und nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Mein Rat ist zunächst einmal derselbe, den auch Führungskräfte der Polizei geben: Wir wollen Konflikte natürlich - soweit es möglich ist - immer in erster Linie kommunikativ entschärfen. Dabei konsequent einschreiten, die rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, die Grundsätze der Eigensicherung beachten und frühzeitig Verstärkung anfordern. Zugleich ermutigen wir unsere Kollegen, ihren Beruf als Polizeibeamter als Berufung von Gott anzunehmen. "Er selbst hat die staatliche Ordnung eingesetzt", wie es in der Bibel im Römerbrief heißt, "damit wir alle ein friedliches Leben führen können". 
(Interview: Jutta Olschewski, epd)

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